Neu­er Chef, al­te Pro­ble­me

Bau­ge­wer­be Seit No­vem­ber führt Micha­el Stom­berg die Bau­er AG. Dass der Über­gang so gut ge­klappt hat, über­rascht ihn selbst. Wie er auf das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr blickt

Wertinger Zeitung - - Wirtschaft - VON CHRISTINA HELLER

Augs­burg Egal ob der sa­nier­te Damm am Forg­gen­see, die zwei­te S-Bahn-Stamm­stre­cke in Mün­chen oder die neue Au­to­bahn in der phil­ip­pi­ni­schen Haupt­stadt Ma­ni­la: Über­all mischt die Schro­ben­hau­se­ner Fir­ma Bau­er mit. Et­wa 500 Bau­stel­len auf der gan­zen Welt hat das Bau­un­ter­neh­men im ver­gan­ge­nen Jahr be­treut, sagt der neue Vor­stands­chef Micha­el Stom­berg bei der Vor­stel­lung der Jah­res­zah­len. Man­che Pro­jek­te lie­fen gut – wie der Bau ei­nes neu­en Kraft­werks in Ban­gla­desch. Er hat der Fir­ma ei­nen Um­satz von et­wa 70 Mil­lio­nen Eu­ro und ei­nen Ge­winn im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich ein­ge­bracht. Man­ches lief schlecht: So ist et­wa das Ge­schäft im Na­hen Os­ten am Bo­den. „Wir ha­ben in Du­bai mit ei­nem gro­ßen Pro­jekt ge­rech­net, das ein­ge­stellt wur­de. Des­halb sind wir dort un­ter­be­schäf­tigt und konn­ten un­se­re Ka­pa­zi­tä­ten nicht schnell ge­nug ab­bau­en“, sagt Stom­berg.

Seit No­vem­ber führt der 48-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Ham­bur­ger die Ge­schäf­te der Bau­er AG. Über­nom­men hat er die Auf­ga­be von Tho­mas Bau­er, der 34 Jah­re lang an der Spit­ze des Fa­mi­li­en­be­triebs stand. Ein cha­ris­ma­ti­scher Chef, der da­für be­kannt war, sei­ne Mei­nung of­fen­siv zu ver­tre­ten und auch Schwä­chen der Fir­ma nicht klein­zu­re­den. Kei­ne leich­te Auf­ga­be, ihm nach­zu­fol­gen. Des­sen ist sich auch Stom­berg be­wusst. „Wenn Tho­mas Bau­er im Raum ist, ist er sehr prä­sent“, sagt er. Des­halb ha­be sich der ehe­ma­li­ge Chef und heu­ti­ge Vor­sit­zen­de des Auf­sichts­rats auch vor­ge­nom­men, sich aus dem ope­ra­ti­ven Ge­schäft zu­rück­zu­zie­hen. Und das klappt gut. Stom­berg sagt: „Es ist über­ra­schend, mit wel­cher Kon­se­quenz Tho­mas Bau­er nicht da ist.“Er ha­be in Schro­ben­hau­sen zwar noch ein Bü­ro. Doch das nut­ze er sel­ten, ar­bei­te­te lie­ber von zu Hau­se aus. Und über­lässt die täg­li­che Ar­beit der neu­en Füh­rungs­mann­schaft, der sein Sohn Flo­ri­an Bau­er an­ge­hört.

Und das scheint ganz gut zu lau­fen. Zwar ist der Um­satz des Un­ter­neh­mens, das tra­di­tio­nell in drei Be­rei­chen tä­tig ist, Bau, Ma­schi­nen­bau und Um­welt­tech­nik, ein­ge­bro­chen – um 4,9 Pro­zent auf 1,59 Mil­li­ar­den Eu­ro. Doch der Ge­winn vor Steu­ern ist ge­stie­gen – um 11,7 Pro­zent auf 100,1 Mil­lio­nen Eu­ro, auch das Er­geb­nis nach Steu­ern hat sich im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­sechs­facht und be­trug 24,1 Mil­lio­nen Eu­ro. Vor al­lem die Bau­s­par­te hat im ver­gan­ge­nen Jahr schlech­ter ab­ge­schnit­ten als er­war­tet. Der Haupt­grund war das nicht zu­stan­de ge­kom­me­ne Pro­jekt in Du­bai, aber auch ei­ne Flau­te im US-Markt. Da­mit ver­fehlt die Ge­sell­schaft das von Tho­mas Bau­er im ver­gan­ge­nen Jahr aus­ge­ge­be­ne Ziel, 1,8 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz zu ma­chen. Doch Stom­berg blickt po­si­tiv auf das Jahr 2019. „Un­se­re Fir­ma wird von al­len ge­sell­schaft­li­chen Me­ga­trends pro­fi­tie­ren“, sagt er und nennt als Schlag­wor­te ein stei­gen­des Um­welt­be­wusst­sein oder ei­ne wach­sen­de Ur­ba­ni­sie­rung.

Zu­dem lie­ge der Auf­trags­be­stand bei mehr als ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro. Und den­noch: Das Un­ter­neh­men ist in vie­len Märk­ten ak­tiv, die mo­men­tan nicht sta­bil sind. Chi­na zum Bei­spiel ist Ab­satz­trei­ber Num­mer eins bei den Bau­ma­schi­nen. Doch die chi­ne­si­sche Wirt­schaft schwä­chelt. Ein Pro­blem? „Nein. Wenn die Wirt­schaft schwä­chelt, in­ves­tie­ren Re­gie­run­gen ver­mehrt in In­fra­struk­tur­pro­jek­te. Und da­von pro­fi­tie­ren wir“, sagt Stom­berg.

Foto: Bau­er AG

Die Fir­ma Bau­er in Schro­ben­hau­sen stellt zum ei­nen Bau­ma­schi­nen her, ist zum an­de­ren aber auch selbst im Bau­ge­wer­be tä­tig.

Micha­el Stom­berg

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