Da­mit es mehr All­tags­ro­cker gibt

Vor­trag Jo Hal­big, Sän­ger und Grün­der der Band Kil­ler­pil­ze, ist nun auch Mo­ti­va­ti­ons­coach. Was er sa­gen will?

Wertinger Zeitung - - Landkreis Dillingen - VON SIMONE BRONNHUBER

Echen­brunn Ein Schlag ins Ge­sicht. Der ver­meint­li­che si­che­re Bo­den un­ter den Fü­ßen ist weg. Von ganz oben nach ganz un­ten. Bin­nen we­ni­ger Se­kun­den. Al­le Träu­me plat­zen wie Sei­fen­bla­sen. Der Hö­hen­flug ist be­en­det. Und zwar genau in die­sem ei­nen Mo­ment in ir­gend­ei­ner Dö­ner­bu­de mit­ten in Ber­lin. Der Plat­ten­boss, der die Band bis da­to un­ter­stützt und mit groß macht, ist raus. Gibt Jo, Fa­bi und Mäx kei­ne Chan­ce mehr. Nie­mand wer­de mehr Lie­der von ih­nen hö­ren wol­len, sagt er den drei Über­flie­gern aus Dil­lin­gen. Sie sol­len auf­hö­ren, sich um­be­nen­nen und in ein paar Jah­ren wie­der zu­rück­kom­men. Die Zeit der Kil­ler­pil­ze ist vor­bei.

Jo er­zählt die Ge­schich­te, nimmt den ro­ten Stift und malt ein Vier­eck auf das Pa­pier – ei­ne so­ge­nann­te Wohl­fühl­box. Die­se hat je­der, sagt er. Dar­in be­fin­den sich Kri­ti­ker, Skep­ti­ker und Schein­to­te. Men­schen, die ih­ren Mit­men­schen nichts zu­trau­en, die sa­gen: „Schus­ter, bleib bei dei­nen Leis­ten.“In der ima­gi­nä­ren Box tum­meln sich aber auch För­de­rer, Gut­men­schen und Men­schen, die in ih­ren Mit­men­schen Po­ten­zia­le se­hen, die sa­gen: „Geht nicht, gibt’s nicht.“Der Front­mann der Band Kil­ler­pil­ze er­zählt, malt auf, klickt auf dem Lap­top vor sich die Prä­sen­ta­ti­on durch. Er tauscht an die­sem Abend im Gast­hof Son­ne in Echen­brunn das Mi­kro­fon mit dem Stift, die Büh­ne mit dem Vor­trags­raum und die Fans mit Selbst­stän­di­gen, Un­ter­neh­mern, Fa­mi­li­en und Freun­den. Er singt nicht, er re­det – pro­fes­sio­nell. Er will mo­ti­vie­ren. „Und ich will, dass heu­te al­le All­tags­ro­cker wer­den. Es geht nicht um mich, son­dern dar­um, dass ihr aus mei­ner Ge­schich­te im bes­ten Fall et­was mit­neh­men könnt und eu­re PS auf die Stra­ße bringt“, sagt Jo.

So wie er. Sei es mit sei­ner Band Kil­ler­pil­ze, mit sei­ner ei­ge­nen Fir­ma, der Par­ty­rei­he in Mün­chen, dem Do­n­au­si­de-Fes­ti­val in Dil­lin­gen oder eben sei­ner Kar­rie­re als Spea­ker. Seit ei­nem Jahr coacht er an­de­re Mu­si­ker, mit dem Vor­trag „Für Rock ’n’ Roll ist nie­mand zu alt“er­wei­tert er sein Re­per­toire und fei­ert zu­dem mit knapp 40 Gäs­ten da­mit Pre­mie­re als neu­er Red­ner der Hau­se­ner Agen­tur „5 Ster­ne Red­ner“– be­rühm­te To­pred­ner aus al­ler Welt wer­den von In­ha­ber Hein­rich Kür­ze­der ver­mit­telt. Nun auch der Kil­ler­pil­ze-Sän­ger. Un­ter­stützt wird der Vor­trags­abend in vom Bund der Selbst­stän­di­gen. Kreis­spre­cher Ma­nu­el Schus­ter ist bei der Pre­mie­re da­bei.

Und die ist viel­ver­spre­chend. Zu­min­dest ist schnell klar: Jo kann re­den. Das Pu­bli­kum hängt an sei­nen Lip­pen. Er braucht kei­nen Spick­zet­tel, er stot­tert nicht, er bin­det die Men­schen ein. Auf Büh­nen ste­hen kann er – egal, vor wel­chem Pu­bli­kum. Er nimmt in sei­nem 60-mi­nü­ti­gen Mo­ti­va­ti­ons­vor­trag die Zu­hö­rer auf ei­ne Rei­se in sei­ne Ver­gan­gen­heit mit. Jo er­zählt von dem eiVi­sio­nä­re. nem Mo­ment im Dil­lin­ger Bo­naGym­na­si­um, in dem er wuss­te, dass er ein­mal ein gro­ßer Rock­star wer­den will. Wie die Kil­ler­pil­ze plötz­lich Te­e­nie­stars sind und das Co­ver der Bra­vo zie­ren. Er er­in­nert sich an sei­nen al­ler­ers­ten Knie­fall mit Gi­tar­re in der Dil­lin­ger Kul­tur­knei­pe Chi­li. Er spricht auch da­von, wie sei­ne Band schlecht ge­schrie­ben wird und im­mer wie­der mit Tief­schlä­gen kämp­fen muss. Und er er­zählt vom Tod sei­nes Va­ters, der al­les ver­än­dert und doch so viel Po­siEchen­brunn ti­ves für ihn hin­ter­las­sen hat. Was er sa­gen will? „Wir brau­chen Vi­sio­nen und Ide­en. Und die müs­sen wir rum­po­sau­nen. So kom­men wir un­ter Zug­zwang. Vor al­lem aber müs­sen wir ma­chen und das, wo­für wir bren­nen, ver­kau­fen“, ap­pel­liert er.

Hal­big be­tont, dass man da­bei sei­ne ei­ge­nen Wer­te nicht hin­ten an­stel­len soll, dass ver­die­nen von die­nen kommt, und Pro­jek­te nicht tot­ge­plant wer­den dür­fen. „Und manch­mal muss man sich ein­fach zei­gen und die­sen Schritt wa­gen. Zum Bei­spiel bei Ge­halts­ver­hand­lun­gen.“Sein Vor­trag ist voll­ge­packt mit Tipps und An­re­gun­gen, die man si­cher­lich schon oft ge­hört hat und nicht der Durch­bruch am Mo­ti­va­ti­ons­him­mel sind. Aber Jo Hal­big bringt sie auf sei­ne Art rü­ber. Mit wei­ßen Turn­schu­hen, bun­ten Schuh­bänd­chen und lan­gen Haa­ren, die er lo­cker zu ei­nem Zopf ge­bun­den hat, füllt er den Raum und fes­selt die Men­schen. Wie ein Rock­star eben. Man will ihm zu­hö­ren, will sei­ne Ge­schich­ten hö­ren. Will wis­sen, wie die Kil­ler­pil­ze die­sen ei­nen Mo­ment in der Ber­li­ner Dö­ner­bu­de weg­ge­steckt ha­ben. Mo­ti­va­ti­ons­tipps hin oder her. So gibt es mit Hal­big als Spea­ker na­tür­lich ei­ne Kost­pro­be ei­nes neu­en Kil­ler­pil­ze-Songs. Das Sel­fie ist selbst­ver­ständ­lich. Für Rock ’n’ Roll ist eben nie­mand zu alt.

Von Gut­men­schen und Schein­to­ten

Fo­to: Simone Bronnhuber

Jetzt auch noch Mo­ti­va­ti­ons­coach: Jo Hal­big, Sän­ger der Band Kil­ler­pil­ze, bei sei­nem Pre­mie­ren­vor­trag in Echen­brunn.

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