FDP und Grü­ne wol­len Frei­ga­be von Can­na­bis

Un­ge­wöhn­li­che Ko­ope­ra­ti­on: Op­po­si­ti­on for­dert Mo­dell­pro­jekt für Nie­der­sach­sen

Wolfsburger Allgemeine - - NIEDERSACHSEN - VON MICHA­EL B. BER­GER

HAN­NO­VER. FDP und Grü­ne im nie­der­säch­si­schen Land­tag ma­chen ei­nen ge­mein­sa­men Vor­stoß zur kon­trol­lier­ten Ab­ga­be von Can­na­bis. Die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en for­dern die rot-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung auf, in ei­ner nie­der­säch­si­schen Groß­stadt ei­nen Mo­dell­ver­such zu star­ten, in dem Can­na­bis re­gu­liert über Apo­the­ken ver­ge­ben wird. „Die Pro­hi­bi­ti­ons­po­li­tik ist bei Can­na­bis ge­schei­tert, des­halb soll­te man es kon­trol­liert frei­ge­ben, al­ler­dings nur für Er­wach­se­ne“, sag­te FDP-Land­tags­frak­ti­ons­chef Ste­fan Birk­ner bei ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit An­ja Piel von den Grü­nen. Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Piel sag­te, ein gro­ßes wis­sen­schaft­lich be­glei­te­tes Mo­dell­pro­jekt wä­re ein Weg, den Kon­sum von Can­na­bis end­lich zu ent­kri­mi­na­li­sie­ren.

Die pro­gram­ma­tisch nicht im­mer ganz gleich ti­cken­den Par­tei­en ha­ben in dem Po­li­tik- feld Can­na­bis-Re­gu­lie­rung ei­ne Ge­mein­sam­keit ent­deckt. Die Li­be­ra­len hat­ten in ih­rem Wahl­pro­gramm für die jüngs­te Land­tags­wahl be­reits ei­ne kon­trol­lier­te Ab­ga­be oh­ne Hür­den von Can­na­bis be­für­wor­tet – für me­di­zi­ni­sche und Ge­nuss­zwe­cke. Auch die Grü­nen tre­ten für ei­ne „Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Can­na­bis“ein.

Al­ler­dings ist es un­wahr­schein­lich, dass sich auch die SPD/CDU-Lan­des­re­gie­rung für die­ses Pro­jekt stark­macht. Re­gie­rungs­spre­che­rin An­ke Pörk­sen (SPD) si­gna­li­sier­te schon vor der Pres­se­kon­fe­renz der Op­po­si­ti­ons­par­tei­en, dass man in der Fra­ge der kon­trol­lier­ten Can­na­bis-Frei­ga­be kei­nen Ent­schei­dungs­be­darf se­he. Es sprä­chen auch ge­sund­heit­li­che Grün­de da­ge­gen, mein­te ein Spre­cher des nie­der­säch­si­schen So­zi­al­mi­nis­te­ri­ums.

Des­sen un­ge­ach­tet wer­den FDP und Grü­ne ih­ren An­trag im Land­tag vor­brin­gen und wei­ter für ihr Vor­ha­ben wer­ben. Birk­ner und Piel ar­gu­men­tier­ten, dass ei­ne Ent­kri­mi­na­li­sie­rung des Can­na­bisKon­sums auch die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den ent­las­ten wür­de. Piel wies dar­auf hin, dass sich in ei­ner deutsch­land­weit er­ho­be­nen Pe­ti­ti­on 80 000 Bür­ger für ei­ne Ent­kri­mi­na­li­sie­rung des Rausch­gif­tes stark­ge­macht hät­ten, das un­ter das schar­fe Bun­des­mit­tel­be­täu­bungs­ge­setz fällt. Nach dem Wil­len der Op­po­si­ti­on soll­te die Lan­des­re­gie­rung ei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung beim Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel be­an­tra­gen, um das Mo­dell­pro­jekt ver­wirk­li­chen zu kön­nen.

Zu den mög­li­chen Kos­ten und dem Um­fang ei­nes sol­chen Ver­suchs, der in der Bun- des­re­pu­blik ein­ma­lig wä­re, konn­ten we­der Piel noch Birk­ner ge­naue­re An­ga­ben ma­chen. Birk­ner sprach von ei­ner „über­fäl­li­gen Re­form“. Piel be­ton­te, ein sol­ches Vor­ha­ben bö­te auch die Chan­ce, den Schwarz­markt aus­zu­trock­nen und zu „rei­ne­ren“Pro­duk­ten zu kom­men. In den USA ge­be es ent­spre­chen­de Ver­su­che.

Als Mo­dell ei­ner neu­en grün-gel­ben Zu­sam­men­ar­beit wol­len die sonst so un­ter­schied­li­chen Land­tags­frak­tio­nen ih­ren Vor­schlag nicht se­hen. Man ha­be als Op­po­si­ti­on auch in an­de­ren Fra­gen be­reits zu­sam­men­ge­ar­bei­tet – et­wa in dem Be­stre­ben, im Land­tag die Min­der­hei­ten­rech­te zu stär­ken. „In bür­ger­recht­li­chen Fra­gen gibt es mit der FDP ei­ni­ge Ge­mein­sam­kei­ten“, sag­te Grü­nen­Frak­ti­ons­che­fin Piel: „Nur in der Fra­ge der Mo­bi­li­tät geht es bei uns aus­ein­an­der – wir plä­die­ren ganz klar für das Fahr­rad, der frü­he­re FDP-Ver­kehrs­mi­nis­ter Jörg Bo­de be­harrt auf sei­nen GTI.“

Die Pro­hi­bi­ti­ons­po­li­tik ist bei Can­na­bis ge­schei­tert.

Ste­fan Birk­ner, Chef der FDP-Land­tags­frak­ti­on

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