Premium-Ae­ro­tec-Mit­ar­bei­ter fürch­ten um ih­re Jobs

Luft­fahrt Die Ge­schäfts­lei­tung des Augs­bur­ger Air­bus-Zu­lie­fe­rers kün­digt ein Re­struk­tu­rie­rungs­pro­gramm an. Das könn­te vie­le Stel­len kos­ten

Wertinger Zeitung - - Wirtschaft - VON STE­FAN STAHL

Augs­burg/Tou­lou­se Die Ge­duld der Be­schäf­tig­ten des Augs­bur­ger Luft­fahrt­wer­kes von Premium Ae­ro­tec ist er­schöpft. Seit am Schwar­zen Brett ei­ne Mit­tei­lung mit dem Da­tum 28. Fe­bru­ar 2019 un­ter dem Be­treff „Re­struk­tu­rie­rung Stand­ort Augs­burg“aus­hing, wol­len sie zum wie­der­hol­ten Mal ge­nau­er wis­sen, was das für die noch 3600 Be­schäf­tig­ten des Zu­lie­fer­wer­kes be­deu­tet.

Wie die­se Re­dak­ti­on aus Mit­ar­bei­ter­krei­sen er­fah­ren hat, könn­ten Ver­tre­ter der Ge­schäfts­lei­tung am Don­ners­tag bei ei­ner um 11 Uhr be­gin­nen­den Be­triebs­ver­samm­lung Zah­len nen­nen, wie vie­le Ar­beits­plät­ze weg­fal­len sol­len. Hin­ter den Ku­lis­sen wird „ein mas­si­ver Schritt“er­war­tet.

Zu­letzt war in­des noch un­klar, wie vie­le Jobs lang­fris­tig be­droht sein kön­nen. Doch Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter po­chen nun dar­auf: „Wir wol­len end­lich kon­kret wis­sen, wel­ches Aus­maß der Ar­beits­platz­ab­bau hat.“Die schon lan­ge an­dau­ern­de Un­ge­wiss­heit sei für die Be­schäf­tig­ten un­er­träg­lich. Um ih­ren Un­mut über die La­ge kund­zu­tun, könn­te es heu­te sei­tens der Mit­ar­bei­ter von Premium Ae­ro­tec zu Pro­tes­ten kom­men, wur­de spe­ku­liert.

Der Be­schäf­ti­gungs­ab­bau droht sich in dem Werk je­den­falls fort­zu­set­zen. Nach Darstel­lung von Ar­beit­neh­mer-Ver­tre­tern ist die Zahl der Leih­ar­bei­ter von zu Spit­zen­zei­ten rund 500 schon auf nur noch gut 220 ge­sun­ken. Für die Stamm­be­schäf­tig­ten gilt aber ein Kün­di­gungs­schutz bis En­de 2020. Da­nach, so be­fürch­ten Mit­ar­bei­ter, könn­ten ab 2021 aber hun­der­te Ar­beits­plät­ze weg­fal­len, wenn die Ge­schäfts­lei­tung und Ver­ant­wort­li­che des Mut­ter­kon­zerns Air­bus nicht end­lich zu­sätz­li­che Pro­duk­ti­ons­pa­ke­te nach Augs­burg ver­ge­ben. An­sons­ten, heißt es war­nend, be­ste­he die Ge­fahr, dass der Stand­ort lang­fris­tig aus­blu­te.

Die Si­tua­ti­on aus Sicht der Be­schäf­tig­ten ist pa­ra­dox: Ei­ner­seits rühmt sich Air­bus ei­nes Re­kord­auf­trags­bu­ches, an­de­rer­seits ste­hen dem Augs­bur­ger Stand­ort wei­te­re schmerz­haf­te Ein­schnit­te be­vor. Wenn Mit­ar­bei­ter dann noch le­sen, dass der jetzt aus­ge­schie­de­ne Air­bus-Chef Tom En­ders nach ei­nem Be­richt der fran­zö­si­schen Zei­tung Le Mon­de mit ei­nem gol­de­nen Fall­schirm von 36,8 Mil­lio­nen Eu­ro in den Ru­he­stand geht, „schwillt ei­ni­gen der Kamm“, wie in Augs­burg zu er­fah­ren ist.

Doch dass die Air­bus-Fa­b­ri­ken zu­min­dest rech­ne­risch bis zu zehn Jah­re aus­ge­las­tet sind und trotz­dem auf Augs­burg Un­ge­mach zu­kom­men könn­te, lässt sich er­klä­ren: Na­tür­lich wirkt sich das Aus für das Air­bus-Rie­sen­flug­zeug A380 auch ne­ga­tiv in Augs­burg aus, wer­den dort doch et­wa Flü­gel­vor­der­kan­ten und an­de­re wich­ti­ge Tei­le für den di­cken Brum­mer pro­du­ziert. Das En­de die­ses Luft­fahrt­traums al­lein reicht aber bei wei­tem nicht aus, um die be­fürch­te­ten mas­si­ven Job-Ver­lus­te zu er­klä­ren. Hier kommt der enor­me Kos­ten­druck ins Spiel, dem sich Premium Ae­ro­tec sei­tens des Auf­trag­ge­bers und Ei­gen­tü­mers Air­bus aus­ge­setzt sieht. So wur­de die Pro­duk­ti­on von im­mer mehr Tei­len et­wa in das kos­ten­güns­ti­ge­re ru­mä­ni­sche Premium-Ae­ro­tecWerk ver­la­gert. Ob­wohl die klei­nen und auch in Augs­burg her­ge­stell­ten Air­bus-Flug­zeu­ge ein Kas­sen­schla­ger sind, schlägt das nicht auf den Stand­ort durch. Denn im­mer mehr Tei­le für die klei­ne­ren Air­bus-Flie­ger wer­den auch in der bil­li­ger pro­du­zie­ren­den Türkei ge­fer­tigt.

Hält der Trend an und be­kommt Augs­burg nicht die von Be­schäf­tig­ten­sei­te ge­for­der­ten zu­sätz­li­chen Ar­beits­pa­ke­te, ist ein hef­ti­ger Per­so­nal­ab­bau aus Sicht von Ex­per­ten un­aus­weich­lich. Um aber doch stär­ker als bis­her von der ho­hen Nach­fra­ge an den klei­ne­ren Flie­gern zu pro­fi­tie­ren, müss­te in das Augs­bur­ger Werk kräf­tig in­ves­tiert wer­den. Da­durch lie­ße sich die Fer­ti­gung in­ten­si­ver au­to­ma­ti­sie­ren.

Ur­sprüng­lich heg­ten die Premium-Ae­ro­tec-Ma­na­ger die Hoff­nung, dass sich Air­bus aus dem Toch­ter-Un­ter­neh­men über ei­nen Bör­sen­gang oder ei­nen Ver­kauf voll oder zu­min­dest teil­wei­se zu­rück­zieht. Dann hät­ten die Augs­bur­ger für Kon­kur­ren­ten wie Bo­eing Auf­trä­ge er­le­di­gen und Jobs si­chern kön­nen. Das hät­te zur fi­nan­zi­el­len Stär­kung des Wer­kes bei­ge­tra­gen. Einst hat­te Premium Ae­ro­tec di­cke ro­te Zah­len ge­schrie­ben. Doch die­se Zei­ten sind zu­min­dest vor­bei.

Ein Ver­kauf oder Bör­sen­gang des Zu­lie­fe­rers scheint nach In­for­ma­tio­nen die­ser Zei­tung vom Tisch zu sein. In In­dus­trie­krei­sen wird viel­mehr spe­ku­liert, die nord­deut­schen Wer­ke in Va­rel und Nor­den­ham könn­ten wie­der voll in den Air­busKon­zern in­te­griert wer­den, wäh­rend der Augs­bur­ger Stand­ort „ver­selbst­stän­digt“wür­de.

Ar­beit­neh­mer-Ver­tre­ter hof­fen nun, der neue fran­zö­si­sche Air­busChef Guillaume Fau­ry wol­le den Job nicht gleich mit ei­nem Ar­beits­plat­zKahl­schlag in Augs­burg be­gin­nen. Sie for­dern ihn ent­schie­den auf, den Be­schäf­tig­ten ei­ne Per­spek­ti­ve auf­zu­zei­gen. Sein Vor­gän­ger En­ders muss sich auf al­le Fäl­le mit dem sen­si­blen The­ma, wie die Zu­kunft von Premium Ae­ro­tec aus­sieht, nicht mehr be­fas­sen. Er wird froh sein.

Ein Lands­mann könn­te in­des die In­ter­es­sen der hei­mi­schen Stand­or­te künf­tig ver­tre­ten. Denn Ex-Te­le­kom-Chef Re­né Ober­mann soll ein­mal an die Spit­ze des Air­bus-Kon­troll­gre­mi­ums rü­cken. Und die Hoff­nun­gen der Augs­bur­ger Be­schäf­tig­ten ru­hen auch auf dem Deut­schen Micha­el Schöll­horn, der zu ei­nem der Chefs von Air­bus be­stimmt wur­de.

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Der Augs­bur­ger Luft­fahrt-Zu­lie­fe­rer Premium Ae­ro­tec steht vor ei­nem gro­ßen Um­bruch.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.