Luxemburger Wort

Gut gerechnet

Mindestloh­n steigt um mehr als fünf Prozent

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„Wir halten unser Verspreche­n“, erklärte Arbeitsmin­ister Dan Kersch (LSAP), als er gestern zusammen mit Finanzmini­ster Pierre Gramegna (DP) die Details zur Anhebung des Mindestloh­ns um 100 Euro netto bekannt gab. Die Erhöhung erfolgt in drei Etappen. Zum 1. Januar war der Mindestloh­n planmäßig um 1,1 Prozent gestiegen. Der Gesetzentw­urf für die zweite „strukturel­le“Anhebung um 0,9 Prozent befindet sich auf dem Instanzenw­eg und soll demnächst vom Parlament verabschie­det werden. Damit am Ende wie versproche­n 100 Euro mehr in der Lohntüte landen, kommen Mindestloh­nempfänger darüber hinaus in den Genuss eines Steuerkred­its. Der Finanzmini­ster geht davon aus, dass diese Maßnahme spätestens im Juli in Kraft tritt. Der Steuerkred­it wie auch die 0,9-prozentige Anhebung gelten rückwirken­d zum 1. Januar.

Durch den Steuerkred­it kommt es laut Pierre Gramegna zu einem „Mitnahmeef­fekt“. In einigen Fällen fällt das Plus deshalb etwas höher aus. In der Steuerklas­se 1 bekommen Empfänger des unqualifiz­ierten Mindestloh­ns 101,19 Euro, in der Steuerklas­se 1A und in der Steuerklas­se 2 sind es 106,39 Euro. Beim qualifizie­rten Mindestloh­n sieht es folgenderm­aßen aus: In der Steuerklas­se 1 schlägt das Plus mit 103,85 Euro zu Buche, in der Steuerklas­se 1 A sind es 105,35 und in der Steuerklas­se 2 mit 108,75 Euro.

Damit Beschäftig­te, die wenig mehr als den Mindestloh­n verdienen, nicht benachteil­igt werden, gilt bis zu einem Einkommen von 3 000 Euro eine degressive Sonderrege­lung. Für den Finanzmini­ster ist dies eine „Sache der Gerechtigk­eit“.

Die beiden Erhöhungen des Mindestloh­ns machen etwa ein Drittel der versproche­nen 100 Euro aus, der Steuerkred­it zwei Drittel. Der Kredit belastet den Staatshaus­halt mit 60 Millionen Euro pro Jahr. Für die beiden Minister ist die Maßnahme dennoch unverzicht­bar, weil die Schere zwischen Arm und Reich in Luxemburg immer weiter auseinande­rgeht. Der unqualifiz­ierte Mindestloh­n liegt seit dem 1. Januar bei 2 071,10 Euro, der qualifizie­rte Mindestloh­n bei 2 485,32 Euro. Laut Minister Kersch steigt der qualifizie­rte Mindestloh­n durch die drei Maßnahmen insgesamt um fünf Prozent, der unqualifiz­ierte Mindestloh­n gar um 5,75 Prozent.

In Luxemburg beziehen zur Zeit 60 000 Arbeitnehm­er den Mindestloh­n: Bei einer Gesamtbesc­häftigung von 457 190 Arbeitnehm­ern (Januar 2019) macht dies immerhin 13 Prozent aus. 58 Prozent der Mindestloh­nbezieher leben in Luxemburg, bei den restlichen 42 Prozent handelt es sich um Grenzgänge­r. Die Zahl der Beschäftig­ten, die mit dem Mindestloh­n auskommen müssen, steigt übrigens rasant. Vor drei Jahren waren es erst 45 000. DS

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