VW lehnt Die­sel-ver­gleich ab – und bie­tet ei­ge­nen an

Volks­wa­gen und Ver­brau­cher­schüt­zer zof­fen sich hef­tig um Ent­schä­di­gun­gen im Ab­gas­skan­dal

Wittlager Kreisblatt - - VORDERSEIT­E -

Der Au­to­bau­er Volks­wa­gen bie­tet sei­nen vom Die­selskan­dal be­trof­fe­nen Kun­den, die sich zur Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge an­ge­mel­det ha­ben, auch oh­ne Be­tei­li­gung des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­bands (vzbv) ei­nen Ver­gleich an. Der Vor­stand ha­be ges­tern in ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Sit­zung ein Ver­gleichs­pa­ket in Hö­he von ins­ge­samt bis zu 830 Mil­lio­nen Eu­ro be­schlos­sen, teil­te VW mit.

Volks­wa­gen hat­te ges­tern er­klärt, das Un­ter­neh­men und der vzbv hät­ten sich zwar auf ei­nen Ver­gleich in ei­ner Grö­ßen­ord­nung von 830 Mil­lio­nen Eu­ro ge­ei­nigt, die­se Lö­sung sei aber ge­schei­tert. Grund sei­en „un­an­ge­mes­se­ne“An­walts­for­de­run­gen.

Die Grü­nen ha­ben das An­ge­bot von VW als „ab­surd“be­zeich­net. „Oh­ne ei­nen Ver­gleich und da­mit kla­ren Rechts­an­spruch und ei­nem funk­tio­nie­ren­den Sys­tem der Ab­wick­lung ist es nur hei­ße Luft, die der Kon­zern ver­spricht“, sag­te Ta­bea Röß­ner, ver­brau­cher­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen-bun­des­tags­frak­ti­on, un­se­rer Re­dak­ti­on.

Es sei nicht in Ord­nung, dass VW dem vzbv die Schuld am Plat­zen der Ver­hand­lun­gen zu­schie­be. Der Au­to­bau­er „ent­zieht sich ei­nem trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren. Dies als Ge­schenk an die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher zu ver­kau­fen ist ab­surd“, so die Grü­nen-po­li­ti­ke­rin.

Ent­schä­di­gung auch für deut­sche Vw-die­sel­kun­den im Ab­gas­skan­dal: Die Klä­ger im Mus­ter­ver­fah­ren am Braun­schwei­ger Ober­lan­des­ge­richt sol­len nun doch Geld vom Kon­zern be­kom­men. Ins­ge­samt wol­le man ei­ne Sum­me von bis zu 830 Mil­lio­nen Eu­ro be­reit­stel­len, teil­te Volks­wa­gen ges­tern mit. Zu­vor hat­te das Un­ter­neh­men die of­fi­zi­el­len Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen mit dem Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len (vzbv) auf­ge­kün­digt. Wie ge­nau die Die­sel­fah­rer an ihr Geld kom­men sol­len, steht al­ler­dings noch nicht fest.

Ver­brau­cher­schüt­zer hat­ten nach dem Auf­flie­gen des Ab­gas­skan­dals in den USA 2015 ver­langt, auch Au­to­fah­rern in Eu­ro­pa ei­ne Ent­schä­di­gung für den Wert­ver­lust be­trof­fe­ner Die­sel­fahr­zeu­ge zu­zu­spre­chen. Die zur Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge an­ge­mel­de­ten Vwkun­den dürf­ten nun vor­aus­sicht­lich um die 2000 Eu­ro pro Kopf er­hal­ten – wenn sie dem Ver­gleich zu­stim­men. Die ge­naue Ver­tei­lung der Sum­me von 830 Mil­lio­nen Eu­ro hängt da­von ab, wie vie­le Kun­den für das Ver­fah­ren re­gis­triert wa­ren. An­ga­ben schwan­ken zwi­schen 400 000 und 470 000.

Das Ver­gleichs­pa­ket rich­tet sich nur an die­je­ni­gen Vw­die­sel­fah­rer, die auch an der Mus­ter­kla­ge teil­neh­men. Falls sie den Ver­gleich ab­leh­nen, kön­nen sie wei­ter auf die Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge set­zen. „Ich freue mich über je­den Eu­ro, den Volks­wa­gen in An­er­ken­nen sei­nes Die­sel­be­trugs den Ver­brau­chern aus­zahlt“, sag­te Ver­brau­cher­zen­tra­len­chef Klaus Mül­ler ges­tern. Trotz­dem wol­le der Ver­band nicht auf­ge­ben. Wer dem Ver­gleich jetzt zu­stim­me, kön­ne kei­ne wei­te­ren An­sprü­che gel­tend ma­chen, falls der Ver­band mit der Kla­ge ei­ne hö­he­re Ent­schä­di­gung er­strei­te.

Kun­den, die Ein­zel­pro­zes­se vor Amts-, Land- oder Ober­lan­des­ge­rich­ten (OLG) lau­fen ha­ben, kön­nen nicht auf das Ver­gleichs­an­ge­bot von VW set­zen. Vie­le von ih­nen hof­fen auf ei­ne ers­te Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs, die An­fang Mai er­war­tet wird.

Aber sind die Ver­gleichs­ge­sprä­che nun ge­schei­tert oder nicht? Vom Er­geb­nis her wohl nicht, denn Die­sel­fah­rer sol­len ja Geld er­hal­ten. Vom Ablauf her wohl schon, denn zu ei­ner for­ma­len Ei­ni­gung der bei­den Sei­ten kam es am En­de nicht. Volks­wa­gen und vzbv schie­ben sich ge­gen­sei­tig die Schuld zu.

Laut VW wur­den For­de­run­gen von An­wäl­ten der Ver­brau­cher­schüt­zer nach ei­ner Pau­schal­ver­gü­tung von 50 Mil­lio­nen Eu­ro nicht aus­rei­chend be­grün­det. Das Ho­no­rar soll­te in die Ab­wick­lung der Zah­lun­gen flie­ßen. Mül­ler ent­geg­ne­te, die Ge­sprä­che sei­en ge­platzt, weil VW kein trans­pa­ren­tes, ver­trau­ens­wür­di­ges und si­che­res Sys­tem der Ab­wick­lung er­mög­li­chen woll­te. Die Ver­brau­cher­schüt­zer woll­ten die Ab­wick­lung der Ent­schä­di­gung zu­min­dest aber kon­trol­lie­ren – das ha­be VW nicht ge­wollt. Der Vwkon­zern be­ton­te, „be­reits mit Hoch­druck an der Er­stel­lung ei­ner Platt­form“zu ar­bei­ten. Über die­se soll­ten die „ver­gleichs­be­rech­tig­ten Kun­din­nen und Kun­den [. . .] un­kom­pli­ziert und schnell das auf sie zu­ge­schnit­te­ne An­ge­bot für ei­ne Ein­mal­zah­lung“er­hal­ten. Die Ver­brau­cher­schüt­zer be­fürch­ten, dass die Aus­zah­lun­gen in­trans­pa­rent wer­den könn­ten.

Fo­to: dpa/ju­li­an Stratensch­ulte

Wie die Ent­schä­di­gung der Die­sel­kun­den durch den Vw-kon­zern ab­ge­wi­ckelt wird, ist noch nicht klar.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.