Letz­te Chan­ce für die Bahn­spit­ze

Sa­nie­rungs­kon­zept sieht auch Un­ter­neh­mens­ver­käu­fe vor

Wolfsburger Allgemeine - - WIRTSCHAFT - VON CHRISTIAN BURMEISTER

BER­LIN. Bahn­chef Richard Lutz plant ei­nen gro­ßen Um­bau des Kon­zerns, um das Ver­trau­en der Kun­den zu­rück­zu­ge­win­nen. Am Di­ens­tag soll er sei­ne „Agen­da für ei­ne bes­se­re Bahn“bei Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) vor­stel­len. Nach Über­zeu­gung der Ge­werk­schaft EVG muss es ei­nen ra­di­ka­len Um­bau ge­ben. „Die DB AG wird in der heu­ti­gen Form nicht über­le­bens­fä­hig sein“, sag­te der EVG-Vor­sit­zen­de Alex­an­der Kirch­ner am Wo­che­n­en­de. Er ist auch stell­ver­tre­ten­der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Deut­sche Bahn AG. „Nach mei­ner Ein­schät­zung brau­chen wir ei­ne Bahn­re­form 2.“

Die Kon­zern­spit­ze hat ei­ne scho­nungs­lo­se Ana­ly­se ver­spro­chen. Ihr Plan sieht nach ei­nem Be­richt der „Süd­deut­schen Zei­tung“auch den Ver­kauf ei­ner gro­ßen Aus­land­s­toch­ter vor. Die Tren­nung von der bri­ti­schen Ar­ri­va könn­te dem­nach meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro brin­gen, um den ho­hen Schul­den­berg der Bahn ab­zu­bau­en. Im Ver­gleich zu 1994, dem Jahr der ers­ten gro­ßen Re­form, hat die Bahn viel Ge­schäft da­zu­ge­won­nen: Die Pas­sa­gie­re leg­ten 2018 mehr als 1,3 Mil­li­ar­den Ki­lo­me­ter zu­rück – 40 Pro­zent mehr als 1994. Al­ler­dings ist das Schie­nen­netz gleich­zei­tig ge­schrumpft, es fehlt an Zü­gen und Per­so­nal, Ver­spä­tun­gen sind ein Dau­er­pro­blem. Über Jah­re plan­te die Bahn nicht nach Be­darf, son­dern nach dem an­ge­peil­ten Ge­winn. Da­zu kom­men „zu vie­le Un­ter­neh­mens­ein­hei­ten mit Si­lo­den­ken und ei­nem zu gro­ßen Was­ser­kopf“, sagt Kirch­ner.

Be­reits 2014 hat­te die Bun­des­re­gie­rung dem Staats­kon­zern 2,4 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Ver­fü­gung ge­stellt, aber ge­än­dert hat sich nur we­nig. Nun soll ein Ar­ri­va-Ver­kauf bis zu vier Mil­li­ar­den Eu­ro in die Kas­se brin­gen. Doch da­mit gä­be der Kon­zern nicht nur ei­ne der we­ni­gen ge­winn­träch­ti­gen Töch­ter auf, son­dern wür­de sich auch aus dem Re­gio­nal­ver­kehr in vie­len eu­ro­päi­schen Län­dern ver­ab­schie­den.

Scheu­er hat dem Bahn­vor­stand in­tern noch ei­ne Schon­frist bis zum Som­mer zu­ge­stan­den. Bis da­hin, so heißt es im Mi­nis­te­ri­um, müs­se die Bahn bes­se­re Zahlen lie­fern. Sonst wer­de es per­so­nel­le Kon­se­quen­zen ge­ben.

Der „Bild am Sonn­tag“zu­fol­ge soll In­fra­struk­tur­vor­stand Ro­nald Po­fal­la als kon­zern­über­grei­fen­der Kri­sen­ma­na­ger al­le Maß­nah­men ko­or­di­nie­ren und bis zum Som­mer die Pro­ble­me in den Griff be­kom­men. Dar­auf hät­ten sich Lutz und der ehe­ma­li­ge Kanz­ler­amts­chef Po­fal­la ge­ei­nigt. Doch der Ge­werk­schafts­vor­sit­zen­de Kirch­ner glaubt nicht an ei­ne ra­sche Wen­de zum Gu­ten: „Der Zu­stand der Bahn ist ka­ta­stro­phal. Das Pro­blem lässt sich nicht schnell lö­sen.“

FO­TO: STACHE/DPA

Bahn­chef Richard Lutz muss zum Rap­port ins Mi­nis­te­ri­um.

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