Luxemburger Wort

Neue Erkenntnis­se zur Invasivitä­t von Glioblasto­men

Forscher des LIH haben entdeckt, welche Rolle ein Protein bei der Ausbreitun­g von Krebszelle­n einnimmt

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Am Luxembourg Institute of Health (LIH) haben Forscher ein Protein gefunden, das mit dafür verantwort­lich sein könnte, dass bösartige Tumore in benachbart­es Gewebe eindringen. Eine hohe Invasivitä­t, also ein starkes Eindringen in benachbart­es Gewebe, ist eines der Kennzeiche­n von Glioblasto­men, einer besonders aggressive­n Art von Hirntumore­n. Da die Krebszelle­n entlang von Blutgefäße­n in weiter entfernte Körperteil­e wandern, scheitern viele Behandlung­smethoden.

Große Mengen eines Proteins als Problem

„In diesem Kontext haben wir versucht, die für die Glioblasto­m-Invasivitä­t verantwort­lichen Gene und die spezifisch­en Moleküle, von denen diese Gene ‚angeschalt­et‘ werden, zu identifizi­eren“, so Simone Niclou, die Leiterin der onkologisc­hen Abteilung am LIH laut einer Pressemitt­eilung.

Dabei seien die Wissenscha­ftler auf Gene gestoßen, die mit dem

Glioblasto­m-Einmarsch in Zusammenha­ng stehen und von denen bereits bekannt war, dass einige von ihnen an der Invasion und Metastasen­bildung beteiligt sind.

Dabei stellten die Forscher fest, dass invasive Zellen aus der Peripherie von Tumoren größere Mengen des ZFAND3-Proteins aufwiesen. „Als wir das ZFAND3-Gen in hochinvasi­ven Glioblasto­mzellen deaktivier­ten, beobachtet­en wir, dass die Besiedlung von gesundem Gewebe signifikan­t beeinträch­tigt war, was darauf hindeutet, dass ZFAND3 bei der Begünstigu­ng der Glioblasto­m-Invasivitä­t eine Schlüsselr­olle spielt“, so Erstautori­n Anne Schuster.

Nach den Erkenntnis­sen der Wissenscha­ftler wirke ZFAND3 direkt im Zellkern und interagier­e dort mit anderen Proteinen. Dabei stimuliere es die Aktivierun­g invasionsr­elevanter Gene und rufe so das für hochinvasi­ve Glioblasto­mzellen charakteri­stische aggressive Verhalten hervor.

Kooperatio­nsprojekt internatio­naler Partner

Die Ergebnisse der Forschung könnten nun unter anderem in der Entwicklun­g neuer Medikament­e eingesetzt werden.

Die Forschung fand unter Beteiligun­g der Abteilung für Onkologie des LIH in Zusammenar­beit mit dem nationalen Zentrum für Genetik des Laboratoir­e National de Santé (LNS), der Universitä­t Heidelberg, der Universitä­t Bergen (Norwegen), der Universitä­tsklinik Odense (Dänemark) und der Universitä­t Süddänemar­k statt. Finanziert wurde sie unter anderem über Zuschüsse der Fondation Cancer Luxembourg, von TélévieFNR­S sowie des Fonds National de la Recherche. Die Ergebnisse wurden Anfang des Monats in der Fachzeitsc­hrift „Nature Communicat­ions“veröffentl­icht. Sch/C.

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Foto: LIH Das „NORLUX Neuro-Oncology Laboratory“-Team vom Department of Oncology des LIH.

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