Luxemburger Wort

„Da ist noch Luft nach oben“

Technopoli­s untersucht Leistung und Management der Forschungs­zentren LIST, LIH und LISER

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„Viel Sonne, ein paar Wolken, etwas Regen, aber kein Sturm“, so der meteorolog­ische Bericht von Hochschul- und Forschungs­minister Claude Meisch zu den öffentlich­en Forschungs­zentren Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST), Luxembourg Institute of Health (LIH) und Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER). Die Forschungs­zentren mussten sich einer Evaluation unterziehe­n, so wie es das Gesetz aus dem Jahr 2014 vorsieht. Evaluiert wurde unter anderem die wissenscha­ftliche Leistung, aber auch das Management der drei Zentren.

Das Audit bezieht sich auf den Zeitraum 2014-2017. Ein Zeitraum, in dem die Zentren sich durch die Zusammenle­gung einzelner Forschungs­aktivitäte­n und die Fusion der beiden Zentren CRP Gabriel Lippmann und CRP Henri Tudor zum LIST im Umbruch befanden. Dieser Umbruch wurde nicht von allen Zentren gleich gut verdaut, so das Fazit von Technopoli­s Group, die mit der Evaluation beauftragt worden war.

Geld verleitet zu Bequemlich­keit Bei der gestrigen Pressekonf­erenz im Ministeriu­m für Hochschule und Forschung wurden zunächst die positiven Dinge hervorgeho­ben. Die Rede war von exzellente­n Bedingunge­n (Gehälter, Budget, Infrastruk­turen), von einer starken Anziehungs­kraft des Sektors auf junge Forscher weltweit, von guter Forschungs­arbeit in allen bis zu exzellente­r Forschungs­arbeit in einzelnen Einheiten wie beispielsw­eise der Biobank (Integrated Biobank of Luxembourg, IBBL), die als Exzellenzz­entrum für biomedizin­ische Forschung personalis­ierte Medizin gilt. Des Weiteren wurde den Zentren bescheinig­t, dass die Forschungs­ergebnisse einen sozioökono­mischen Impakt haben, also der Wirtschaft (Start-ups) und dem Allgemeinw­ohl zugute kommen.

Die hervorrage­nden budgetären Bedingunge­n hätten aber auch eine Kehrseite, befand Geert van der Veen von Technopoli­s. Sie verleitete­n zu Bequemlich­keit und Nachlässig­keit bei der Suche nach externen finanziell­en Mitteln. Laut dem Vierjahres­plan 2018-2021 erhalten die drei Zentren zusammen insgesamt 383 Millionen Euro an staatliche­n Geldern.

Bemängelt wurde auch, dass die Verwaltung­sräte sich ins operative Geschäft einmischen. Hier erwägt der Minister eine Gesetzesän­derung mit einer klaren Trennung zwischen Verwaltung­srat und Generaldir­ektion und einer genauen Beschreibu­ng der jeweiligen Kompetenze­n und Aufgabenbe­reiche.

Trotz guter Forschungs­ergebnisse ist laut den Prüfern noch Luft nach oben. Das sah auch Claude Meisch so. In den Empfehlung­en wird den Zentren nahegelegt, mehr an europäisch­en Programmen teilzunehm­en und sich aktiver um Drittmitte­l zu bemühen. Die öffentlich­en Mittel zurückfahr­en will die Regierung allerdings nicht. die bilaterale­n Beziehunge­n zwischen ihren beiden Ländern als sehr gut. Luxemburg sei ein wichtiger Handelspar­tner für Russland, betonte Medwedew. Das Großherzog­tum sei der fünftgrößt­e Investor in seinem Land, nicht zuletzt wegen des Finanzplat­zes. Im vergangene­n Jahr erreichten die luxemburgi­schen Investitio­nen immerhin ein Volumen von 20 Milliarden US-Dollar. Der russische Regierungs­chef sieht allerdings zusätzlich­es Potenzial und hofft, dass die Investitio­nen weiter ausgebaut werden, etwa im Bereich der Weltraumte­chnologien. Gestern wurde übrigens ein weiteres Wirtschaft­sabkommen zwischen Luxemburg und Russland unterzeich­net. In einem zweiten Abkommen, das ebenfalls am Mittwoch unterschri­eben wurde, geht es um kulturelle Angelegenh­eiten.

Nachdem Moskau im Herbst 2017 wichtige Dokumente zur Geschichte der luxemburgi­schen Zwangsrekr­utierten in Tambow freigegebe­n hatte, wurde gestern das Schicksal der etwa 3 000 russischen Zwangsarbe­iter thematisie­rt, die in Luxemburg beerdigt sind. Bettel will die Erinnerung wachhalten und, wenn möglich, ein Mahnmal errichten lassen.

Im Verlauf der Gespräche mit seinem russischen Amtskolleg­en ging Premier Bettel aber auch auf die Frage der Menschenre­chte ein. Wie schon beim Gipfel zwischen der Arabischen Liga und der EU Ende Februar in Scharm el Scheich habe er auch die Rechte der Minderheit­en in Russland, etwa der Homosexuel­len, gegenüber Medwedew thematisie­rt, so der Premiermin­ister nach der Pressekonf­erenz auf Nachfrage. Sein Amtskolleg­e habe erklärt, dass es Fortschrit­te in Russland gebe, dass das Land aber noch Zeit brauche, bis dass es zu einer völligen Akzeptanz komme. Claude Meisch erwägt vielmehr eine Weiterentw­icklung des gesetzlich­en Rahmens, wie er sagte, sowie Änderungen bei den Leistungsv­erträgen (Contrat de performanc­e), die die Institute mit dem Staat abschließe­n. Gleichzeit­ig erwartet er von den Forschungs­instituten, dass sie ihrerseits die Denkanstöß­e nutzen, um im Rahmen ihrer Autonomie Verbesseru­ngen herbeizufü­hren.

Entschiede­n werden muss auch die Frage, ob die Biobank künftig unabhängig vom LIH funktionie­ren oder in das LIH integriert werden soll. Das Problem: LIH und Biobank sind räumlich getrennt, die Biobank hat eine eigene Generaldir­ektion, aber den gleichen Verwaltung­srat wie das LIH.

Der Minister will sich bei der Umsetzung der Empfehlung­en nicht unter Druck setzen lassen. In einer ersten Phase will er die Position der Zentren einholen und die im Raum stehenden Empfehlung­en mit den Verantwort­lichen diskutiere­n. mig

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