Gro­Ko will Ren­ten­zu­kunft si­chern

Was die Plä­ne für Rent­ner, Bei­trags- und Steu­er­zah­ler be­deu­ten – Ver­bes­se­run­gen für Müt­ter und Ge­ring­ver­die­ner

Wolfsburger Allgemeine - - POLITIK - VON RASMUS BUCHSTEINER

BER­LIN. Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) hat ein Mil­li­ar­den-Pa­ket vor­ge­stellt, das die Zu­kunft der Ren­te in Deutsch­land si­chern soll. Ziel sei es, neu­es Ver­trau­en zu schaf­fen, sag­te Heil am Frei­tag in Ber­lin. Es ge­he dar­um, die äl­ter wer­den­de Ge­sell­schaft zu­sam­men­zu­hal­ten und nicht zu­zu­las­sen, dass Ge­ne­ra­tio­nen ge­gen­ein­an­der aus­ge­spielt wür­den. „Ich ken­ne kei­ne Oma, die ih­rem En­kel die Zu­kunft ver­bau­en will, und ich ken­ne kei­nen En­kel, der sei­ner Oma nicht ei­ne or­dent­li­che Al­ters­ab­si­che­rung gönnt“, sag­te Heil. Was im Ein­zel­nen ge­plant ist:

Müt­ter­ren­te II: Ge­plant sind Ver­bes­se­run­gen für Vä­ter und Müt­ter mit min­des­tens drei vor 1992 ge­bo­re­nen Kin­dern. Das El­tern­teil, das die Be­treu­ung vor al­lem über­nom­men hat, be­kommt laut Ge­setz­ent­wurf ab 2019 pro Kind ein zu­sätz­li­ches Er­zie­hungs­jahr an­er­kannt – al­so ei­nen Ren­ten­punkt. Pro Kind wä­ren das ak­tu­ell 32,03 Eu­ro im Wes­ten und 30,69 Eu­ro im Os­ten mehr im Mo­nat. Al­ler­dings: Mi­nis­ter Heil kann sich auch ei­ne Al­ter­na­ti­ve vor­stel­len, bei der es ei­nen hal­ben Ren­ten­punkt für al­le be­güns­tig­ten El­tern­tei­le an­stel­le ei­nes gan­zen nur für die­je­ni­gen mit min­des­tens drei Kin­dern ge­ben wür­de. Das soll nun im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren ge­klärt wer­den.

Er­werbs­min­de­rungs­ren­te: Wer künf­tig aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den vor­zei­tig aus dem Job aus­schei­den muss, soll bes­ser­ge­stellt wer­den. Da­für wird die so­ge­nann­te Zu­rech­nungs­zeit ana­log zur stei­gen­den Re­gel­al­ters­gren­ze ver­län­gert. Das be­deu­tet: Die Ren­te Er­werbs­ge­min­der­ter wird so be­rech­net, als hät­ten sie wei­ter­ge­ar­bei­tet wie bis­her. Da­von pro­fi­tie­ren 170 000 Men­schen jähr­lich.

Ren­ten­ni­veau: Die­ser Wert be­zeich­net das Ver­hält­nis ei­ner Stan­dard­ren­te nach 45 Bei­trags­jah­ren zum Durch- schnitts­lohn. Bis 2025 soll er nicht un­ter 48 Pro­zent sin­ken, da­für will Heil die Ren­ten­an­pas­sungs­for­mel än­dern. Die­se „Halt­li­nie“wür­de nach ak­tu­el­len Pro­gno­sen im Jahr 2024 erst­mals grei­fen.

Ren­ten­bei­trag: Der Bei­trags­satz liegt ak­tu­ell bei 18,6 Pro­zent. An­ge­sichts der der­zeit noch vol­len Ren­ten­kas­se müss­te er ei­gent­lich zu Jah­res­be­ginn 2019 um 0,3 Pro­zent­punk­te ab­ge­senkt wer­den. Dar­auf will die Gro­Ko aber ver­zich­ten. Im Ge­setz fest­ge­schrie­ben wer­den soll ei­ne Ober­gren­ze von 20 Pro­zent für den Bei­trags­satz bis 2025.

Fi­nan­zie­rung des Ren­ten­pa­kets: Die Aus­ga­ben für die ge­plan­ten Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen sum­mie­ren sich auf 30 Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2025. Da­von wer­den 19 Mil­li­ar­den Eu­ro aus Bei­trags­mit­teln fi­nan­ziert, 11 Mil­li­ar­den Eu­ro aus Steu­er­mit­teln. Größ­ter Aus­ga­ben­pos­ten ist die Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te mit jähr­li­chen Mehr­kos­ten von et­wa 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Laut Ge­setz soll deut­lich mehr Steu­er­geld ins Sys­tem flie­ßen – un­ter an­de­rem über ei­nen „De­mo­gra­fie­fonds“im Bun­des­haus­halt, der von 2021 bis 2024 mit jähr­lich 2 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­ge­füllt wer­den soll.

Ge­ring­ver­die­ner-Ent­las­tung: Ar­beit­neh­mer mit klei­nen Ein­kom­men sol­len künf­tig we­ni­ger So­zi­al­ab­ga­ben zah­len müs­sen. Dies gilt bis zu ei­ner Gren­ze von 1300 Eu­ro Ein­kom­men. Laut Ar­beits­mi­nis­te­ri­um pro­fi­tie­ren von die­ser Re­ge­lung drei Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te. Ein Ar­beit­neh­mer mit Be­zü­gen von 850 Eu­ro mo­nat­lich hät­te da­durch pro Jahr 270 Eu­ro mehr..

FO­TO: DPA

„Ich ken­ne kei­ne Oma, die ih­rem En­kel die Zu­kunft ver­bau­en will, und ich ken­ne kei­nen En­kel, der sei­ner Oma nicht ei­ne or­dent­li­che Al­ters­ab­si­che­rung gönnt“: Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD).

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