Wie­der ein Fei­er-Tag in Augs­burg

Eis­ho­ckey Mit dem 2:0-Heim­sieg ge­gen München glei­chen die Pan­ther in der Halb­fi­nal-Se­rie zum 3:3 aus. Ent­schei­den­der Mann ist ein Stür­mer, der in den ■Play-offs noch gar nicht ge­trof­fen hat­te

Wertinger Zeitung - - Sport - VON ANDRE­AS KORNES

Augs­burg In Nord­ame­ri­ka be­kom­men Spie­le wie das der Augs­bur­ger Pan­ther am Sonn­tag­nach­mit­tag ge­gen den EHC Red Bull München den Zu­satz „Do or die“– Ge­win­ne oder stirb, frei über­setzt. Ganz so dra­ma­tisch wä­re ei­ne Nie­der­la­ge zwar nicht ge­we­sen, zu­min­dest die Sai­son hät­te je­doch ein En­de ge­fun­den. Noch aber ist es nicht so weit. Die Pan­ther ha­ben ganz of­fen­sicht­lich noch kei­ne Lust auf Ur­laub – ganz im Ge­gen­teil. Im sechs­ten Spiel des Halb­fi­na­les ge­gen den deut­schen Meis­ter ge­lang ih­nen der drit­te Sieg. Da­mit steht es in der Play-off-Se­rie 3:3. Die Ent­schei­dung über den Ein­zug ins Fi­na­le, wo Mann­heim be­reits war­tet, fällt am Di­ens­tag (19.30 Uhr/Sport1) in München.

Ent­schei­den­der Mann des Sonn­tags war Adam Pay­erl. Der 100-Ki­lo-Hü­ne er­ziel­te bei­de Tref­fer zum 2:0 (0:0, 1:0, 1:0)-Sieg je­weils we­ni­ge Se­kun­den vor der Si­re­ne. „Er war zu­letzt ein we­nig frus­triert, weil er in den Play-offs noch nicht ge­trof­fen hat“, sag­te sein Trai­ner Mi­ke Ste­wart. „Gut, dass er die­sen Frust jetzt los­ge­wor­den ist.“An ei­nem Spie­ler al­lein woll­te Ste­wart aber den Er­fol­ge nicht fest­ma­chen. Er ein­mal mehr die Team­leis­tung her­vor. Je­der sei be­reit ge­we­sen, sich für die Mann­schaft zu op­fern. Kei­ner, auch nicht die Edel­tech­ni­ker, war sich zu scha­de für die eher un­er­freu­li­che Ar­beit vor dem ei­ge­nen Tor und in den Ecken. Dort al­so, wo ro­he Phy­sis dem fei­nen Spiel über­le­gen ist.

Gut, dass ein Spe­zia­list aus der Ab­tei­lung Phy­sis ins Team zu­rück­ge­kehrt war. Ver­tei­di­ger Scott Va­len­ti­ne hat­ten die Mann­schafts­ärz­te eben­so wie­der spiel­be­reit be­kom­men wie Chris­toph Ullmann. Wäh­rend Va­len­ti­nes Ver­let­zung un­be­kannt ist, war Ull­manns Vor­ge­schich­te bun­des­weit durch die Me­di­en ge­gan­gen. Wäh­rend des Vier­tel­fi­na­les ge­gen Düs­sel­dorf hat­te er nach ei­nem har­ten Check sei­ne Zun­ge ver­schluckt und schweb­te kurz­zei­tig in Le­bens­ge­fahr. Nur das schnel­le Ein­grei­fen des Mann­schafts­arz­tes der DEG hat­te Schlim­me­res ver­hin­dert.

Von die­sen dra­ma­ti­schen Mo­men­ten war ihm am Sonn­tag­nach­mit­tag nichts mehr an­zu­mer­ken. „Es ist wun­der­schön, dass ich wie­der spie­len kann“, sag­te er. Va­len­ti­ne sag­te nichts, er ließ Ta­ten spre­chen. Mit­te des ers­ten Drit­tels check­te er Ya­sin Eh­liz hart, aber fair auf Hö­he der blau­en Li­nie. Es war ein Si­gnal an bei­de Mann­schaf­ten, wie sein Kol­le­ge Hen­ry Haa­se be­stä­tig­te, „aber auch an die gan­ze Hal­le. Das war ein or­dent­li­ches Teil und hat ge­zeigt, dass mit uns zu rech­nen ist.“Eh­liz da­ge­gen brauch­te ein paar Mi­nu­ten – erst auf dem Eis, dann auf der Bank –, um den Zu­sam­men­prall zu ver­dau­en.

Die ent­schei­den­de Pha­se der Par­tie spiel­te sich Mit­te des zwei­ten Drit­tels ab. Gleich zwei­mal in­ner­halb kür­zes­ter Zeit durf­ten die Gäs­hob te aus München mit zwei Mann mehr agie­ren. Ei­ni­ge strit­ti­ge Stra­fen hat­ten die Pan­ther de­zi­miert. Ste­wart schäum­te auf der Bank. Ges­ti­ku­lier­te und schimpf­te. Sei­ne Mann­schaft aber, an­ge­trie­ben von ei­nem ek­sta­ti­schen Pu­bli­kum, blieb cool und über­stand die­se Pha­se un­be­scha­det. „Wir wa­ren läu­fe­risch sehr gut und ha­ben zwei­mal ei­ne 3-ge­gen-5-Si­tua­ti­on ge­killt. Wir ha­ben dar­an ge­glaubt, dass wir das Spiel ge­win­nen kön­nen“, sag­te Ste­wart spä­ter. Puls und Blut­druck hat­ten sich da schon wie­der auf Nor­mal­wer­te ein­ge­pen­delt.

Als Pay­erl 4,8 Se­kun­den vor dem En­de des Drit­tels den Füh­rungs­tref­fer er­ziel­te, wuchs sich der Glau­be an den Sieg zur Ge­wiss­heit aus. Mün­chens Matt Sta­jan, ein Mann mit der Er­fah­rung von über 1000 NHL-Spie­len, hat­te ge­ra­de auf der Straf­bank ge­ses­sen, als Pay­erl eis­kalt ab­staub­te. Die Pan­ther nah­men den Schwung des To­res mit. Und über­stan­den auch die Schluss­of­fen­si­ve der Münch­ner. Der Schluss­punkt zum 2:0 ins lee­re Tor war er­neut Pay­erl vor­be­hal­ten. Da­mit steht fest, wo­mit die we­nigs­ten ge­rech­net hat­ten: Augs­burg zwingt München über die vol­le Dis­tanz. Wer Spiel 7 am Di­ens­tag ge­winnt, steht im Fi­na­le. „Do or die“gilt dann auch für München. Üb­ri­gens: Al­le Ti­ckets, die die AEV-Fan­clubs für Spiel sie­ben er­hal­ten ha­ben, sind be­reits ver­ge­ben. Das Gäs­te­kon­tin­gent wur­de deut­lich ver­klei­nert. Der EHC star­tet den re­gu­lä­ren Ver­kauf am Mon­tag ab 10 Uhr.

Augs­burg Roy - Lamb, Töl­zer; Se­zems­ky, Haa­se; McNeill, Va­len­ti­ne; Rogl - Ha­fen­rich­ter, LeBlanc, Sch­m­ölz, Pay­erl, Sti­e­ler, Whi­te; Fra­ser, Gill, Holz­mann; Detsch, Ullmann, Stern­hei­mer

Fo­to: Sieg­fried Kerpf

Ge­schafft! Auf der Spie­ler­bank ju­beln (von links) John Rogl, Chris­toph Ullmann, Dr­ew LeBlanc, Tho­mas Holz­mann, Ja­ros­lav Ha­fen­rich­ter und David Sti­e­ler über den Sieg ge­gen München. Auch Trai­ner Mi­ke Ste­wart ge­nießt für ei­nen Mo­ment den Aus­gleich in der Halb­fi­nal-Se­rie.

Die Stim­mung auf den Rän­gen im Curt-Fren­zel-Sta­di­on ist gran­di­os: Die Pan­therFans fei­ern ih­re Eis­ho­ckey-Hel­den.

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