Fa­mi­li­en­film, nicht ju­gend­frei Zum zwei­ten Mal über­nimmt Ryan Reynolds

Hält „Dead­pool 2“das Ni­veau des ers­ten Teils?

Wittlager Kreisblatt - - FILM - Von Da­ni­el Be­ne­dict

Heu­te kommt der „Dead­pool 2“in die Ki­nos. Ryan Reynolds spielt wie­der den Su­per­hel­den, der kein Held sein will. Auf dem Re­gie­stuhl da­ge­gen hat es ei­nen Wech­sel ge­ge­ben – hält der Flim von Da­vid Leitch mit dem ers­ten Teil mit? BER­LIN. „Dies ist ein Fa­mi­li­en­film.“Als Dead­pool (Ryan Reynolds) das zu Be­ginn die­ser Fort­set­zung be­haup­tet, glaubt man noch an ei­nen Witz. Zum ei­nen, weil der un­sterb­li­che Su­per­held sich ge­ra­de erst ge­sprengt hat­te, um uns noch mit dem ab­ge­trenn­ten Arm den Mit­tel­fin­ger zu zei­gen. Zum an­de­ren, weil das Mar­ken­zei­chen der Rei­he ge­ra­de dar­in be­steht, nicht fa­mi­li­en­taug­lich zu sein. Nor­ma­ler­wei­se zie­len hoch­bud­ge­tier­te Fil­me auf das gro­ße Pu­bli­kum, was zu­al­ler­erst ei­ne Ju­gend­frei­ga­be er­for­dert. „Dead­pool“(2016) peil­te von An­fang an ein „R Ra­ting“an, bei dem un­ter 17Jäh­ri­ge nur mit den El­tern ins Kino dür­fen. Das er­laub­te dem Film mehr Ge­walt und an­stö­ßi­ge Wit­ze und mach­te ihn zum Sen­sa­ti­ons­er­folg: „Dead­pool“spiel­te das 13-Fa­che sei­ner Pro­duk­ti­ons­kos­ten ein, ist mit Ein­nah­men von 780 Mil­lio­nen Dol­lar der er­folg­reichs­te Film sei­ner Al­ters­klas­se – und der Be­weis da­für: Auch die­ses Seg­ment ist block­bus­ter­taug­lich.

Trotz­dem ist die The­se vom Fa­mi­li­en­film nicht ganz falsch, zu­min­dest the­ma- tisch: Noch vor dem Vor­spann steigt Dead­pool mit sei­ner Freun­din Va­nes­sa (Mo­re­na Bac­ca­rin) in die Fa­mi­li­en­pla­nung ein; und als tra­gi­sche Er­eig­nis­se dem Kin­der­wunsch ein En­de set­zen, be­steht der Rest des Films dar­in, dem Hel­den Er­satz­fa­mi­li­en zu su­chen. Sei­ne In­te­gra­ti­on in das Su­per-Mu­tan­ten-Team der X-Men ge­hört ge­nau­so da­zu wie sein En­ga­ge­ment für den Te­enager Rus­sell (Ju­li­an Den­ni­son) ali­as Fi­re­fist – ein von die Rol­le des selbst­iro­nischs­ten al­ler Mar­vel-Su­per­hel­den. den ei­ge­nen Su­per­kräf­ten ge­pei­nig­tes Kind, das Dead­pool als ei­ne Art Zieh­sohn an­nimmt. Selbst der An­t­ago­nist wird von Va­ter­ge­füh­len an­ge­trie­ben: Der Zei­t­rei­sen­de Ca­ble kommt aus der Zu­kunft, um den Mord an sei­ner Fa­mi­lie zu ver­hin­dern.

All das klingt, na ja, ziem­lich all­täg­lich in der Welt der Mar­vel- Co­mics. Fa­mi­li­en­krach und Welt­un­ter­gang sind hier re­gel­mä­ßig zwei Sei­ten ei­ner Me­dail­le. Der Un­ter­schied: Dead­pool weiß,

dass er ei­ne Film­fi­gur ist. Vor Ac­tion-Sze­nen kün­digt er ei­ne „mas­si­ve CGI-Schlä­ge­rei“an. Ei­nen töd­li­chen Schuss kom­men­tiert er mit dem Satz: „Bit­te sagt mir, dass sie das in Slow Mo­ti­on ha­ben.“

Na­tür­lich gibt es des­halb auch dies­mal ei­ne Ti­tel­se­quenz, die al­le Mit­wir­ken­den als Kli­schees vor­führt. Dass der Re­gis­seur im ers­ten Teil noch als „über­be­zahl­tes Werk­zeug“avi­siert wur­de, be­kommt nun ei­nen bit­te­ren Bei­ge­schmack: Tim Mil­ler,

der mit „Dead­pool“als De­bü­tant zum Re­gie-Star wur­de, ist tat­säch­lich er­setzt wor­den, of­fen­bar gab es Streit mit dem Haupt­dar­stel­ler und Co-Pro­du­zen­ten Ryan Reynolds. Statt­des­sen wur­de der Ex-Stunt­man und „ John Wick“-Er­fin­der Da­vid Leitch en­ga­giert oder, um es mit dem „Dead­pool“-Vor­spann zu sa­gen, ei­ner der Ty­pen, die in „ John Wick den Hund ge­tö­tet ha­ben“.

Dem kon­se­quen­ten Il­lu­si­ons­bruch ent­spricht ei­ne Neu auf der gro­ßen Lein­wand: Film­kri­ti­ken im In­ter­net auf noz.de/kino

Trai­ler und Bil­der zu neu­en Kino-Block­bus­tern fin­den Sie im In­ter­net auf noz.de/me­di­en

Ent­zau­be­rung der Hel­den; und hier setzt die Fort­set­zung Maß­stä­be: Am An­fang trägt die Haupt­fi­gur Haus­schu­he zum Stretch-An­zug, am En­de wach­sen ihm ab­ge­trenn­te Glied­ma­ßen als Ba­by­bei­ne nach, auf de­nen er, wie ein Ein­jäh­ri­ger tau­melnd, sei­ne ers­ten Schrit­te macht. Und die Ne­ben­fi­gur Pe­ter, ein Su­per­held oh­ne Su­per­kräf­te, trägt vor dem Kampf Son­ne­creme auf, denn: „Der Schur­ke hat nicht an­nä­hernd so vie­le Leu­te um­ge­bracht wie Haut­krebs.“Das al­les ist un­be­streit­bar sehr ko­misch. Ver­spielt, oft bril­lant und gern post­pu­ber­tär ba­na­li­sie­ren Leitch und Reynolds die pom­pö­se Welt der Su­per­hel­den – in der Selbst­iro­nie al­ler­dings oh­ne­hin kein Al­lein­stel­lungs­merk­mal ist; kom­pli­zen­haf­ter Hu­mor ge­hört zum Mar­ken­kern der Mar­vel-Welt.

Dead­pool 2. USA 2018. R: Da­vid Leitch. D: Ryan Reynolds, Josh Bro­lin. 119 Mi­nu­ten, ab 16 Jah­ren.

Fo­to: Fox­films

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.