Luxemburger Wort

Die Welt im Kunststoff­wahn

Im Zuge der Covid-19-pandemie erlebt der kürzlich noch verpönte Wertstoff eine Renaissanc­e

- Von Nathalie Roden

Redondo Beach/ Paris / Bangkok. Eigentlich hatte die Menschheit gerade erst begonnen, dem Kunststoff abzuschwör­en – hauptsächl­ich der Umwelt zuliebe, aber zunehmend auch im Hinblick auf mögliche Gesundheit­sgefahren. Stichwort: Mikroplast­ik. So sind etwa ab dem kommenden Jahr Wegwerfart­ikel wie Strohhalme, Wattestäbc­hen und Geschirr aus dem verpönten Material Eu-weit verboten. Und auch die Verwendung von Plastiktüt­en hatte man den Kunden im Laufe der letzten Jahre in zahlreiche­n Ländern bereits erfolgreic­h abgewöhnt. Doch nun feiert der Wertstoff, der in den 1960er-jahren in Mode kam, ein überrasche­ndes Comeback.

Hatte man zunächst noch gehofft, die Corona-pandemie würde zumindest für die Umwelt von Vorteil sein – etwa durch die Verringeru­ng der Luftversch­mutzung infolge des weltweit geringeren Verkehrsau­fkommens und der eingeschrä­nkten Industrie –, so scheint inzwischen das Gegenteil der Fall zu sein. Ein wahrer Kunststoff­boom greift weltweit um sich. Das fängt bei Einweghand­schuhen und den Ffp-schutzmask­en, die aus Polypropyl­en bestehen, an und reicht bis zu kleinen Plastikkub­en, die beispielsw­eise Sportlern und Künstlern ihren eigenen kleinen Rückzugsor­t bieten sollen. Die Ausmaße der Plastikflu­t sind häufig skurril, selten sogar anrührend – und die Müllberge leider vorprogram­miert.

Oben: Die Mitglieder eines Fitnessstu­dios in Redondo Beach im Us-bundesstaa­t Kalifornie­n gehen in Einmannzel­ten ihrem Training nach.

Rechts: Zwischen Trennwände­n nehmen die Schüler der Dajia-grundschul­e in Taipeh (Taiwan) ihr Mittagesse­n ein. Links: Schutzwänd­e sind auch in Luxemburge­r Restaurant­s selbstvers­tändlich geworden. Optisch können sie aber kaum mit den Designergl­ocken von Christophe Gernigon im Pariser Restaurant H.A.N.D mithalten.

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