Spiel mit dem Feu­er

Die De­bat­te um das Böh­mer­mann-Ge­dicht dient der Kunst­frei­heit

Wolfsburger Allgemeine - - TAGESTHEMEN - VON TO­BI­AS GOST­OM­ZYK

► Jan Böh­mer­mann schätzt

den Skan­dal – al­so Er­eig­nis­se, die öf­fent­lich auf­re­gend sind. Hier­für ist er be­reit, an­ecken­de We­ge zu ge­hen. Aktuell be­legt das sein Auf­ruf, sei­ne In­ter­net­kam­pa­gne „Re­con­quis­ta In­ter­net“zu un­ter­stüt­zen, ei­ne Initia­ti­ve, die rech­ten Hass­kom­men­ta­ren im Netz mas­sen­haft mit „Ver­ständ­nis, Ver­nunft, Hu­mor und/oder Lie­be“be­geg­nen möch­te.

We­ni­ger ver­ständ­nis- oder gar lie­be­voll war da­ge­gen das Ge­dicht „Schmäh­kri­tik“, dass Jan Böh­mer­mann vor ei­ni­ger Zeit ver­las. In sei­ner Sen­dung „Neo Ma­ga­zin Roya­le“hat­te er ge­sagt, man dür­fe über den tür­ki­schen Prä­si­den­ten bei­spiels­wei­se nicht sa­gen, „am liebs­ten mag er Zie­gen fi­cken“oder „die dum­me Sau hat Schrum­pel­klö­ten“. Das fand jetzt auch das OLG Ham­burg – und be­stä­tig­te im We­sent­li­chen die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz.

Da­mit blei­ben ge­ra­de Zei­len des Ge­dichts mit Be­zug zum Se­xu­al- und In­tim­be­reich bis auf Wei­te­res ver­bo­ten.

Sa­ti­re darf zwar viel, aber auch nicht al­les. So­wohl die Mei­nungs- als auch die Kunst­frei­heit er­lau­ben auch har­sche Kri­tik. Doch bei schwe­ren Ver­let­zun­gen des Per­sön­lich­keits­rechts kann sie un­zu­läs­sig sein. Das ist das Ri­si­ko von Sa­ti­re am Ran­de des recht­lich Er­laub­ten, was Jan Böh­mer­mann als Me­di­en­pro­fi wuss­te.

Den­noch hat auch der Skan­dal sei­ne ei­ge­ne Funk­ti­on: Die Aus­ein­an­der­set­zung um das Ge­dicht „Schmäh­kri­tik“er­mög­licht, den Spiel­raum für Kunst- und Mei­nungs­frei­heit zu ver­han­deln. Das ist in der Öf­fent­lich­keit und – Fort­set­zung folgt – vor Ge­richt ge­sche­hen.

To­bi­as Gost­om­zyk ist Pro­fes­sor für Me­di­en­recht an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund.

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