Ret­tung für die Pan­nen-Flot­te im An­flug

Haus­halt Mi­nis­ter wer­den im Aus­land we­gen der deut­schen Re­gie­rungs­jets ver­spot­tet. Die Ab­hil­fe kos­tet 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro

Wertinger Zeitung - - Politik - VON BERN­HARD JUN­GIN­GER

Ber­lin Weil die Bun­des­re­gie­rung fürch­tet, durch die an­hal­ten­de Pan­nen­se­rie der Ma­schi­nen der Flug­be­reit­schaft in­ter­na­tio­nal zum Ge­spött zu wer­den, geht es mit dem Er­satz jetzt ganz schnell. Drei neue Langstre­cken­flie­ger des Typs Air­bus A350-900 wer­den an­ge­schafft. Die da­für nö­ti­gen 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro stell­te der Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­tags au­ßer­plan­mä­ßig zur Ver­fü­gung. Be­reits in gut ei­nem Jahr soll die ers­te der neu­en Ma­schi­nen aus­ge­lie­fert wer­den.

Wie pein­lich der Bun­des­re­gie­rung die stän­dig ka­put­ten Re­gie­rungs­flie­ger sind, geht aus ver­trau­li­chen Un­ter­la­gen des Haus­halts­aus­schus­ses her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen: „Ab­we­sen­hei­ten be­zie­hungs­wei­se ver­spä­te­te An­rei­sen scha­den dem Staats­in­ter­es­se und dem An­se­hen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nach­hal­tig.“

Spä­tes­tens seit dem ver­gan­ge­nen Herbst häuf­ten sich die Pro­ble­me mit den bei­den für län­ge­re Dis­tan­zen taug­li­chen Flug­zeu­gen der Bun­des­re­gie­rung. Ein De­fekt nach dem an­de­ren leg­te die nach Kon­rad Ade­nau­er und Theo­dor Heuss be­nann­ten Air­bus-Ma­schi­nen A340-300, Bau­jahr 1999 und 2000, lahm.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel muss­te im De­zem­ber nach dem ge­fähr­li­chen Aus­fall der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me ih­rer Ma­schi­ne auf dem Weg zum G20-Gip­fel in Ar­gen­ti­ni­en um­keh­ren und ei­nen Li­ni­en­flie­ger neh­men. CSU-Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler saß in Afri­ka fest, wo es auch Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er er­wisch­te. SPD-Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas war auf ei­ner USA-Rei­se be­trof­fen, auf Ba­li stran­de­te dienst­lich SPD-Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz. Die Lis­te lie­ße sich fort­set­zen.

Auf in­ter­na­tio­na­lem Par­kett, heißt es in Re­gie­rungs­krei­sen, sei­en hä­mi­sche Be­mer­kun­gen in­zwi­schen an der Ta­ges­ord­nung. Dass aus­ge­rech­net die Spit­zen­po­li­ti­ker der stol­zen In­dus­trie-, In­ge­nieurs- und Luft­fahrt­na­ti­on Deutsch­land im­mer öf­ter we­gen tech­ni­scher Pan­nen an Flug­zeu­gen feh­len oder zu spät kom­men, sei „die denk­bar schlech­tes­te Wer­bung für deut­sche Pro­duk­te“auf dem Welt­markt.

Be­reits nach dem De­ba­kel mit Mer­kels Ar­gen­ti­ni­en-Rei­se wur­de be­schlos­sen, rasch für Ab­hil­fe zu sor­gen. Doch drei Langstre­cken­flug­zeu­ge mit re­gie­rungs­taug­li­cher Ka­bi­nen­aus­stat­tung gibt es nicht ein­fach beim Händ­ler an der Ecke. Wer heu­te bei Air­bus oder dem ame­ri­ka­ni­schen Kon­kur­ren­ten Bo­eing be­stellt, kann sei­nen Flie­ger erst Jah­re spä­ter ent­ge­gen­neh­men.

So­gar auf dem Ge­braucht­markt sah sich die Bun­des­re­gie­rung in ih­rer Not um – oh­ne Er­folg. Denn das zwei­strah­li­ge Groß­raum­flug­zeug A350-900 ist noch recht neu. Wie stets bei Air­bus ent­steht es als eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­pro­duk­ti­on. Wich­ti­ge Tei­le kom­men aus Deutsch­land, et­wa vom der­zeit kri­seln­den Spe­zia­lis­ten Pre­mi­um Ae­ro­tec in Augs­burg oder von Lieb­herr Ae­ro­s­pace in Lin­den­berg im All­gäu.

Die ers­te A350-900 er­hielt En­de 2014 Qa­tar Air­ways, seit­her wur­de erst ein knap­pes Drit­tel von rund 900 be­stell­ten Ma­schi­nen aus­ge­lie­fert. Un­er­war­tet bot sich der Flug­be­reit­schaft der Bun­des­wehr, die den Flug­ver­kehr der Re­gie­rung ab­wi­ckelt, ein Aus­weg, der wohl in­di­rekt mit der In­sol­venz meh­re­rer Flug­li­ni­en in jüngs­ter Zeit zu tun hat. Gut mög­lich al­so, dass die Kanz­le­rin und ih­re Mi­nis­ter bald in Ma­schi­nen un­ter­wegs sind, die ur­sprüng­lich ein­mal als Fe­ri­en­flie­ger ge­dacht und be­stellt wa­ren.

In der Ent­schei­dungs­vor­la­ge heißt es: „Es hat sich aber die kurz­fris­ti­ge und un­er­war­te­te Mög­lich­keit zur Be­schaf­fung von drei ge­eig­ne­ten, fa­brik­neu­en, bau­glei­chen A350-900 durch Ve­rän­de­run­gen von Be­stel­lun­gen beim Her­stel­ler Air­bus er­ge­ben.“Für die Flug­be­reit­schaft be­deu­te­te das: Schnell zu­grei­fen.

Weil das Vor­ha­ben für den ak­tu­el­len Haus­halt zu spät kam, muss­ten die er­for­der­li­chen 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2026 au­ßer­plan­mä­ßig be­reit­ge­stellt wer­den. Da­von kos­ten die drei Flug­zeu­ge selbst 640 Mil­lio­nen Eu­ro, der Rest ent­fällt auf die Aus­rüs­tung mit Schlaf- und Ar­beits­ka­bi­nen für die Top-Po­li­ti­ker so­wie die Sys­te­me zum Schutz vor An­grif­fen.

Zwei Ma­schi­nen sol­len En­de 2022 aus­ge­lie­fert wer­den, die ers­te be­reits im Ju­ni 2020. Auf die­ser Ma­schi­ne ru­hen die Hoff­nun­gen deut­scher Spit­zen­po­li­ti­ker, dass die pein­li­che Pan­nen­se­rie en­det, be­vor Deutsch­land im Ju­li 2020 die EU-Rats­prä­si­dent­schaft über­nimmt. Denn die ist stets mit zahl­rei­chen Flü­gen ver­bun­den.

Fo­to: dpa

Pan­nen­flie­ger Kon­rad Ade­nau­er.

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