Land ran­gelt um das Mil­li­ar­den-Buß­geld von Volks­wa­gen

Nie­der­sach­sen pro­fi­tiert al­lein von dem un­ver­hoff­ten Geld­se­gen – jetzt be­ginnt das Po­kern

Wolfsburger Allgemeine - - ERSTE SEITE - VON MICHA­EL B. BERGER

HAN­NO­VER/WOLFSBURG. Die von der Staats­an­walt­schaft Braun­schweig ge­gen Volks­wa­gen ver­häng­te Mil­li­ar­den­Geld­bu­ße wird voll dem Land Nie­der­sach­sen zu­gu­te­kom­men. Das er­klär­te der Spre­cher des Lan­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums, Kai Bern­hard, auf An­fra­ge die­ser Zei­tung. Das Geld flie­ße nicht in den Län­der­fi­nanz­aus­gleich – denn es fal­le nicht in den Be­reich der Steu­ern oder steu­er­ähn­li­chen Ab­ga­ben, die mit den an­de­ren Bun­des­län­dern ver­rech­net wer­den. Wo­für das Land den un­ver­hoff­ten Geld­se­gen ver­wen­den wird, steht al­ler­dings noch in den Ster­nen.

Man wer­de „im zeit­li­chen Rah­men mit den Haus­halts­be­ra­tun­gen ei­nen Vor­schlag ma­chen“, teil­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) am Don­ners­tag mit. Da­mit dürf­te die für den 24. Ju­ni ge­plan­te Haus­halts­klau­sur der Lan­des­re­gie­rung zum Mil­li­ar­den­Po­ker wer­den. Schon jetzt be­flü­gelt die un­ver­hoff­te Ein­nah­me die Fan­ta­sie von Lan­des­po­li­ti­kern und Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Als Ers­ter mel­de­te sich der Nie­der­säch­si­sche Rich­ter­bund. Des­sen Vor­sit­zen­der Frank Bor­ne­mann mein­te, die Jus­tiz ha­be mit der Ent­schei­dung der Braun­schwei­ger Staats­an­walt­schaft ih­ren Be­darf an zu­sätz­li­chen Stel­len gleich­sam selbst fi­nan­ziert.„Es gibt kein Ar­gu­ment mehr, war­um die Jus­tiz hin­sicht­lich der drin­gend er­for­der­li­chen Stel­len wei­ter kurz­ge­hal­ten wird.“Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag wa­ren 250 neue Stel­len für Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu­ge­sagt wor­den, al­ler­dings nur un­ter Fi­nan­zie­rungs­vor­be­halt.

Nach den Wor­ten des Rich­ter­bund­vor­sit­zen­den bräuch­te man da­für 25 Mil­lio­nen Eu­ro. Mit der Mil­li­ar­de kön­ne man ein sol­ches Pro­gramm 40 Jah­re fi­nan­zie­ren, mein­te Bor­ne­mann. Auch der jus­tiz­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP, Mar­co Gen­the, plä­dier­te für ei­ne Fi­nan­zie­rung neu­er Rich­ter­stel­len.

Doch noch ist gar nicht aus­ge­macht, was dem Land auf der an­de­ren Sei­te an Steu­ern ent­geht: Die Volks­wa­gen AG wird den „Ver­lust“durch die Mil­li­ar­den-Bu­ße wohl auch gel­tend ma­chen. Der Spre­cher der Braun­schwei­ger Staats­an­walt­schaft, Klaus Zie­he, hat am Don­ners­tag be­tont, die Sum­me der Geld­bu­ße sei sehr be­wusst ge­wählt wor­den. Sie sei sehr hoch – aber noch nicht so hoch, dass der VW­Kon­zern ver­ar­men wer­de. Dies wol­le man auch nicht, da dem Kon­zern noch et­li­che Zi­vil­kla­gen ins Haus stün­den.

Nach An­sicht des nie­der­säch­si­schen Steu­er­zah­ler­bun­des soll­te das Land sei­ne Schul­den til­gen. „Das Geld darf nicht zur Ma­nö­vrier­mas­se der Po­li­tik bei der Ver­tei­lung von Wohl­ta­ten wer­den“, mein­te Vor­sit­zen­der Bernd Zent­graf. Der Grü­nen-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den An­ja Piel schwe­ben da­ge­gen „mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen in die Mo­bi­li­täts­wen­de“vor. So soll­te man „Bus und Bahn deut­lich bes­ser auf­stel­len und das Rad­we­ge­netz aus­bau­en“.

FO­TO: DPA

Muss zah­len: Die VW-Zen­tra­le in Wolfsburg.

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