Hein­rich Brüg­ge­mann ist in Hun­te­burg un­ver­ges­sen

Im Fe­bru­ar 1966 er­schoss „Wald­mensch“Bru­no Fa­bey­er den vier­fa­chen Fa­mi­li­en­va­ter

Wittlager Kreisblatt - - LOKALES - Von Mar­tin Nob­be

Im Fe­bru­ar 1966 fie­len in Hun­te­burg töd­li­che Schüs­se. Der Po­li­zist Hein­rich Brüg­ge­mann starb. Die­ses Er­eig­nis hat sich in das kol­lek­ti­ve Ge­dächt­nis der Ort­schaft Hun­te­burg und des Witt­la­ger Lan­des ein­ge­gra­ben.

HUN­TE­BURG Was auf die Schüs­se des Bru­no Fa­bey­er folg­te, war ei­ne der spek­ta­ku­lärs­ten Ver­bre­cher­jag­den der Nach­kriegs­zeit. Der „Wald­mensch“, der zum Po­li­zis­ten­mör­der wur­de, stand oft im Mit­tel­punkt, das Op­fer eher sel­ten. In Hun­te­burg und Bohm­te wird das An­den­ken Brüg­ge­manns aber in Eh­ren ge­hal­ten.

Ein Ge­denk­stein, der ein Nach­denk­stein ist, in Mey­er­hö­fen und die Brüg­ge­mann­stra­ße in Hun­te­burg er­in­nern an den be­lieb­ten Po­li­zei­be­am­ten. Eben­so ein Bild in der Po­li­zei­sta­ti­on an der Le­ver­ner Stra­ße Bohm­te.

Rück­blen­de: Der 46-jäh­ri­ge Po­li­zei­be­am­te war von 1955 bis zu sei­nem Tod als Ein­zel­pos­ten in Hun­te­burg tä­tig. Der 24. Fe­bru­ar, ein Don­ners­tag, ver­lief für den in der Be­völ­ke­rung sehr be­lieb­ten Po­li­zei­be­am­ten oh­ne be­son­de­re Vor­komm­nis­se. Das soll­te sich aber än­dern, als er ge­gen 19 Uhr von Her­bert Schu­bert dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de: Im da­ma­li­gen Gast­haus Mey­er­ha­gen, spä­ter Gast­haus Hee­mann, in Mey­er­hö­fen saß der ge­such­te Bru­no Fa­bey­er. Wil­helm Bos­se jun., da­mals zwölf Jah­re alt, kann sich noch an den Tat­tag er­in­nern. Die Brüg­ge­mann­stra­ße in Hun­te­burg.

Noch be­vor Brüg­ge­mann Fa­bey­er fest­neh­men konn­te, hat­te der das Gast­haus in­zwi­schen ver­las­sen, sich auf ein Fahr­rad ge­schwun­gen und auf der Haup­st­ra­ße/Rei­nin­ger Stra­ße in Rich­tung Knost­mann das Wei­te ge­sucht.

Hein­rich Brüg­ge­mann nahm ge­mein­sam mit Her­bert Schu­bert im Au­to die Ver­fol­gung auf. Auf dem Vogts­kamp, un­weit des An­we­sens Bos­se, wur­de Fa­bey­er mit den Wor­ten „Halt Po­li­zei!“von Brüg­ge­mann ge­stellt.

Fa­bey­er stieg von sei­nem Fahr­rad und flüch­te­te. Brüg­ge­mann lief hin­ter­her. Der Po­li­zist hat­te Fa­bey­er schnell ein­ge­holt, ihn am Kra­gen zu fas­sen be­kom­men. Fa­bey­er riss sich los, dreh­te sich kurz um und schoss fünf­mal auf den Po­li­zei­be­am­ten, be­vor er über den Acker von Land­wirt Wil­helm Bos­se se­ni­or in der Dun­kel­heit ver­schwand.

Hein­rich Brüg­ge­mann ver­starb auf dem Weg ins Kran­ken­haus und hin­ter­ließ ei­ne Ehe­frau mit vier Kin­dern.

Wil­helm Bos­se ju­ni­or, da­mals

zwölf Jah­re alt, kann sich noch genau an die­sen Tag er­in­nern: „Ich konn­te al­les aus dem Kü­chen­fens­ter be­ob­ach­ten. Mein Va­ter hat­te da­mals am Tat­ort von den Po­li­zis­ten er­fah­ren, dass hier ge­ra­de un­ser Po­li­zei­ober­meis­ter Hein­rich Brüg­ge­mann er­schos­sen wor­den sei. We­nig spä­ter kam dann die Po­li­zei mit ge­zo­ge­nen Waf­fen auf un­ser Grund­stück und leuch­te­te un­se­re Scheue aus.“Fa­bey­er blieb ver­schwun­den und war mehr als 500 Ta­ge auf der Flucht, be­vor er am 24. Fe­bru­ar 1967 in ei­nem Kauf­haus in Kas­sel fest­ge­nom­men wur­de.

Bru­no Fa­bey­er wur­de vom Schwur­ge­richt Os­na­brück we­gen ver­such­ten Mor­des, ei­nes Tot­schlags in ei­nem be­son­ders schwe­ren Fal­le und des schwe­ren Rück­fall­dieb­stah­les in sie­ben Fäl­len zu ei­ner Der Ge­denk­stein für den Po­li­zis­ten Hein­rich Brüg­ge­mann.

le­bens­lan­gen Frei­heits­stra­fe mit an­schlie­ßen­der Si­che­rungs­ver­wah­rung ver­ur­teilt.

Bru­no Fa­bey­er wur­de Jah­re spä­ter be­gna­digt. Da er sich im Ge­fäng­nis in über 15 Jah­ren ein­wand­frei führ­te, durf­te Fa­bey­er 1983 zum ers­ten Mal die Straf­an­stalt als Frei­gän­ger ver­las­sen. Er nutz­te ei­nen Frei­gang zur Flucht, um das Grab sei­ner Mut­ter zu be­su­chen.

Nach we­ni­gen Ta­gen wur­de er in Bram­sche wie­der auf­ge­grif­fen und oh­ne Pro­zess er­neut in Ver­wah­rung ge­nom­men. 1987 wur­de Fa­bey­er dann end­gül­tig be­gna­digt. Vor­aus­set­zung da­für war der Nach­weis ei­nes ge­eig­ne­ten He­im­plat­zes. Den Platz be­kam Fa­bey­er in ei­ner Un­ter­brin­gungs­an­stalt für psy­chisch ge­stör­te Per­so­nen in Hes­sen. In der Po­li­zei­sta­ti­on Bohm­te wird an den Kol­le­gen Hein­rich Brüg­ge­mann er­in­nert.

„Der Wald­mensch“starb mit 72 Jah­ren an Herz­ver­sa­gen in ei­nem Al­ten­heim in Bad Orb. Das Ge­den­ken an

den er­schos­se­nen Hein­rich Brüg­ge­mann ist für vie­le Men­schen im Witt­la­ger Land bis heu­te Ver­pflich­tung.

Fo­tos: Mar­tin Nob­be

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.