Dis­kus­si­on über den Spei­cher Bad Es­sen

Dis­kus­si­ons­abend bei der SPD in Bad Es­sen

Wittlager Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Rai­ner Wes­ten­dorf

orf BAD ES­SEN. Was wird aus dem Ge­län­de des Spei­chers nach dem vom Rat be­schlos­se­nen Ab­riss des Bau­werks? Kann das his­to­ri­sche Ge­bäu­de viel­leicht doch er­hal­ten wer­den? Über die­se Fra­gen dis­ku­tier­ten Bür­ger auf Ein­la­dung der SPD.

Was wird aus dem Ge­län­de des Spei­chers am Mit­tel­land­ka­nal nach dem vom Ge­mein­de­rat be­schlos­se­nen Ab­riss des Bau­werks? Kann das his­to­ri­sche Ge­bäu­de viel­leicht doch er­hal­ten wer­den? Über die­se Fra­gen dis­ku­tier­ten auf Ein­la­dung der SPD Bad Es­sen die Teil­neh­mer ei­ner Ver­an­stal­tung am Mitt­woch­abend im Ho­tel Haus Deutsch Kro­ne.

BAD ES­SEN. Im März hat­te der Ge­mein­de­rat Bad Es­sen mit der Mehr­heit der CDUS­tim­men be­schlos­sen, den Spei­cher ab­zu­rei­ßen. „Der Be­schluss heißt aber nicht, dass wir das gut fin­den“, merk­te SPD- Orts­ver­eins­vor­sit­zen­der Axel Gruc­zyk ein­lei­tend an. Jetzt ge­he es um die Fra­ge, wie es auf dem Ge­län­de künf­tig aus­se­hen könn­te. „Und je mehr Bür­ger bei die­sen Über­le­gun­gen mit­ma­chen, des­to bes­ser.“

Ein-Stim­men-Mehr­heit

„Spei­cher weg und was dann?“, so war der Abend über­schrie­ben. Um das „Was dann?“ging es al­ler­dings erst ge­gen En­de der rund zwei­stün­di­gen Ver­an­stal­tung. Na­he­zu al­le Teil­neh­mer sind für den Er­halt des Ge­bäu­des. Te­nor: Der 80 Jah­re al­te Korn­spei­cher ist ein Wahr­zei­chen des Or­tes Bad Es­sen und darf nicht ab­ge­ris­sen wer­den, egal wel­che Nut­zung rea­li­siert wird. Hef­ti­ge Kri­tik äu­ßer­ten meh­re­re Bür­ger. „Der Ab­riss­be­schluss war plötz­lich und un­er­war­tet.“Die CDU ha­be mit ih­rer EinS­tim­men-Mehr­heit die Ent­schei­dung durch­ge­zo­gen und die Bür­ger nicht ein­ge­bun­den. Zwar ha­be es auch in der CDU Mit­glie­der ge­ge­ben, die für den Er­halt des Bau­werks sei­en. Die­sen fehl­te aber der Mut, ih­re ei­ge­ne Mei­nung zu sa­gen. Letzt­lich ge­he es der Par­tei nicht um die Sa­che, son­dern um die Macht, mut­maß­ten ei­ni­ge Be­su­cher des Tref­fens.

Hin­ter­grund: Die Ide­en zum Er­halt und zur Mo­der­ni­sie­rung des 35 Me­ter ho­hen Der Ha­fen­spei­cher ehe­ma­li­gen Korn­spei­chers sind be­reits seit den vor­be­rei­ten­den Un­ter­su­chun­gen zum Sa­nie­rungs­ge­biet Ha­fen­stra­ße im Jah­re 2003 ver­folgt wor­den. In den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren gab es vie­le Kon­tak­te, Ge­sprä­che und Ver­hand­lun­gen mit In­ter­es­sen­ten. Ge­plant wa­ren von An­fang an Woh­nun­gen, Ge­wer­be und Gas­tro­no­mie. Po­ten­zi­el­le In­ves­to­ren sind aber nie­mals bis an den Punkt der Bau­an­trag­stel­lung ge­langt. Sämt­li­che In­ves­to­ren, die sich im Lauf der Jah­re mit dem Pro­jekt be­schäf­tigt ha­ben, sind ab­ge­sprun­gen. Zu­letzt, im Ja­nu­ar 2018, hat­ten sich Ge­mein­de und der In­ves­tor Wer­ner St­ei­ne­mann über die no­ta­ri­el­le Auf­lö­sung des ein Jahr zu­vor ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trags ge­ei­nigt. Spei­cher und Grund­stück sind al­so wie­der in kom­mu­na­lem Be­sitz. Der Rück­zug des letz­ten po­ten­zi­el­len In­ves­tors war für die CDU wie be­rich­tet der An­lass, jetzt den Ab­riss zu for­cie­ren und ei­ne Neu­über­pla­nung des Are­als zu star­ten. Das Ziel ist vor­ge­ge­ben wor­den, dass ei­ne mar­kan­te Be­bau­ung ent­ste­hen und ein neu­es Wahr­zei­chen für Bad Es­sen an die Stel­le des Spei­chers tre­ten soll. El­ke Mat­t­hey, Spre­che- rin der SPD/FDP-Bünd­nisC- Grup­pe im Rat, wies auf ein grund­le­gen­des Pro­blem hin: Bei al­len Über­le­gun­gen und Plä­nen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren war die Vor­aus­set­zung der Spei­cher­er­halt mit ei­ner Nut­zung für Gas­tro­no­mie, Bü­ro­räu­me und Woh­nun­gen im obe­ren Be­reich. Die­ses Kon­zept ha­be sich nicht ver­wirk­li­chen las­sen. Aber über ei­ne al­ter­na­ti­ve Nut­zung des Bau­werks wur­de nie­mals ernst­haft nach­ge­dacht. Das soll­te aber nun ge­prüft wer­den; und zwar vor ei­nem Ab­riss. „Wir soll­ten das Gan­ze auf null dre­hen und von vor­ne an­fan- gen“. Der Spei­cher ste­he seit gut 80 Jah­ren am Mit­tel­land­ka­nal. „Da kommt es jetzt auf ein paar Jah­re mehr auch nicht an“, sag­ten meh­re­re Ver­an­stal­tungs­be­su­cher. Klaus Haa­sis, SPD-Rats­mit­glied, führ­te an, dass der Spei­cher in den bis­he­ri­gen Plä­nen ganz be­wusst als „Kon­tra­punkt“zu der an­de­ren Be­bau­ung am Ka­nal ge­se­hen wur­de. Dass we­nig Vor­schlä­ge für die Ge­län­de­nut­zung oh­ne das Bau­werk ge­macht wur­den, wun­der­te Haa­sis nicht. Das zei­ge doch nur, wie wich­tig vie­len Bür­gern der Er­halt des Ge­bäu­des sei.

Am 23. Mai kommt erst­mals ein „tem­po­rä­rer Bei­rat für Bau­kul­tur in Bad Es­sen zu­sam­men. Zu die­sem Be­ra­tungs­gre­mi­um ge­hö­ren meh­re­re Ar­chi­tek­ten. In ei­nem Work­shop die­ses Bei­ra­tes wer­den Ver­tre­ter aus Po­li­tik und Ver­wal­tung mit der fach­li­chen Un­ter­stüt­zung der Ar­chi­tek­ten weg­wei­sen­de Emp­feh­lun­gen er­ar­bei­ten, wie das Ha­fen­ge­län­de wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann. Die Er­geb­nis­se kön­nen dann als Grund­la­ge für ei­nen sich al­ler Wahr­schein­lich­keit nach an­schlie­ßen­den In­ves­to­ren­wett­be­werb für das Grund­stück die­nen.

Ar­beit ist er­geb­nis­of­fen

Die Ar­beit ist er­geb­nis­of­fen. Das heißt, es ist durch­aus denk­bar, dass die Mit­glie­der den Er­halt des Speicher­ge­bäu­des emp­feh­len. Dar­auf set­zen nun vie­le der Ver­samm­lungs­teil­neh­mer ih­re Hoff­nun­gen. Das wür­de al­ler­dings auch be­deu­ten, dass der Rats­be­schluss vom März, den Spei­cher zu­rück­zu­bau­en, wie­der auf­ge­ho­ben wer­den müss­te.

Fo­to: Jörn Mar­tens

an der Marina in Bad Es­sen. Die Zu­kunft des Ge­bäu­des und des Are­als wa­ren The­men ei­ner Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung im Ho­tel Haus Deutsch Kro­ne.

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