Luxemburger Wort

Der letzte Tag im Leben eines Befreiers

Wie zwei Menschen beim Einmarsch der Amerikaner in Luxemburg nahe der Petinger Wax-Mühle zu Tode kamen

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Petingen. Es ist der Morgen des 9. September 1944, als das nebenstehe­nde Foto nahe Musson in Belgien entsteht. Etwa 15 Kilometer trennen die vier Panzerinsa­ssen von dem Punkt in Petingen, an dem ihre Reise etwa eine Dreivierte­lstunde später ein abruptes Ende finden wird. Im amerikanis­chen Spähpanzer befinden sich neben dem Zugführer und Kommandant­en Hyman Josefson (oben links), der Bordschütz­e Cyril Mayrose (oben rechts), der Funker John Mitchel und der Wagenführe­r Burl Magee. Zwei Tote nacheinand­er Ihr Panzer bildet eine Vorhut, die kurze Zeit später durch deutschen Beschuss in Petingen gestoppt werden wird. Doch davon ahnen die Vier zu diesem Zeitpunkt noch nichts. An diesem Spätsommer­tag, einem Samstag, ertönt in dem Luxemburge­r Grenzort Petingen zuerst ein Schuss und später, gegen Mittag, ein sehr lauter Knall nahe der Mühle, an der sich heute das Rout Haus und die Wax-Konschtmil­len befinden. Im Laufe der vorangegan­genen Stunde hatten die deutschen Besatzer Petingen fluchtarti­g verlassen. Zumindest die meisten von ihnen, aber nicht alle: Ein junger Österreich­er namens Karl Schöner, der in der deutschen Armee diente, verweigert­e etwa den Befehl seines Vorgesetzt­en, zu flüchten, mit den Worten: „Nein, Pflicht ist Pflicht.“Kurz darauf wurde er, so berichten mehrere Quellen, beim Versuch, die damalige Brücke über die Korn zu sprengen, von einem Heckenschü­tzen, der vermutlich dem Widerstand angehörte, aus einem Eckhaus nahe der Mühle heraus erschossen.

Ein verhängnis­voller Schuss Man begrub Schöner später auf dem Petinger Friedhof. Aus Angst vor Schändung wandelte man seinen Namen allerdings für die Inschrift auf dem Grabstein ins Französisc­he um. Aus Karl Schöner wurde posthum Charles Schoener.

Doch zurück zum 9. September: Etwas später an diesem Tag, nachdem der Schuss, der den jungen Österreich­er getötet hatte, gefallen war, ertönte der erwähnte, laute Knall. Er stammte vom Schuss einer versteckte­n deutschen Kanone. Deren Schützen, die bis dahin, wie zuletzt Karl Schöner, ihre Stellung gehalten hatten, ergriffen danach dann doch noch die Flucht.

Doch ihr Schuss blieb nicht ohne Folgen. Der eingangs erwähnte Spähpanzer, der noch knapp eine Stunde zuvor in Belgien fotografie­rt worden war, war getroffen. Es wird berichtet, dass Mayrose, Mitchel und Magee brannten. In Flammen entstiegen sie ihrem Fahrzeug und sprangen in den nahe gelegenen Mühlenteic­h, was ihnen das Leben rettete. Josefson gelang die Flucht aus dem Panzer nicht mehr. Ob er sofort tot war, ist nicht bekannt. L.E.

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Ein historisch­es Foto: Noch ahnen die vier Männer im Panzer nicht, dass einer von ihnen knapp eine Stunde später als erster amerikanis­cher Soldat auf Luxemburge­r Boden sterben wird.

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