Der Lauf­steg ih­res Le­bens

Por­trät Gi­se­le Bünd­chen stellt ih­re Au­to­bio­gra­fie vor. Da­rin er­zählt das Su­per­mo­del, wie die Her­aus­for­de­run­gen des Le­bens sie zu ei­nem spi­ri­tu­el­len Men­schen ge­macht ha­ben

Wertinger Zeitung - - Meinung & Dialog - Ma­ria Hein­rich

Grö­ße: 1,80 Me­ter. Ma­ße: 86-66-91. Über 500 Run­way-Shows, mehr als 1000 Co­ver­fo­tos welt­weit, ein ge­schätz­tes Ver­mö­gen von 300 Mil­lio­nen Dol­lar. Die Bra­si­lia­ne­rin Gi­se­le Bünd­chen ge­hört zu den er­folg­reichs­ten Su­per­mo­dels al­ler Zei­ten. Sie führt ein Le­ben vol­ler Ruhm und Reich­tum, so stellt man es sich zu­min­dest vor. Doch wie schwie­rig der Weg an die Spit­ze der Mo­de­bran­che war, be­schreibt die 38-Jäh­ri­ge in ih­rer ers­ten Au­to­bio­gra­fie, die sie jetzt vor­stellt: „Les­sons – Ein Weg zu ei­nem sinn­er­füll­ten Le­ben“.

In dem Buch schreibt Bünd­chen al­so über Lek­tio­nen, die sie das Le­ben ge­lehrt hat. Gi­se­le Ca­ro­li­ne Non­nen­ma­cher Bünd­chen wächst mit fünf Schwes­tern in Bra­si­li­en auf. Die El­tern sind in fünf­ter Ge­ne­ra­ti­on Deutsch-Bra­si­lia­ner, der Va­ter ar­bei­tet als So­zio­lo­ge, die Mut­ter in

ei­ner Bank. Über sich selbst sagt Bünd­chen, sie sei sehr dis­zi­pli­niert und pro­fes­sio­nell. Das sei wohl ty­pisch deutsch an ihr, ver­mu­tet sie. Das hilft ihr auch, als sie mit 14 Jah­ren bei ei­nem Mo­del­wett­be­werb in ei­nem Ein­kaufs­zen­trum in São Pau­lo ent­deckt wird und als Teen­ager von zu Hau­se aus­zieht, um als Mo­del zu ar­bei­ten.

Wenn sie in Fern­seh­in­ter­views über ihr

Buch spricht, lä­chelt sie im­mer breit in die Ka­me­ra, neigt den Kopf ko­kett nach rechts, wirft die Haa­re in den Na­cken. Auch dann, als die Mo­de­ra­to­ren sie nach den schlim­men Er­leb­nis­sen fra­gen. Bünd­chen wird in jun­gen Jah­ren viel von an­de­ren Kin­dern ge­hän­selt. Mit 13 Jah­ren ist sie be­reits 1,80 Me­ter groß, die Jungs zie­hen sie we­gen ih­rer gro­ßen Na­se und ih­ren klei­nen Au­gen auf. Sie nen­nen sie Oli­via, in An­leh­nung an die dür­re Frau von Popeye. 1998 liegt das längst hin­ter ihr, als ihr der in­ter­na­tio­na­le Durch­bruch ge­lingt. Auf ei­ner Mo­den­schau von Alex­an­der McQueen löst sie mit ih­rem zu­min­dest für Mo­dels kur­vi­gen Kör­per­bau die dür­ren, kno­chi­gen und blei­chen Mo­dels des „He­ro­in Chic“ab.

Schnell steigt sie zu den best­be­zahl­ten Su­per­mo­dels der Welt auf, läuft be­reits mit 19 Jah­ren als En­gel für das Un­ter­wä­sche­la­bel Vic­to­ri­as Se­cret. Be­ruf­lich geht es im­mer wei­ter nach oben, pri­vat hat Bünd­chen zu kämp­fen. Mit An­fang 20 lei­det sie an Pa­nik­at­ta­cken, im Lau­fe der Jah­re wird die Angst­stö­rung im­mer grö­ßer. Heu­te sagt sie, erst Yo­ga und Me­di­ta­ti­on hal­fen ihr da­mals, da­mit fer­tig zu wer­den. Die Her­aus­for­de­run­gen ih­res Le­bens ha­ben sie zu ei­nem spi­ri­tu­el­len Men­schen ge­macht, so steht es in ih­rem Buch.

2015 ver­ab­schie­det sich Bünd­chen von der Lauf­steg-Kar­rie­re und küm­mert sich seit­her um ih­ren Ehe­mann, den Foot­ball-Star Tom Bra­dy, ih­ren Stief­sohn John und die bei­den ge­mein­sa­men Kin­der Ben­ja­min und Vi­vi­an. Sie grün­det ei­ne ei­ge­ne Stif­tung, die sich für Um­welt­schutz­pro­jek­te ein­setzt. 100 Pro­zent der Ein­nah­men aus den Buch­ver­käu­fen flie­ßen dort hin.

Fo­to: dpa

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