Jun­ge ent­deckt Wi­kin­gerschatz auf Rü­gen

Vom Wi­kin­ger zum Be­grün­der des dä­ni­schen Rei­ches – Auf der Flucht ver­gra­ben?

Wittlager Kreisblatt - - VORDERSEITE - Fo­to: dpa

Archäo­lo­gen ha­ben auf Rü­gen ei­nen Sil­ber­schatz aus der Zeit des Dä­nen­kö­nigs Ha­rald Blau­zahn ge­ho­ben. Die Mün­zen, Rin­ge, Arm­rei­fe, Fi­beln und Per­len wur­den ers­ten Er­kennt­nis­sen zu­fol­ge zwi­schen 980 und 990 in der Nä­he ei­nes Hü­gel­grabs aus der Bron­ze­zeit ver­gra­ben. Da­mals war der ers­te christ­li­che Kö­nig Dä­ne­marks ver­mut­lich auf der Flucht. Ge­fun­den wur­de der Schatz von dem Schü­ler Lu­ca, der mit ei­nem Hob­by­for­scher un­ter­wegs war.

Der le­gen­dä­re Herr­scher Ha­rald Blau­zahn form­te Dä­ne­mark zu ei­nem ein­heit­li­chen Reich mit christ­li­cher Prä­gung. Auf der In­sel Rü­gen wur­de jetzt ein Schatz mit Blau­zahn-Mün­zen ent­deckt.

dpa SCHAPRODE. Die In­sel Hid­den­see im Rü­cken und ei­nen bron­ze­zeit­li­chen Gr­ab­hü­gel im Blick, ma­chen sich Hob­by­ar­chäo­lo­ge Re­né Schön und Schü­ler Lu­ca Ma­laschni­tschen­ko auf der In­sel Rü­gen mit Me­tall­de­tek­to­ren auf der Su­che nach neu­en Fun­den. Der 13-Jäh­ri­ge meint, ein wert­lo­ses Stück Alu auf dem Kir­chacker na­he der Ort­schaft Schaprode ent­deckt zu ha­ben. Doch Schön putzt den Dreck von dem matt silb­rig schim­mern­den Stück und ist elek­tri­siert. Was er in den Hän­den hält, ent­puppt sich als Teil ei­nes her­aus­ra­gen­den Sil­ber­schat­zes, der im Zu­sam­men­hang mit dem le­gen­dä­ren Dä­nen­Kö­nig Ha­rald Blau­zahn (910-987) steht.

Am Wo­che­n­en­de hat die Lan­des­ar­chäo­lo­gie von Meck­len­burg-Vor­pom­mern die et­wa 400 Qua­drat­me­ter gro­ße Flä­che ber­gen las­sen. Archäo­lo­gen und Gra­bungs­hel­fer – dar­un­ter auch Schön und Be­glei­ter Lu­ca – ent­de­cken kunst­voll ge­floch­te­ne Hals­rei­fe, Per­len, Fi­beln, ei­nen Thor­sham­mer, zer­hack­ten Ring­schmuck und zwi­schen 500 und 600 teils zer­hack­te Mün­zen, von de­nen mehr als 100 der Re­gent­schaft des Dä­nen-Herr­schers zu­ge­ord­net wer­den kön­nen.

„Die­ser Schatz ist der größ­te Ein­zel­fund von Blau­zahnMün­zen im süd­li­chen Ost­see­raum und da­mit von her­aus­ra­gen­der Be­deu­tung“, ord­net Gra­bungs­lei­ter Micha­el Schir­ren den Fund ein. Ähn­lich gro­ße Münz­fun­de gab es bis­lang nur auf dem Ge­biet des Dä­nen­rei­ches, wie in Hus­by und Harn­drup. Der als Wi­kin­ger ge­bo­re­ne Blau­zahn gilt als Be­grün­der des dä­ni­schen Rei­ches, in­dem er das vor­her zer­split­ter­te Land ein­te, das Chris­ten­tum ein­führ­te und Re­for­men durch­setz­te. Au­ßer­dem lei­tet sich aus sei­nem Na­men das Da­ten­über­tra­gungs­ver­fah­ren „Blue­tooth“ab.

Be­reits 1872 und 1874 war nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fernt auf der In­sel Hid­den­see be­rühm­ter Gold­schmuck ent­deckt wor­den, der Blau­zahn zu­ge­schrie­ben wird. Der um­strit­te­ne Herr­scher floh his­to­ri­schen Qu­el­len zu­fol­ge nach der ver­lo­re­nen Ost­see­schlacht ge­gen sei­nen Sohn Sven Ga­bel­bart (965– 1014) im Jahr 986 nach Pom­mern.

Ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen bei­den Fun­den lie­ge na­he, sagt Archäo­lo­ge Schir­ren. Mög­li­cher­wei­se wur­de der bei Schaprode ge­fun­de­ne Schatz auf der Flucht Ha­ralds ver­gra­ben. Der Wis­sen­schaft­ler warnt vor vor­ei­li­gen Rück­schlüs­sen. Jetzt war­te in Ko­ope­ra­ti­on mit den dä­ni­schen Kol­le­gen viel klein­tei­li­ge Ar­beit auf die Lö­sung des Rät­sels.

Dä­ni­sche For­scher ge­hen da­von aus, dass die un­ter Blau­zahn ge­präg­ten „Kreuz­brak­tea­te“we­gen der ge­rin­gen Stück­zah­len vom Kö­nig über­wie­gend an die dä­ni­sche High­so­cie­ty aus­ge­ge­ben wur­de. Mit ei­nem Ge­wicht von 0,3 Gramm hat­ten die mit ei­nem christ­li­chen Kreuz ver­se­he­nen Mün­zen nur ei­nen ge­rin­gen Sil­ber­wert. Viel­mehr zähl­te der Nenn­wert der in

der Stück­zahl li­mi­tier­ten und des­halb be­son­ders wert­vol­len Mün­zen. Zu­dem gibt es sti­lis­ti­sche Par­al­le­len zwi­schen dem Hid­den­see-Gold­schmuck und dem Schmuck des Schaprode-Fun­des.

In dem Schaprode-Kon­vo­lut fin­den sich auch Mün­zen aus dem eng­li­schen und ori­en­ta­li­schen Raum – Aus­druck der da­mals be­reits üb­li­chen Han­dels­tä­tig­keit im Ost­see­raum. Der Tü­bin­ger Münz­ex­per­te Lutz Ilisch da­tiert die äl­tes­te Mün­ze auf das Jahr 714,

die jüngs­ten sind so­ge­nann­te Ot­to-Adel­heid-Pfen­ni­ge, die ab 983 ge­prägt wur­den. Nach dem Al­ter der Mün­zen zu ur­tei­len, kön­ne da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Schatz in den spä­ten 80erJah­ren des 10. Jahr­hun­derts ver­gra­ben wur­de, sagt Ilisch. Zu der Zeit, als Blau­zahn nach Pom­mern ge­flo­hen sein soll.

Hin­ter­grün­de zu ar­chäo­lo­gi­schen Fun­den le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/kul­tur

Fo­tos: dpa

Der Sil­ber­schatz von Schaprode: Zum Teil mit christ­li­chen Kreu­zen ver­zier­te säch­si­sche, ot­to­ni­sche, dä­ni­sche und by­zan­ti­ni­sche Mün­zen (gro­ßes Bild) ent­deck­ten Hob­by­ar­chäo­lo­ge Re­né Schön und der 13-jäh­ri­ge Schü­ler Lu­ca Ma­laschni­tschen­ko (klei­nes Bild,...

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