In In­gol­stadt sind Ak­ten ver­schwun­den

Stadt­rat Der Kor­rup­ti­ons­pro­zess um den Ex-Ober­bür­ger­meis­ter Leh­mann pau­siert gera­de. Den­noch wir­belt er Staub auf

Wertinger Zeitung - - Bayern - VON STE­FAN KÜPPER

In­gol­stadt Auch wenn der Kor­rup­ti­ons­pro­zess ge­gen In­gol­stadts frü­he­ren Ober­bür­ger­meis­ter Al­f­red Leh­mann noch bis zum kom­men­den Mon­tag pau­siert, treibt er Stadt und Stadt­rat den­noch wei­ter um. Der Grund da­für: Wie Zeu­gen vor Ge­richt aus­ge­sagt hat­ten, sind – wäh­rend die staats­an­walt­schaft­li­chen Er­mitt­lun­gen ge­gen den 69-jäh­ri­gen Ex-Rat­haus-Chef lie­fen – bei städ­ti­schen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten Ak­ten und (al­ler­dings wie­der­her­stell­ba­re) Da­ten ver­schwun­den. Und zwar Ak­ten, die für das Leh­mann-Ver­fah­ren von Re­le­vanz sind. Stadt­rä­te hat­ten die Stadt­spit­ze in die Ver­ant­wor­tung ge­nom­men und wis­sen wol­len: Wie konn­te das pas­sie­ren? Und vor al­lem: Was hat die Stadt für Kon­se­quen­zen ge­zo­gen? Im Stadt­rat gab es am Don­ners­tag Ant­wor­ten.

Hin­ter­grund ist die­ser: In dem Ge­richts­ver­fah­ren ge­gen Leh­mann geht es um die Fra­ge, ob sich das vor­ma­li­ge Stadt­ober­haupt beim Kauf von Woh­nun­gen auf dem ehe­ma­li­gen Pio­nier­ge­län­de und auf dem Are­al des al­ten Kran­ken­hau­ses fi­nan­zi­el­le Vor­tei­le ver­schafft hat.

Nun ver­schwan­den so­wohl beim da­mit be­fass­ten Kran­ken­haus­zweck­ver­band als auch bei der zu­stän­di­gen städ­ti­schen In­dus­trie­för­der­ge­sell­schaft IFG Un­ter­la­gen. Im ers­ten Fall (Kran­ken­haus­zweck­ver­band) forsch­te die Staats­an­walt­schaft nach, konn­te aber nicht her­aus­fin­den, wer das Ma­te­ri­al ent­wen­det hat­te. Im zwei­ten Fall er­fuhr die An­kla­ge erst vor Ge­richt da­von. Der zu­stän­di­ge IFG-Mit­ar­bei­ter hat­te 2017 beim Gang in den Bü­r­okel­ler sehr zu sei­nem „Schock“den von ihm be­füll­ten Ord­ner dün­ner wie­der­ge­fun­den, als er ihn hin­ter­las­sen hat­te. Die feh­len­den In­for­ma­tio­nen – aus­ge­druck­te Mails – hat­te er al­ler­dings wie­der re­kon­stru­ie­ren kön­nen.

Heik­ler ver­hält es sich mit ei­nem Leitz­ord­ner, des­sen Ver­schwin­den aus ei­nem Bü­ro – nicht dem Ar­chiv, wie der Zweck­ver­band be­tont – En­de 2016 be­merkt wur­de. Denn dar­in be­fan­den sich die An­ge­bo­te von Bau­trä­gern für be­sag­tes Kran­ken­haus-Are­al. Die sind wich­tig, weil die Staats­an­walt­schaft In­gol­stadt Leh­mann un­ter an­de­rem vor­wirft, dass er sich vor sechs­ein­halb Jah­ren mit ei­nem Bau­trä­ger ab­ge­spro­chen ha­ben soll. Der Deal soll ge­lau­tet ha­ben: Der Bau­trä­ger be­kommt bei der Ver­ga­be ein Bau­feld auf dem Kran­ken­haus-Are­al und im Ge­gen­zug er­hält Leh­mann dort spä­ter ei­ne Pri­vat­woh­nung bil­li­ger. Nun soll ein an­de­rer Un­ter­neh­mer 600 000 Eu­ro ge­bo­ten ha­ben, für den Fall, dass er den Zu­schlag für das Ge­samt­are­al be­kommt. Leh­mann soll da­von laut An­kla­ge ge­wusst ha­ben. Das Ge­richt – so hat­te am En­de der ers­ten Pro­zess­hälf­te der recht­li­che Hin­weis ge­lau­tet – hält der­zeit we­der das noch ei­ne Ab­spra­che im Vor­feld der Ge­bots­ver­ga­be (Sub­mis­si­on) für nach­weis­bar. We­der hat­ten Zeu­gen Ent­spre­chen­des be­rich­tet, noch deu­te­ten ab­ge­hör­te Te­le­fo­na­te von Leh­mann und dem Bau­trä­ger un­mit­tel­bar nach ei­ner Haus­durch­su­chung dar­auf hin. Und: Zwar hat­te der bei der Ver­ga­be nicht ganz zum Zu­ge ge­kom­me­ne Bau­un­ter­neh­mer dem Ge­richt be­stä­tigt, dass er wirk­lich 600 000 Eu­ro mehr ge­zahlt hät­te, hät­te er al­les be­kom­men. Ei­nen Be­leg für die­se Of­fer­te hat­te aber auch er nicht mehr vor­brin­gen kön­nen. Für das wei­te­re Ver­fah­ren wä­re es al­so hilf­reich, wenn der ver­schwun­de­ne An­ge­bots­ord­ner wie­der auf­tauch­te. Sei es be- oder ent­las­tend.

Die Stadt­spit­ze um Ober­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Lö­sel be­ant­wor­te­te in der Sit­zung am Don­ners­tag aus­führ­lich die an sie ge­rich­te­ten Fra­gen. Wich­tigs­te Bot­schaft: Bei der Stadt­ver­wal­tung selbst sei­en kei­ner­lei Un­ter­la­gen ver­schwun­den. Man – Stadt­ar­chiv in­klu­si­ve – ar­bei­te nach den Vor­schrif­ten. Für Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten sei­en die je­wei­li­gen Ge­schäfts­füh­rer und Auf­sichts­gre­mi­en, sprich auch die dar­in sit­zen­den Stadt­rä­te, ver­ant­wort­lich. Und die sol­len künf­tig stren­ger dar­auf ach­ten, dass Ge­schäfts­un­ter­la­gen ord­nungs­ge­mäß ar­chi­viert wer­den. Für Stadt so­wie Toch­ter­ge­sell­schaf­ten gel­te fer­ner: We­der Alt- noch Ober­bür­ger­meis­ter noch Auf­sichts­o­der Ver­wal­tungs­rä­te hat­ten und ha­ben Zu­gang zu den Räu­men, wo die Ak­ten ver­schwan­den. Lö­sel fass­te die De­bat­te mit dem Satz zu­sam­men: ,„Ge­gen kri­mi­nel­le Ener­gie ist kei­ne Ein­rich­tung ge­feit.“

Fo­to: Wa­gner

Der frü­he­re Ober­bür­ger­meis­ter von In­gol­stadt, Al­f­red Leh­mann.

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