Der Land­kreis be­kommt neue Ta­ges­pfle­ge­plät­ze

So­zia­les In der Re­gi­on ha­ben pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge bis­lang kaum Mög­lich­kei­ten. In Gun­del­fin­gen soll nun ei­ne Ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tung mit 20 Plät­zen ent­ste­hen. Die Spi­tal­stif­tung will sich auf ei­nen Be­reich spe­zia­li­sie­ren

Wertinger Zeitung - - Wertingen - VON ANDRE­AS SCHOPF

Gun­del­fin­gen „Pfle­ge­tisch“– so hieß ei­ne Ver­an­stal­tung, die ver­gan­ge­nes Jahr in Lauingen statt­fand. Re­gio­na­le Ver­tre­ter der Bran­che tra­fen sich und be­spra­chen die Pro­ble­me in der Pfle­ge-Pra­xis. Im­mer wie­der war da­bei zu hö­ren: Der Land­kreis hat zu we­nig Plät­ze für Tages- und Kurz­zeit­pfle­ge. Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­te ein Pro­jekt, das in Gun­del­fin­gen ge­plant ist, um­so be­mer­kens­wer­ter sein. In der Gärt­ner­stadt soll, di­rekt ge­gen­über des Hau­ses der Se­nio­ren in der Haupt­stra­ße, ei­ne ei­gen­stän­di­ge Ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tung ent­ste­hen. Die Spi­tal­stif­tung hat im ver­gan­ge­nen Jahr ein ehe­ma­li­ges Ge­schäfts­haus er­wor­ben, das ei­ner Be­woh­ne­rin ge­hör­te. Nach ei­nem Um­bau sol­len dort 20 Ta­ges­pfle­ge-Plät­ze zur Ver­fü­gung ste­hen. Er­öff­nung ist nach der­zei­ti­gem Stand An­fang 2021.

In der jüngs­ten Sit­zung des Stadt­ra­tes stell­te Bau­amts­lei­ter Gün­ter Ur­ban die ak­tu­el­len Pla­nun­gen vor. Dem­nach sind das kom­plet­te Erd­ge­schoss, der da­hin­ter­lie­gen­de Gar­ten so­wie Tei­le des Un­ter­ge­schos­ses für die Ta­ges­pfle­ge vor­ge­se­hen. Der Fahr­dienst, der die Kun­den der Ta­ges­pfle­ge von zu Hau­se ab­holt, kann ei­ne Ga­ra­ge auf der Rück­sei­te des Ge­bäu­des nut­zen. Am Haupt­ein­gang zur Stra­ße ent­steht ein bar­rie­re­ar­mer Zu­gang. Die Fas­sa­den im Erd­ge­schoss wer­den um­ge­stal­tet. Aus den Schau­fens­tern soll ei­ne her­kömm­li­che Wohn­ge­bäu­de­fas­sa­de wer­den. Im In­ne­ren ste­hen di­ver­se Um­bau­ar­bei­ten an. Auf ei­ner Flä­che von rund 200 Qua­drat­me­tern wer­den et­wa Auf­ent­halts- und Ru­he­räu­me ent­ste­hen. Um die Wohn­lich­keit zu stei­gern, ist auch ein Ka­min an­ge­dacht. Ei­ne Idee, die Stadt­rat Franz Kopp (FW) kri­tisch hin­ter­frag­te: „Ei­nen of­fe­nen Ka­min se­he ich we­gen der Brand- und Un­fall­ge­fahr als Pro­blem.“Ur­ban ant­wor­te­te: „Es wird ei­ne Lö­sung ge­ben, die nicht ge­fähr­lich ist.“Der be­ste­hen­de Gar­ten, laut Ur­ban mit „Klos­ter­gar­ten­cha­rak­ter“, soll über den Auf­ent­halts­be­reich be­geh­bar sein. Da­mit soll ein Be­zug vom In­nenz­um Au­ßen­be­reich ent­ste­hen.

Wie im Haus der Se­nio­ren, will sich die Spi­tal­stif­tung in der Ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tung auf den Be­reich De­menz spe­zia­li­sie­ren. So soll auch das Be­wohner­für­sor­ge­sys­tem zum Ein­satz kom­men, das de­men­ten Be­woh­nern ein Weg­lau­fen un­mög­lich macht und gleich­zei­tig die Mo­bi­li­tät in der Ein­rich­tung stei­gert.

Drei Woh­nun­gen, die sich im Ober­ge­schoss über dem künf­ti­gen Auf­ent­halts­be­reich be­fin­den, wer­den bei­be­hal­ten. Die­se sind laut Ur­ban in ei­nem so­li­den Zu­stand, le­dig­lich klei­ne­re Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren sei­en not­wen­dig. „Wir wol­len die­se Woh­nun­gen an Mit­ar­bei­ter ver­mie­ten“, sagt Ur­ban. Da zwei der drei Rä­um­lich­kei­ten 100 Qua­drat­me­ter groß sind, hät­ten ge­ra­de jün­ge­re Pfle­ge­kräf­te schon an­klin­gen las­sen, dass ih­nen die Woh­nun­gen wohl zu groß sind. Ge­prüft wird die Mög­lich­keit, Wohn­ge­mein­schaf­ten zu bil­den. Falls auch das nicht klappt, sol­len die Im­mo­bi­li­en über den frei­en Markt ver­mit­telt wer­den. „Wir kön­nen es uns nicht leis­ten, die Woh­nun­gen leer­ste­hen zu las­sen“, be­ton­te Ur­ban. Ein bis­lang nicht ge­nutz­tes Dach­ge­schoss in ei­nem Ge­bäu­de­teil soll nicht aus­ge­baut wer­den. Der Ter­min­plan sieht vor, die Maß­nah­men bis Herbst 2019 aus­zu­schrei­ben. Bau­be­ginn könn­te An­fang 2020 sein, Fer­tig­stel­lung bis En­de 2020. Die ge­plan­te Er­öff­nung steht 2021 an. Die Stadt rech­net mit Kos­ten von rund 670000 Eu­ro, die die Spi­tal­stif­tung be­zahlt.

Bür­ger­meis­te­rin Mi­ri­am Gruß zeig­te sich er­freut über die Plä­ne. Sie sprach von ei­nem Pro­jekt, „das uns al­le freu­en soll­te“, und Gun­del­fin­gen vor­an­brin­ge. Die ge­plan­te Ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tung be­zeich­ne­te sie als „Aus­hän­ge­schild“für die Stadt, auch über die Land­kreis­gren­ze hin­aus. Spi­tal­lei­ter Mar­kus Moll nennt die Im­mo­bi­lie di­rekt ge­gen­über des Hau­ses der Se­nio­ren ei­nen „Glücks­griff“. „Das ist lo­gis­tisch ide­al.“So ha­be man kur­ze We­ge und kön­ne die neue Ein­rich­tung et­wa mit Es­sen be­lie­fern. Laut Moll wä­re ei­ne sol­che Ein­rich­tung der­zeit ein­ma­lig im Land­kreis. Die Woh­nun­gen, die er par­al­lel Mit­ar­bei­tern an­bie­ten kann, sieht er als Ar­gu­ment, um Fach­kräf­te zu hal­ten oder zu ge­win­nen.

Pro­jekt soll ein „Aus­hän­ge­schild“wer­den

Foto: Schopf

Hier soll die neue Ta­ges­pfle­ge­ein­rich­tung ent­ste­hen.

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