EU sucht mehr Ein­fluss in der Welt

Ge­mein­schaft will zu­sätz­li­ches Geld für Ent­wick­lungs­hil­fe vor al­lem in Afri­ka in die Hand neh­men

Wittlager Kreisblatt - - POLITIK - Von Tho­mas Lud­wig

OSNABRÜCK Die EU will ih­re Rol­le als au­ßen­po­li­ti­scher Ak­teur in der Welt ein­fluss­rei­cher ge­stal­ten. Dem­ent­spre­chend sol­len die für Ent­wick­lungs­hil­fe, Nach­bar­schafts­po­li­tik und Frie­dens­prä­ven­ti­on zur Ver­fü­gung ste­hen­den Gel­der um fast ein Drit­tel auf rund 123 Mil­li­ar­den Eu­ro stei­gen. Das teil­te die Au­ßen­be­auf­trag­te der Ge­mein­schaft, Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni, am Don­ners­tag mit.

Hin­ter­grund für die Auf­sto­ckung ist der an­hal­ten­de und in den nächs­ten Jah­ren wohl wei­ter stei­gen­de Mi­gra­ti­ons­druck auf die Eu­ro­päi­sche Uni­on. Künf­tig will die EU Flucht­ur­sa­chen da­her stär­ker be­kämp­fen als bis­her.

Zur Ver­fü­gung ste­hen soll das Geld im neu­en Fi­nanz­rah­men von 2021 bis 2027. „Das ist ei­ne bei­spiel­lo­se In­ves­ti­ti­on in un­se­re Rol­le als glo­ba­ler Ak­teur“, sag­te Mo­g­her­i­ni. Da­mit wür­di­ge man den Mehr­wert, den die au­ßen­po­li­ti­sche Ar­beit der EU bie­tet. „Ge­mein­sam kön­nen wir Wir­kun­gen er­zie­len, die

in der heu­ti­gen Welt kein Mit­glied­staat al­lein er­rei­chen könn­te“, be­ton­te Mo­g­her­i­ni.

Der Groß­teil des Gel­des wird dem­nach über drei Säu­len ver­ge­ben. Der maß­geb­li­che Bat­zen in Hö­he von 68 Mil­li­ar­den Eu­ro ent­fällt auf

die Un­ter­stüt­zung ein­zel­ner Re­gio­nen. Auf Sub­sa­ha­raAfri­ka ent­fällt mit ge­plan­ten 32 Mil­li­ar­den Eu­ro der größ­te An­teil; im lau­fen­den Fi­nanz­plan hilft die EU Afri­ka mit 26,1 Mil­li­ar­den.

Ob die ge­plan­te Auf­sto­ckung aus­rei­chen wird, um Flucht­ur­sa­chen ein­zu­däm­men? Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) hat­te jüngst „ei­ne Ver­dopp­lung, ei­ne Ver­drei­fa­chung der Maß­nah­men“für Afri­ka ge­for­dert. Da­von sind die jetzt in Brüssel vor­ge­leg­ten Fi­nanz­plä­ne weit ent­fernt.

Kri­tik wird ge­gen das Vor­ha­ben laut, die Zahl der Fi­nan­zie­rungs­in­stru­men­te zu re­du­zie­ren und so die Struk­tur der au­ßen­po­li­ti­schen Fi­nanz­mit­tel zu straf­fen. So be­fürch­tet die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Brot für die Welt, „dass be­währ­te In­stru­men­te, die auf Ent­wick­lung, zi­vi­le Kri­sen­prä­ven­ti­on und Men­schen­rechts­schutz zie­len und lang­fris­ti­ge, ver­läss­li­che För­de­rung be­nö­ti­gen, kurz­fris­ti­gen si­cher­heits­po­li­ti­schen Ei­gen­in­ter­es­sen der EU un­ter­ge­ord­net wer­den“.

Ei­ni­gung auf Etat of­fen

Ei­ne ra­sche Ei­ni­gung des EU-Par­la­ments und der Mit­glied­staa­ten über den neu­en mehr­jäh­ri­gen EU-Haus­halt wird oh­ne­hin nicht leicht. Denn deut­li­che Mehr­aus­ga­ben sind nicht nur im Ent­wick­lungs­sek­tor ge­plant, son­dern auch in den Be­rei­chen Ver­tei­di­gung, in­ne­re Si­cher­heit und Au­ßen­grenz­schutz. Wo im Ge­gen­zug ge­spart wer­den soll, ist in­des um­strit­ten. Noch im­mer ma­chen die Land­wirt­schafts­hil­fen ei­nen we­sent­li­chen An­teil des EU-Etats aus.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.