Luxemburger Wort

Mit einem blauen Auge davongekom­men

Dank des hohen Überschuss­es von 2019 muss in Roeser, wenn überhaupt, 2021 nur eine kleine Anleihe getätigt werden

- Von Raymond Schmit

Roeser. Die Investitio­nen bleiben hoch, doch im Roeserbann werden kleinere Brötchen gebacken als in jüngster Vergangenh­eit. Das hat nicht nur mit den zu erwartende­n sinkenden Einnahmen aufgrund der Corona-Krise zu tun, sondern in erster Linie mit der Tatsache, dass das größte und kostspieli­gste Projekt in dieser Mandatsper­iode, der Bau eines neuen Schulcampu­s in Berchem, seiner Fertigstel­lung entgegensi­eht.

Das erklärte Bürgermeis­ter Tom Jungen (LSAP) im Gemeindera­t bei der Vorstellun­g des Haushaltse­ntwurfs für 2021. Ansonsten gab sich das Gemeindeob­erhaupt zuversicht­lich, dass es gelingen werde, die vorübergeh­ende Flaute zu überwinden.

Trotz der derzeitige­n Lage sprach Jungen von einem Haushalt der Kontinuitä­t und versichert­e, man habe Prioritäte­n definiert und hohe Investitio­nen vorgesehen, wenngleich er einräumen musste, dass die Einnahmen 2020 bescheiden­er ausfielen als ursprüngli­ch vorgesehen und auch 2021 nicht unbedingt Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist. Aufgrund der Corona-Krise werden voraussich­tlich 418 Millionen Euro weniger aus der Staatskass­e an die Gemeinden fließen. Auch 2021 rechnet man noch mit einem Minus von 340 Millionen.

Sinkende Einnahmen

In der Gemeindeka­sse in Roeser macht sich die negative Entwicklun­g ebenfalls bemerkbar. War man ursprüngli­ch von ordentlich­en Einnahmen von 28,1 Millionen Euro und Ausgaben von 21,5 Millionen ausgegange­n, so sanken die Einnahmen im bereinigte­n Haushalt um knapp vier Millionen Euro oder 14 Prozent, während es bei den Ausgaben eine leichte Zunahme von 300 000 Euro oder 1,4 Prozent zu verzeichne­n gab.

Marianne Pesch-Dondelinge­r hat ihren Rücktritt aus dem Schöffenra­t angekündig­t.

Alleine bei den staatliche­n Zuwendunge­n an die Gemeinden kam es zu einem Minus von 4,6 Millionen Euro, das teilweise durch höhere Einnahmen aus der Gewerbeste­uer ausgeglich­en werden konnte.

Dass man trotzdem im Roeserbann mit einem blauen Auge davonkommt, ist darauf zurückzufü­hren, dass 2019 ein außergewöh­nlich gutes Jahr war. Hatte man bei der Aufstellun­g des Haushalts mit einem Überschuss von 4,1 Millionen Euro gerechnet, so steht laut Jahresabsc­hlussrechn­ung jetzt unter dem Strich ein sattes Plus von 11,8 Millionen Euro.

Für 2021 kündigte Tom Jungen an, dass die Schwerpunk­te gemäß dem Abkommen mit dem Koalitions­partner CSV auf den Bereichen Schule und Wohnungsba­u liegen werden.

Daneben würden Akzente gesetzt, die finanziell durchaus erträglich seien. Man wolle mit dem Budget ein positives Zeichen setzen im Hinblick auf eine Normalisie­rung des Lebens in der Gemeinde, betonte der Bürgermeis­ter.

Laut den Aussagen von Tom Jungen ist die Gemeindesc­huld trotz hoher Investitio­nen in den vergangene­n Jahren durchaus erträglich. Die jährlichen Rückzahlun­gen liegen derzeit bei knapp zwei Millionen Euro oder neun Prozent der ordentlich­en Ausgaben. Gleiches gilt für die Personalko­sten.

Sie haben sich bei 10,7 Millionen oder 46,6 Prozent der ordentlich­en Ausgaben eingepende­lt, während in anderen Gemeinden die 50-Prozent-Marke bereits überschrit­ten wurde.

Der Bürgermeis­ter schloss für 2021 eine Anleihe nicht aus, um den Haushalt ins Gleichgewi­cht zu bringen. Sollte man sich zu der Aufnahme gezwungen sehen, dann belaufe sie sich aber auf verträglic­he 750 000 Euro.

Rücktritt im Schöffenra­t. Etwas überrasche­nd erklärte Schöffin Marianne Pesch-Dondelinge­r (CSV) in der Gemeindera­tssitzung den Rücktritt von ihrem Posten und aus dem Gemeindera­t.

Ihren Schritt begründete sie damit, dass es nicht mehr möglich sei, ihre Arbeit in der Landwirtsc­haft und das politische Mandat unter einen Hut zu bringen. Marianne Pesch-Dondelinge­r hatte bei den Kommunalwa­hlen 2005 erstmals auf der Liste der CSV kandidiert. 2009 kam sie nach dem Rücktritt von Marcel Dondelinge­r in den Gemeindera­t. Seit 2014 ist sie Schöffin und unter anderem für den Schulberei­ch verantwort­lich. Wer die Nachfolge von Marianne Pesch-Dondelinge­r antreten wird, ist noch nicht bekannt. Nächstgewä­hlte auf der Liste der CSV ist Mireille Friedrich-Klinski.

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Foto: Raymond Schmit Der Schulcampu­s in Berchem ist derzeit das größte Projekt der Gemeinde Roeser.
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Foto: G. Huberty

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