War­um der Ex-AfD-Frak­ti­ons­chef bei der CSU lan­den wird

Hin­ter­grund Wie sich die CSU aus der Über­läu­fer-Zwick­müh­le be­frei­en will und wel­che Rol­le „Be­wäh­rungs­hel­fer“spie­len

Wertinger Zeitung - - Bayern - VON HOLGER SABINSKY-WOLF

Mün­chen Wenn der frü­he­re AfD-Po­li­ti­ker Mar­kus Plenk wirk­lich schnell CSU-Mit­glied wer­den woll­te, könn­te er sich auf der CSU-Home­page schon ein­mal in­for­mie­ren. Für die meis­ten Men­schen ist das näm­lich ganz ein­fach: Mit­glieds­an­trag on­line aus­fül­len, ne­ben Na­men, Adres­se etc. noch Ar­beits­ver­hält­nis, Kon­fes­si­on und ei­ne Te­le­fon­num­mer an­ge­ben, der Par­tei ei­ne Ein­zugs­er­mäch­ti­gung er­tei­len und ab­schi­cken. Die An­nah­me ei­nes sol­chen An­trags ist nor­ma­ler­wei­se ein rei­ner For­mal­akt. Doch im Fall Plenk ist es al­les an­de­re als das.

Der Fall des zu­rück­ge­tre­te­nen Frak­ti­ons­chefs der AfD im Baye­ri­schen Land­tag bringt die CSU in ei­ne ech­te Zwick­müh­le. Im Land­tags­wahl­kampf ha­ben die Christ­so­zia­len die Rechts­po­pu­lis­ten noch hef­tig be­kämpft. Kann die CSU Über­läu­fer von der AfD jetzt so ein­fach bei sich auf­neh­men? Was wä­re das für ein Si­gnal? An­de­rer­seits: Hat nicht Par­tei­chef Mar­kus Sö­der selbst beim Po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch AfD-Mit­glie­der zum Aus­tritt und zur Um­kehr auf­ge­for­dert?

Ob Sö­der das in der Hit­ze sei­ner Stamm­tisch-Re­de bis zu En­de ge­dacht hat, darf be­zwei­felt wer­den. „Wenn man die AfD­ler zur Rück­kehr auf­for­dert, kann man da­nach nicht die Tür ver­schlie­ßen“, kri­ti­siert ein CSU-Vor­stands­mit­glied. In­tern geht man da­von aus, dass bis zu sie­ben der ver­blie­be­nen 20 AfDFrak­ti­ons­mit­glie­der sich po­li­tisch un­ter der Rechts­au­ßen-Che­fin Ka­trin Eb­ner-St­ei­ner nicht mehr wohl­füh­len und Wech­sel­ab­sich­ten ha­ben könn­ten. Da­her muss sich die CSU et­was ein­fal­len las­sen.

CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Mar­kus Blu­me hat deut­lich ge­macht, dass er die mög­li­che Auf­nah­me ehe­ma­li­ger AfD-Mit­glie­der ge­nau über­prü­fen will. Sei­ne Be­din­gun­gen: ei­ne glaub­wür­di­ge Dis­tan­zie­rung von der Ge­sin­nung der AfD und ein un­ein­ge­schränk­tes Be­kennt­nis zu den Grund­wer­ten der CSU. Dis­tan­ziert hat sich Ex-AfD-Mann Plenk sehr deut­lich. „Ich ha­be es satt, die bür­ger­li­che Fas­sa­de ei­ner frem­den­feind­li­chen Par­tei zu sein“, sag­te er dem Spie­gel. Und am Mitt­woch leg­te er nach: „Mit Neo­na­zis ma­che ich mich nicht ge­mein, des­we­gen ha­be ich den Ent­schluss ge­fasst und ste­he auch da­zu.“An der Land­tags­sit­zung nahm Plenk als frak­ti­ons­lo­ser Ab­ge­ord­ne­ter teil. Doch was heißt das nun für die CSU?

Von der Par­tei gibt es kei­nen of­fi­zi­el­len Kom­men­tar mehr. Aber hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand heißt es, Plenk ha­be ei­ne Chan­ce auf „Re­so­zia­li­sie­rung“ver­dient. Der Bi­o­bau­er gilt in CSU-Rei­hen als ge­mä­ßigt und auf­nah­me­fä­hig. Auch aus der Par­tei­sat­zung er­gibt sich kei­ne Hür­de. Ei­gent­lich ist die CSU ja nichts an­de­res als ein Wahl­ver­ein, die Christ­lich-So­zia­le Uni­on in Bay­ern e.V. Und je­der Ver­ein hat im Prin­zip das Recht, sich sei­ne Mit­glie­der selbst aus­zu­su­chen. „Ei­ne Ab­leh­nung be­darf kei­ner Be­grün­dung“, heißt es in der Sat­zung. Die Be­din­gun­gen für ei­ne Auf­nah­me laut Par­tei­vor­schrif­ten: Grund­sät­ze und Sat­zung der CSU an­er­ken­nen, kei­ner an­de­ren, kon­kur­rie­ren­den Par­tei an­ge­hö­ren, 16 Jah­re alt sein, sol­che Sa­chen. Und nor­ma­ler­wei­se läuft das dann so: Wenn der Vor­stand des zu­stän­di­gen Orts­ver­bands nicht bin­nen ei­nes Mo­nats dem Mit­glieds­an­trag wi­der­spricht – was er im Nor­mal­fall nicht tut – ist der An­trag an­ge­nom­men. Pro­be­mit­glied­schaf­ten sind laut Sat­zung vor­ge­se­hen.

Was be­deu­tet das kon­kret für den Fall Plenk? Ein Prä­si­di­ums­mit­glied sagt, der Ex-AfD-Mann sei selbst schlau ge­nug, zu wis­sen, was er jetzt zu tun ha­be. Plenk hat ge­äu­ßert, dass er es mit dem Über­tritt „lang­sam an­ge­hen“las­sen wol­le. „Man will ja nicht mit der Tür ins Haus fal­len.“

Das hört man ger­ne bei der CSU. Denn der Plan sieht so aus: ab­war­ten, bis sich der Rauch ver­zo­gen hat. Und wenn Plenks An­trag dann in ein paar Wo­chen oder Mo­na­ten kommt, wird der zu­stän­di­ge Orts­vor­sit­zen­de das der CSU-Lan­des­lei­tung mel­den. Da­nach ist ei­ne klei­ne, aber aus­ge­wähl­te Ge­sprächs­run­de vor­ge­se­hen, in der Plenk Re­de und Ant­wort steht. Und wie bei je­der „Re­so­zia­li­sie­rung“soll es auch „Be­wäh­rungs­hel­fer“ge­ben, so stellt es ein ho­hes CSU-Mit­glied dar. Die sol­len Plenk zum ei­nen bei der Ein­glie­de­rung be­hilf­lich sein und zum an­de­ren dar­auf ach­ten, dass er nicht „rück­fäl­lig“wird.

Mar­kus Plenk

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