Nie­der­sach­sens Be­völ­ke­rung wächst im sechs­ten Jahr in Fol­ge

Die Wirt­schaft läuft gut, die Ar­beits­lo­sig­keit geht zu­rück. Doch nicht al­le ha­ben et­was da­von

Wolfsburger Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - VON DO­RIS HEI­MANN

HAN­NO­VER. Nie­der­sach­sens Be­völ­ke­rung ist im sechs­ten Jahr in Fol­ge ge­wach­sen und steu­ert auf die Acht-Mil­lio­nen-Mar­ke zu. En­de des Jah­res 2017 leb­ten gut 7,96 Mil­lio­nen Men­schen in Nie­der­sach­sen, das wa­ren 17090 Män­ner, Frau­en und Kin­der mehr als im Vor­jahr. „Der Be­völ­ke­rungs­ge­winn ist aus­schließ­lich mit der Zu­wan­de­rung aus dem Aus­land be­grün­det, denn es gibt wei­ter­hin ein Ge­bur­ten­de­fi­zit“, sag­te die Prä­si­den­tin des Lan­des­am­tes für Sta­tis­tik, Si­mo­ne Leh­mann, am Frei­tag in Han­no­ver bei der Vor­stel­lung des Nie­der­sach­sen-Mo­ni­tors. Die Wirt­schaft und der Ar­beits­markt ha­ben sich den sta­tis­ti­schen Er­he­bun­gen zu­fol­ge gut ent­wi­ckelt. Den­noch stieg die Zahl der Men­schen, die Ar­beits­lo­sen­geld II oder So­zi­al­hil­fe emp­fin­gen.

Zu­wan­de­rung: In Nie­der­sach­sen leb­ten 2017 laut Sta­tis­tik rund 713 000 Aus­län­der. Ihr An­teil an der Ge­samt­be­völ­ke­rung lag mit 9 Pro­zent deut­lich un­ter dem Durch­schnitt in den west­deut­schen Bun­des­län­dern (12,7 Pro­zent). Die Zahl der Ein­bür­ge­run­gen in Nie­der­sach­sen stieg das drit­te Jahr in Fol­ge und lag bei 8785 Per­so­nen. Von ih­nen stell­ten Men­schen mit tür­ki­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit die größ­te Grup­pe (1208), ge­folgt von den Bri­ten (295), de­ren Zahl sich im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­dop­pel­te. „Ein Zu­sam­men­hang mit dem Br­ex­it liegt na­he“,sag­te Leh­mann.

Wirt­schaft und Ar­beits­markt: Die Wirt­schaft Nie­der­sach­sens wuchs 2017 preis­be­rei­nigt um 2,5 Pro­zent und da­mit stär­ker als im Bun­des­durch­schnitt (2,2 Pro­zent). Von der wach­sen­den Wirt­schaft pro­fi­tier­te der Ar­beits­markt. Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen er­reich­te mit 4,07 Mil­lio­nen er­neut ei­nen Höchst­stand, sie stieg im Ver­gleich zum Vor­jahr um 1,4 Pro­zent. Gleich­zei­tig fiel die Ar­beits­lo­sen­quo­te leicht, sie be­trug am En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res 5,8 Pro­zent. „Das ist der nied­rigs­te Wert seit den Neun­zi­ger­jah­ren“, sag­te Leh­mann. Im ers­ten Halb­jahr 2018 setz­te sich der po­si­ti­ve Trend fort, die Ar­beits­lo­sig­keit sank auf 5,1 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Vor zehn Jah­ren kämpf­te Nie­der­sach­sen mit ei­ner Ar­beits­lo­sen­quo­te von 8,8 Pro­zent.

Gleich­be­rech­ti­gung: Auf dem nie­der­säch­si­schen Ar­beits­markt kommt die Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en nur lang­sam vor­an. Von 20 Per­so­nen mit Mi­ni­jobs wa­ren sta­tis­tisch ge­se­hen 13 Frau­en und sie­ben Män­ner. Bei der Teil­zeit­ar­beit bleibt der Frau­en­an­teil 2017 mit 80 Pro­zent un­ver­än­dert und liegt wei­ter über dem bun­des­wei­ten Durch­schnitt (77,3 Pro­zent). Ge­nau wie im Vor­jahr ver­die­nen Frau­en in Nie­der­sach­sen im Durch­schnitt 20 Pro­zent we­ni­ger als Män­ner.

Ar­muts­ge­fähr­dung: Die Quo­te der von Ar­mut be­droh­ten Men­schen ging im ver­gan­ge­nen Jahr leicht zu­rück. Als ar­muts­ge­fähr­det gel­ten Men­schen, die mit we­ni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren Ein­kom­mens aus­kom­men müs­sen. Die Quo­te lag 2017 bei 15,8 Pro­zent und da­mit 0,2 Pro­zent­punk­te un­ter dem Spit­zen­wert von 2016. Auf­fäl­lig in Nie­der­sach­sen ist, dass die Ar­muts­ge­fähr­dungs­quo­te bei Aus­län­dern bei 41,0 Pro­zent lag – deut­lich über der bun­des­deut­schen Quo­te (36,2 Pro­zent). Auch Ar­beits­lo­se (55,9 Pro­zent) und Al­lein­er­zie­hen­de (42,1 Pro­zent) ha­ben ein ho­hes Ri­si­ko, in die Ar­mut ab­zu­glei­ten. Trotz gu­ter Kon­junk­tur er­höh­te sich die Zahl der Men­schen in Haus­hal­ten, die 2017 Ar­beits­lo­sen­geld oder So­zi­al­hil­fe er­hiel­ten, um 0,9 Pro­zent auf knapp 608 000 Per­so­nen.

Fa­mi­lie: In Nie­der­sach­sen gin­gen im ver­gan­ge­nen Jahr 30,4 Pro­zent der drei- bis sechs­jäh­ri­gen Kin­der ganz­tä­gig in ei­nen Kin­der­gar­ten. Zwar hat sich das Land da­mit seit 2012, als der Wert noch bei 19 Pro­zent lag, enorm ge­stei­gert. Bun­des­weit liegt es je­doch an vor­letz­ter Stel­le. Beim Spit­zen­rei­ter Thü­rin­gen er­reich­te die Ganz­ta­ges­be­treu­ung ei­ne Quo­te von 91,8 Pro­zent. Seit dem 1. Au­gust 2018 kön­nen El­tern in Nie­der­sach­sen ih­ren Nach­wuchs bis zu acht Stun­den am Tag ge­büh­ren­frei in ei­ner Ki­ta be­treu­en las­sen. Das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt geht da­von aus, dass die Ganz­ta­gesquo­te da­durch in den kom­men­den Jah­ren stei­gen wird.

FO­TO: JU­LI­AN STRATENSCHULTE/DPA

Die Be­völ­ke­rung wächst: Nie­der­sach­sen könn­te bald die Acht-Mil­lio­nen-Mar­ke kna­cken.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.