Buß­geld-Ham­mer: VW muss ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro zah­len

Staats­an­walt­schaft Braun­schweig ver­hängt ho­he Stra­fe in der Die­sel-Af­fä­re – Er­mitt­ler wer­fen dem Un­ter­neh­men „Auf­sichts­pflicht­ver­let­zun­gen“vor – Volks­wa­gen legt kei­ne Rechts­mit­tel ein und „be­kennt sich zu sei­ner Ver­ant­wor­tung“

Wolfsburger Allgemeine - - WOLFSBURG -

WOLFSBURG. Volks­wa­gen zahlt we­gen der Die­sel­af­fä­re nun auch in Deutsch­land ei­ne Geld­bu­ße von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro. Da­mit wer­den nach An­ga­ben des Un­ter­neh­mens und der Staats­an­walt­schaft Braun­schweig „Auf­sichts­pflicht­ver­let­zun­gen“ge­ahn­det. For­mal han­delt es sich um ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit; die Bu­ße setzt sich aus dem ge­setz­li­chen Höchst­be­trag von fünf Mil­lio­nen Eu­ro so­wie ei­ner Ab­schöp­fung wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le in Hö­he von 995 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sam­men, wie Volks­wa­gen ges­tern Abend mit­teil­te.

Der Au­to­bau­er ver­zich­tet dar­auf, Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen „und be­kennt sich da­mit zu sei­ner Ver­ant­wor­tung“. Das Geld muss laut Staats­an­walt­schaft in­ner­halb von sechs Wo­chen an das Land Nie­der­sach­sen ge­zahlt wer­den. Volks­wa­gen äu­ßer­te die Er­war­tung, „dass die Be­en­di­gung die­ses Ver­fah­rens auch er­heb­li­che po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf wei­te­re in Eu­ro­pa ge­gen die Volks­wa­gen AG und ih­re Kon­zern­ge­sell­schaf­ten ge­führ­te be­hörd­li­che Ver­fah­ren ha­ben wird“.

Un­ter an­de­rem lau­fen in Braun­schweig Er­mitt­lun­gen ge­gen frü­he­re und ak­tu­el­le Ma­na­ger – zum ei­nen we­gen des An­fangs­ver­dachts des Be­tru­ges, zum an­de­ren we­gen Markt­ma­ni­pu­la­ti­on. Anleger kla­gen au­ßer­dem auf Scha­den­er­satz in Mil­li­ar­den­hö­he, weil die VW-Ak­tie nach Be­kannt­wer­den des Skan­dals auf Tal­fahrt ging. Die Ma­na- ger sol­len die Fi­nanz­märk­te im Herbst 2015 zu spät über den Ab­gas­skan­dal in­for­miert ha­ben. Der Kon­zern be­ton­te stets, dies recht­zei­tig ge­tan zu ha­ben.

Nach den Er­geb­nis­sen der Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft ist es zu „Auf­sichts­pflicht­ver­let­zun­gen in der Ab­tei­lung Ag­gre­ga­te-Ent­wick­lung im Zu­sam­men­hang mit der Fahr­zeug­prü­fung“ge­kom­men, heißt es in der VWMit­tei­lung. Die­se sei­en laut Staats­an­walt­schaft „mit­ur­säch­lich“da­für, dass von Mit­te 2007 bis 2015 „ins­ge­samt 10,7 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge mit dem Die­sel­mo­tor der Ty­pen EA 288 (Gen3) in den USA und Ka­na­da so­wie EA 189 welt­weit mit ei­ner un­zu­läs­si­gen Soft­ware­funk­ti­on be­wor­ben, an Ab­neh­mer ver­äu­ßert und in den Ver­kehr ge­bracht wur­den“.

An­ders als in straf­recht­li­chen Ver­fah­ren, die sich nur ge­gen Per­so­nen rich­ten kön­nen, kann nach dem Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­ge­setz auch ein Un­ter­neh­men mit Geld­bu­ße be­legt wer­den, „wenn fest­ge­stellt wird, dass er­for­der­li­che Auf­sichts­maß­nah­men vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig un­ter­las­sen wor­den und da­durch straf­recht­lich re­le­van­te Pflicht­ver­let­zun­gen er­folgt sind“, heißt es in der Mit­tei­lung der Staats­an­walt­schaft. „Es han­delt sich um ei­ne der we­ni­gen Mög­lich­kei­ten nach deut­schem Recht, Un­ter­neh­men di­rekt für Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern mit Zah­lungs­pflich­ten in Form von Buß­gel­dern zu be­le­gen.“

Der Au­to­bau­er kün­dig­te an, ge­gen die Geld­bu­ße kei­ne Rechts­mit­tel ein­le­gen zu wol­len. „Volks­wa­gen be­kennt sich da­mit zu sei­ner Ver­ant­wor­tung für die Die­sel­kri­se und sieht dar­in ei­nen wei­te­ren we­sent­li­chen Schritt zu ih­rer Be­wäl­ti­gung.“

Im Sep­tem­ber 2015 hat­ten US-Be­hör­den Ab­gas­ma­ni­pu­la­tio­nen von Mil­lio­nen Die­sel­au­tos bei VW auf­ge­deckt. Volks­wa­gen hat­te nur mit Hil­fe ei­ner Schum­mel-Soft­ware Schad­stoff-Grenz­wer­te ein­ge­hal­ten. Der Kon­zern muss­te we­gen des Skan­dals in den USA Mil­li­ar­den an Stra­fen zah­len. Durch die Af­fä­re wur­de auch das Image des Die­sel schwer be­schä­digt.

Die­se Kri­se hält bis heu­te an. Die US-Jus­tiz­be­hör­den hat­ten zu­vor be­reits Straf­an­zei­gen ge­gen acht am­tie­ren­de und frü­he­re Mit­ar­bei­ter des VW-Kon­zerns ge­stellt. Zwei von ih­nen wur­den be­reits zu mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fen und ho­hen Geld­bu­ßen ver­ur­teilt.

Laut Staats­an­walt­schaft ist es zu Auf­sichts­pflicht­ver­let­zun­gen in der Ab­tei­lung Ag­gre­ga­te-Ent­wick­lung im Zu­sam­men­hang mit der Fahr­zeug­prü­fung ge­kom­men.

FO­TO: AR­CHIV

Ab­gas­un­ter­su­chung: Nun wird der Die­sel-Skan­dal auch in Deutsch­land teu­er für VW – mit ei­ner der höchs­ten Geld­bu­ßen, die hier­zu­lan­de je ge­gen ein Un­ter­neh­men ver­hängt wur­den.

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