Mei­ne Mei­nung

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - | Inhalt - VON KURT VON STORCH

An­le­ger soll­ten in Gold in­ves­tie­ren, meint der Ver­mö­gens­ex­per­te Kurt von Storch. Nicht um da­mit zu spe­ku­lie­ren. Son­dern als Ver­si­che­rung für har­te Zei­ten.

An­le­ger soll­ten ei­nen Teil ih­res Ver­mö­gens in Gold in­ves­tie­ren. Nicht in ers­ter Li­nie, um zu spe­ku­lie­ren — son­dern um sich vor den Fol­gen der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken zu schüt­zen. Ein Gast­bei­trag von Kurt von Storch.

Gold po­la­ri­siert. Für den ei­nen ist es das ul­ti­ma­ti­ve Geld – die Wäh­rung der letz­ten In­stanz. Der an­de­re sieht in dem Edel­me­tall da­ge­gen nichts wei­ter als ei­nen Roh­stoff, der zwar mit Mü­hen aus dem Erd­reich be­för­dert wird, aber im Grun­de zu nichts zu ge­brau­chen ist, sieht man mal von der Schmuck­pro­duk­ti­on oder der­glei­chen ab. Kei­ne an­de­re An­la­ge­klas­se ist emo­tio­nal der­ma­ßen auf­ge­la­den. Ver­su­chen wir uns dem The­ma des­halb mög­lichst ra­tio­nal zu nä­hern.

Aus Sicht von In­ves­to­ren gibt es – wenn man das Emo­tio­na­le ein­mal bei­sei­te­lässt – im We­sent­li­chen zwei Grün­de, Gold zu kau­fen. Der ers­te hängt mit ei­ner ganz wich­ti­gen Ei­gen­schaft die­ses Roh­stoffs zu­sam­men: Gold ist kein Kri­sen­me­tall, auch wenn das oft be­haup­tet wird, son­dern die Wäh­rung der letz­ten In­stanz. Ei­ne Ver­si­che­rung ge­gen die be­kann­ten und un­be­kann­ten Ri­si­ken des Fi­nanz­sys­tems. Gold, das aus die­sem Grund – zu­meist in phy­si­scher Form – er­wor­ben wird, könn­te man auch als „Ab­si­che­rungs­gold“be­zeich­nen. Des­sen In­ha­ber be­misst den Wert in Un­zen und Bar­ren, nicht in Eu­ro oder Dol­lar. Preis­schwan­kun­gen sind ihm egal. Der An­teil die­ses Si­cher­heits­gol­des soll­te in et­wa fünf bis zehn Pro­zent des li­qui­den Ver­mö­gens be­tra­gen.

Der zweite Grund, Gold zu kau­fen, ist der mög­li­che Ge­winn, der sich in ab­seh­ba­rer Zeit mit dem Edel­me­tall er­zie­len lässt. Man könn­te die­se Form des Gol­des auch „Spe­ku­la­ti­ons­gold“nen­nen. Des­sen Ei­gen­tü­mer kau­fen kei­ne Un­zen oder Bar­ren, son­dern vor­zugs­wei­se bör­sen­ge­han­del­te Gold­fonds (ETFs). Das geht schnell und un­kom­pli­ziert, weil die An­le­ger das Edel­me­tall nicht ver­wah­ren müs­sen.

Spe­ku­la­ti­ons­gold ist vor al­lem dann be­liebt, wenn die Ren­di­te­er­war­tun­gen bei an­de­ren An­la­ge­klas­sen nicht all­zu hoch sind. An­ders­her­um fließt die­ses Geld auch schnell wie­der her­aus aus den Fonds, wenn sich die Markt­er­war­tun­gen ver­än­dern – so wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­sche­hen. Vie­le ETF-In­ha­ber, dar­un­ter gro­ße Hed­ge­fonds, hat­ten die Ral­ly am US-Ak­ti­en­markt ver­schla­fen. Wer nicht ge­nü­gend Ak­ti­en im Port­fo­lio hat­te, kauf­te nach, um noch ei­lig auf den Zug auf­zu­sprin­gen. Im Ge­gen­zug wur­den im gro­ßen Stil Gold­fonds ver­äu­ßert – und der Druck auf den Preis des Edel­me­talls da­mit im­mer wei­ter ver­stärkt. Mitt­ler­wei­le hat der Trend ge­dreht. Gro­ße US-In­vest­ment­ban­ken und Hed­ge­fonds-Ma­na­ger ha­ben zu­letzt wie­der ge­kauft, in der Er­war­tung, dass der Gold­preis deut­lich zu­legt.

Bei­de Mo­ti­ve, Ab­si­che­rungs- und Spe­ku­la­ti­ons­mo­tiv, sind le­gi­tim. Das ers­te­re dürf­te für Pri­vat­an­le­ger je­doch das wich­ti­ge­re von bei­den sein.

Denn die ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken ist ein ge­wal­ti­ges Ex­pe­ri­ment – ei­nes mit un­ge­wis­sem Aus­gang. Nie­mand weiß mit Si­cher­heit, wie die Sa­che en­den wird. Die Ge­schichts­bü­cher ha­ben kei­ne pas­sen­den Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten pa­rat. Nie zu­vor wa­ren die Ein­grif­fe der gro­ßen No­ten­ban­ken der­art mas­siv. Was pas­siert, wenn das Ex­pe­ri­ment au­ßer Kon­trol­le ge­rät, so wie bei ei­ner harm­lo­sen Spie­le­rei mit dem Che­mie­bau­kas­ten? Was pas­siert, wenn das Ver­trau­en in das Pa­pier­geld­sys­tem zu­neh­mend schwin­det?

Gold ist (an­ders als Geld­schei­ne) nicht be­lie­big ver­mehr­bar, hoch li­qui­de und welt­weit als Wäh­rung der letz­ten In­stanz ak­zep­tiert. Gold ist un­se­res Erach­tens aus die­sem Grund ein bes­se­res Wert­auf­be­wah­rungs­mit­tel als Giral­geld. Ein Blick auf den „Gold­wert“von US-Dol­lar und Eu­ro ver­deut­licht das: Im Jahr 1999, bei Ein­füh­rung der Ge­mein­schafts­wäh­rung, ent­sprach ein Eu­ro mehr als 0,12 Gramm Gold; heu­te sind es le­dig­lich noch knapp 0,03 Gramm. Der Gold­wert des US-Dol­lar fiel in der glei­chen Zeit von knapp 0,11 auf 0,025 Gramm.

Es dürf­te kein Zu­fall ge­we­sen sein, dass der Gold­preis un­mit­tel­bar nach der US-No­ten­bank­sit­zung am 16. De­zem­ber sei­nen Tief­punkt er­reicht und da­nach wie­der zu­ge­legt hat. Im Ge­gen­satz zu frü­he­ren Preis­an­stie­gen, die zu­meist geo­po­li­ti­sche Grün­de hat­ten und nur kurz­fris­ti­ger Na­tur wa­ren, bei­spiels­wei­se die An­nek­tie- rung der Krim durch Russ­land 2014, ist der jüngs­te An­stieg ein ernst zu neh­men­des Zei­chen.

Ein Blick auf das ra­san­te Wachs­tum der Zen­tral­bank­geld­men­gen in den sechs wich­tigs­ten Wäh­rungs­räu­men (US-Dol­lar, Eu­ro, Yen, Ren­min­bi, Pfund und Schwei­zer Fran­ken) ver­deut­licht die Di­men­si­on des Ri­si­kos, das der No­ten­bank­po­li­tik in­ne­wohnt: Von En­de 2007 bis En­de 2016 wird sich die Zen­tral­bank­geld­men­ge von 3469 auf rund 12 900 Mrd. US-Dol­lar fast ver­vier­facht ha­ben. Das be­deu­tet ein jähr­li­ches Geld­men­gen­wachs­tum von 15,7 Pro­zent, dem ein Wachs­tum des welt­wei­ten Gold­be­stands von le­dig­lich 1,5 Pro­zent ge­gen­über­steht.

Ich bin fest da­von über­zeugt, dass An­le­ger in ei­ni­gen Jah­ren noch sehr froh dar­über sein wer­den, ei­nen Teil ih­res Gel­des in Gold in­ves­tiert zu ha­ben.

Gold ist nicht be­lie­big ver­mehr­bar, hoch li­qui­de und als Wäh­rung der letz­ten In­stanz ak­zep­tiert

Kurt von Storch ist Grün­der und Vor­stand der Köl­ner Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft Floss­bach von Storch.

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