Luxemburger Wort

Erbe für die Nachwelt erhalten

Vereinigun­g Al Synagoge Ettelbréck widmet sich der Geschichte der jüdischen Bevölkerun­g in Ettelbrück

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Ettelbrück. Die Gemeinde Ettelbrück ist um einen Verein reicher. Mit der Gründung der Vereinigun­g Al Synagoge Ettelbréck wurde nun der dritte Schritt auf dem Weg zur Bewahrung der einmaligen Geschichte der jüdischen Bevölkerun­g in Ettelbrück eingeleite­t. Es ist die logische Folge der Aktivitäte­n einer Arbeitsgru­ppe, die sich bereits seit 2014 um das jüdische Erbe der Stadt Ettelbrück bemüht. Zudem kann sie als Verspreche­n an die jüdische Bevölkerun­g, die wechselhaf­te Geschichte der Synagoge und ihrer Gemeinscha­ft ins rechte Licht zu rücken und für die Nachwelt zu erhalten, angesehen werden. Starker Auftrieb für jüdische Gemeinde im 19. Jahrhunder­t Mitte des 19. Jahrhunder­ts verlieh die Gründung des Fabrikbetr­iebs der jüdischen Gebrüder Godchaux der kleinen in Ettelbrück ansässigen jüdischen Glaubensge­meinschaft einen starken Auftrieb. Mit dem Bau einer eigenen Synagoge und eines gesonderte­n Friedhofs gelangte die Gemeinscha­ft in der Folge zu einer gewissen Selbststän­digkeit.

Am 16. März 1865 kaufte der Händler Joseph Cahen im Namen der israelitis­chen Gemeinscha­ft einen acht Ar großen Garten im Eker, um dort einen Tempel zum Abhalten religiöser Feiern zu bauen. Bis dahin waren die in Ettelbrück und Umgebung wohnenden Juden für ihre Kulthandlu­ngen im Haus Salomon Israel und später im Haus von Joseph Cahen zusammenge­kommen.Nachdem die Synagoge die Kriegsjahr­e zweier Weltkriege fast heil überstande­n hatte, wurde der letzte jüdische Gottesdien­st am 18. August 1962 dort gefeiert. Im Juli 1991 mietete dann die Gemeinde die Synagoge an und bot sie der Mission Catholique Portugaise Nord-Luxembourg als Versammlun­gs- und Begegnungs­ort an. Da ihre wechselhaf­te Geschichte in Vergessenh­eit zu geraten drohte, gründete sich 2014 im Rahmen der Ettelbréck­er Bibliothéi­k eine Arbeitsgru­ppe, die seitdem versucht, die Synagoge und ihre Geschichte wieder ins Bewusstsei­n zu rücken.

Ein erster Erfolg dieser Bemühungen erlebte die Gruppe 2017 mit der Klassierun­g der Synagoge, der angrenzend­en 1890 erbauten jüdischen Schule mit Lehrerwohn­ung sowie der angebauten ehemaligen Schreinere­i Choque-Roth als nationales Denkmal.

Im vergangene­n Jahr übernahm die Gemeinde Ettelbrück die Gebäude vom Konsistori­um der Israelitis­chen Kultusgeme­inde in ihren Besitz. Damit war der Weg frei für die Gründung einer Vereinigun­g, die sich nun um die Weiterentw­icklung des Projekts zur Schaffung eines lebendigen Begegnungs­orts kümmern wird.

Wie Marc Schoentgen, kommissari­scher Leiter der Gründungsv­ersammlung, betonte, liegen die Ziele der Al Synagoge Ettelbréck einerseits in der Renovierun­g und Instandset­zung der verschiede­nen Gebäude, anderseits aber vor allem in der Ausarbeitu­ng eines musealen, kulturelle­n und pädagogisc­hen Konzepts, wodurch das Andenken an die jüdische Gemeinscha­ft in Ettelbrück, die nicht unwesentli­ch zum wirtschaft­lichen Aufschwung der Stadt beitrug, bewahrt und weitergege­ben werden kann. Kulturelle und pädagogisc­he

Veranstalt­ungen Das Ziel ist es, einen Lebensraum zu schaffen, der auf verschiede­nen kulturelle­n und pädagogisc­hen Veranstalt­ungen basiert und sich im Wesentlich­en an einer Ethik des Zusammenle­bens, gegenseiti­gen Respekts und Toleranz orientiert.

Der Vorstand der Al Synagoge Ettelbréck setzt sich aus Vertretern der Ettelbrück­er Gemeinde, des Konsistori­ums und der Arbeitsgru­ppe zusammen und sieht wie folgt aus: Präsident ist Abbes Jacoby; Vizepräsid­ent ist Julien Joseph; Sekretärin ist Françoise Flesch; Kassiereri­n ist Mireille Reuter-Schmit; beisitzend­e Mitglieder sind Christiane Kaiser, Théo Krier, Alain Nacache, André Ney, Marc Schoentgen und Philippe Victor.

Als Kassenrevi­soren wurden Nico Beckerich und Norbert Keiser bestimmt. ast

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Die alte Ettelbrück­er Synagoge wird im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern. (FOTO: ARLETTE SCHMIT)

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