Mehr Rech­te für Ar­beit­neh­mer

Bun­des­re­gie­rung ei­nigt sich auf neu­en Ge­setz­ent­wurf, um den Wech­sel von Teil- in Voll­zeit­stel­len zu er­leich­tern

Wolfsburger Allgemeine - - WIRTSCHAFT - VON BA­SIL WE­GE­NER

BER­LIN. Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land sol­len künf­tig leich­ter zwi­schen Teil­zeit­und Voll­zeit­be­schäf­ti­gung wech­seln kön­nen. Das Bun­des­ka­bi­nett be­schloss am Mitt­woch in Ber­lin den Ge­setz­ent­wurf zur so­ge­nann­ten Brü­cken­teil­zeit. Kern der neu­en Re­ge­lung ist ein Recht auf Rück­kehr in ei­nen Voll­zeit­job. Das Ge­setz soll vom 1. Ja­nu­ar 2019 an gel­ten – so­fern der Bun­des­tag zu­stimmt.

We­gen Wi­der­stands in der Uni­on hat­te der Ge­setz­ent­wurf von Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) knapp zwei Mo­na­te auf Eis ge­le­gen. Heils Vor­gän­ge­rin im Ar­beits­res­sort, die heu­ti­ge SPD-Che­fin Andrea Nah­les, war in der ver­gan­ge­nen Wahl­pe­ri­ode mit ei­nem Ent­wurf für ein sol­ches Rück­kehr­recht noch an der Uni­on ge­schei­tert.

„Im Kern geht es dar­um, dass die Ar­beit zum Le­ben passt“, sag­te Heil. Die neue Teil­zeit baue Brü­cken von Teil­zeit in Voll­zeit und um­ge­kehrt. Ei­ne Mil­li­on Be­schäf­tig­te woll­ten heu­te ih­re Ar­beit re­du­zie­ren. Wei­te­re 1,8 Mil­lio­nen Teil­zeit­be­schäf­tig­te woll­ten ih­re Ar­beit auf­sto­cken. Der neue Rechts­an­spruch baue Brü­cken ins Eh­ren­amt, in die Wei­ter­bil­dung oder die Ver­wirk­li­chung ei­ge­ner Zie­le. „Er lässt vor al­lem Frau­en künf­tig nicht mehr in der Teil­zeit­fal­le hän­gen.“

Der Ge­setz­ent­wurf sieht vor, dass Ar­beit­neh­mer zwi­schen ei­nem und fünf Jah­re in Teil­zeit ge­hen kön­nen. Sie er­hal­ten dann das Recht, in Voll­zeit zu­rück­keh­ren zu kön­nen. Das gilt für Be­trie­be ab 45 Be­schäf­tig­te, wenn ein Be­schäf­tig­ter min­des­tens ein hal­bes Jahr in dem Be­trieb ist. Für Un­ter­neh­men mit 46 bis 200 Mit­ar­bei­tern gilt die Re­ge­lung ein­ge­schränkt. Dort soll nur je­weils ei­ne be­grenz­te Zahl von Be­schäf­tig­ten gleich­zei­tig ei­nen An­trag auf Brü­cken­teil­zeit stel­len kön­nen. Bis­her gibt es ein Rück­kehr­recht in ei­ne vol­le Stel­le bei El­tern­zeit, Pfle­ge­zeit oder Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit.

Hef­ti­ge Kri­tik äu­ßer­ten die Ar­beit­ge­ber. „Wenn ei­ne Rück­kehr aus Teil­zeit in Voll­zeit schei­tert, dann an feh­len­den Kin­der­be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten, nicht am Wil­len der Ar­beit­ge­ber“, be­män­gel­te Ge­samt­me­tall-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Zan­der.

Das ge­plan­te Ge­setz über­for­de­re auch klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men nicht, be­ton­te Heil. Po­si­tio­nen der Ar­beit­ge­ber, der Ge­werk­schaf­ten und des Ko­ali­ti­ons­part­ners fan­den dem Mi­nis­ter zu­fol­ge Ein­gang in den Ge­setz­ent­wurf und sei­ne Be­grün­dung.

FO­TO: DPA

Er­folg für Mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil: Das Ka­bi­nett be­schließt sei­nen Ent­wurf für ein Brü­cken­teil­zeit­ge­setz.

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