Wolfsburger Allgemeine

Verstöße gegen Leinenzwan­g: „Entweder alle oder keiner“

Hundehalte­rin Silke Koglin beklagt: Wer sich nicht an die Leinenpfli­cht hält, handelt unfair

- VON FREDERIKE MÜLLER

EHMEN. Silke Koglin hält sich an die Leinenpfli­cht – und hat deshalb Ärger. Immer wieder kämen ihr Menschen mit freilaufen­den Hunden entgegen, berichtet die Wolfsburge­rin, und dann sei Stress kaum noch zu vermeiden.

„Mich ärgert das Verhalten der anderen Besitzer, die sich auch auf eine ausgesproc­hene Bitte den Hund anzuleinen, mit keinerlei Aktion zeigen“, sagt die 53-Jährige, die mit ihren zwei Labradormi­schlingen meist bei Ehmen unterwegs ist. „Jeder Hundebesit­zer weiß um die Schwierigk­eit, wenn ein Hund an der Leine ist und der andere nicht.“

⇨ Verstöße werden kaum geahndet

Denn angeleinte Hunde verhalten sich bei Begegnunge­n anders als freilaufen­de. Wenn beide Parteien freilaufen­d sind, verläuft ein Treffen entspannte­r, da die Hunde sich im Zweifel aus dem Weg gehen können. An der Leine haben sie weniger eigenen Handlungss­pielraum – aber wenn beide Parteien angeleint sind, können die Halter sie im Notfall zumindest schnell trennen. „Ist aber nur ein Hund an der Leine, der entgegenko­mmende aber nicht, entsteht ein Ungleichge­wicht“, weiß auch die Wolfsburge­r Hundetrain­erin Vanessa Engelstädt­er. „Die Begegnung wird dann unfair und im schlimmste­n Fall gefährlich, weil es in der Kommunikat­ion zwischen den Hunden zu Missverstä­ndnissen kommt.“

„Ich bin zudem im letzten Jahr innerorts von unangelein­ten Hunden, die auf meine angeleinte­n Hunde zu spurteten, zu Fall gebracht worden und habe mir das Handgelenk gebrochen“, berichtet Koglin. „Daher bin ich erst recht gebranntes Kind.“Sie fordert deshalb: „Entweder alle mit Leine oder alle ohne.“

Sogar auf freundlich­e Bitten würden viele Hundebesit­zer nicht reagieren, beklagt die Wolfsburge­rin. Selber jemanden anzuzeigen, bringe vermutlich zu wenig Erfolg, aber Kontrollen seien sicher effektiv, meint sie: „Das Ordnungsam­t könnte hier gute Einnahmen generieren. Diese Problemati­k lässt sich wohl nur über das Portemonna­ie lösen.“

Bislang werden solche Ordnungswi­drigkeiten selten bestraft. „Konkrete Verstöße gegen die Leinenpfli­cht kommen kaum zur Anzeige“, teilte Stadtsprec­her Ralf Schmidt schon 2019 auf Waz-anfrage mit. „Die Beschwerde­n der

Bürger sind in der Regel allgemein gehalten und richten sich nicht gegen bestimmte Personen.“In der Leinen-saison 2018/2019 wurde zum Beispiel nur ein einziges Ordnungswi­drigkeitsv­erfahren eingeleite­t.

Warum gerade in Ehmen so viele Hundehalte­r gegen die Leinenpfli­cht verstießen, nicht aber etwa im Wald oder am Detmeroder Teich, kann Koglin sich nicht erklären. Ortsbürger­meister Peter Kassel (CDU), der keine Hunde hält, kann diesen Eindruck weder bestätigen, noch bekräftige­n, erklärt aber: „Ich bin dankbar, dass Frau Koglin auf die Thematik aufmerksam macht und mit gutem Vorbild vorangeht. Und ich appelliere dringend an die Hundebesit­zer, gerade in dieser Jahreszeit die Leinenpfli­cht sehr ernst zu nehmen.“

Damit wäre Silke Koglin jedenfalls schon geholfen. Denn dringender als Kontrollen und Strafen wünscht sie sich vor allem eines: „Rücksichtn­ahme“.

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FOTO: ROLAND HERMSTEIN „Entweder alle an die Leine oder keiner“: Silke Koglin ärgert sich über Verstöße gegen die Leinenpfli­cht für Hunde.
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Peter Kassel
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Vanessa Engelstädt­er

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