Mit 100 000 Schif­fen dem Müll auf der Spur

Ol­denBur­ger Wis­sen­sChAft­ler er­for­sChen, wo­hin die PlAs­ti­kABfÄl­le in der Nord­see trei­Ben

Wolfsburger Allgemeine - - NIEDERSACHSEN - VON MATTHIAS ARNOLD

WILHELMSHAVEN. Die See ist grau und un­ru­hig. Das For­schungs­schiff „Otz­um“schau­kelt auf den Wel­len des Ja­de­bu­sens. Der Wis­sen­schaft­le­rin Ro­san­na Schöneich-Ar­gent macht die Schau­ke­lei nichts aus. Sie steht un­ter Deck und er­klärt das neu­es­te For­schungs­pro­jekt des In­sti­tuts für Che­mie und Bio­lo­gie des Mee­res in Wilhelmshaven (ICBM). Je­des Jahr ver­schmut­zen Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik­müll die Ozea­ne. Auch die Nord­see ist be­trof­fen. Das Pro­blem ist hier bis­her we­nig er­forscht. Die For­scher des zur Uni Ol­den­burg ge­hö­ren­den ICBM wol­len das nun än­dern.

„Jähr­lich wer­den auf der gan­zen Welt rund 300 Mil­lio­nen Ton­nen Plas­tik­müll pro­du­ziert“, sagt Jörg-Olaf Wolff, Lei­ter der Ar­beits­grup­pe für phy­si­ka­li­sche Ozea­no­lo­gie am ICBM. „Schät­zungs­wei­se ein Zehn­tel da­von ge­langt je­des Jahr ins Meer.“

Das Land Nie­der­sach­sen un­ter­stützt das Vor­ha­ben mit 1,4 Mil­lio­nen Eu­ro. Des­halb fährt auf der „Otz­um“auch Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Gabriele Hei­nen-Kl­ja­jic (Grü­ne) mit. Sie ist im Rah­men ih­rer Som­mer­rei­se nach Wilhelmshaven ge­kom­men.

Über die Ver­brei­tung von Müll in den gro­ßen Ozea­nen weiß die Wis­sen­schaft ei­ni­ges: Ein welt­um­fas­sen­des Sys­tem an Mee­res­strö­mun­gen reißt ihn mit und lässt ihn nicht mehr los. So ent­ste­hen die Müll­stru­del – Stel­len im Meer, an de­nen der Ab­fall zu­sam­men­ge­trie­ben wird. Das Pro­jekt des ICBM soll nun Auf­schluss dar­über ge­ben, ob und wo sich in der Nord­see eben­falls sol­che Ak­ku­mu­la­ti­ons­ge­bie­te bil­den. Da­zu will das Team Drift­kör­per aus­set­zen. Bis zu 100 000 die­ser klei­nen Holz­schiff­chen sol­len in­ner­halb der kom­men­den vier Jah­re ins Was­ser ge­las­sen wer­den.

Wer ein Holz­stück am Strand fin­det, ist auf­ge­for­dert, sich beim In­sti­tut zu mel­den und den Fund­ort an­zu­ge­ben. An­hand der so ge­won­ne­nen Da­ten lässt sich er­mit­teln, wel­chen Weg trei­ben­de Ge­gen­stän­de im Meer zu­rück­le­gen.

FO­TO: DPA

Lei­nen los: Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Gabriele Hei­nen-Kl­ja­jic (Grü­ne) lässt sich das For­schungs­pro­jekt auf der „Otz­um“er­klä­ren.

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