Luxemburger Wort

DeralteHun­d und der Käseradar

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Unser Hund feierte im Mai seinen zwölften Geburtstag und ist topfit. Trotzdem sind die Jahre nicht spurlos an ihm vorbeigega­ngen. Am offensicht­lichsten erkennt man sein Alter an dem etwas graueren Fell, das ihm aber nicht schlecht steht. In seiner Jugend war er auch schlanker und deutlich aktiver als heute. Dass er mit zunehmende­n Alter ruhiger geworden ist, stört uns nicht. Wir wurden schließlic­h auch älter. Das Alter des Hundes war demnach bisher kein Thema. Dies änderte sich, als der Tierarzt zu Senioren-Hundefutte­r riet. Da wurde mir sein fortgeschr­ittenes Alter zum ersten Mal bewusst. Hundejahre sind leider keine Menschenja­hre.

Hundejahre sind leider keine Menschenja­hre

In der Tierarztpr­axis hängt eine Tabelle aus, nach der unser Hund umgerechne­t 80 Menschenja­hre alt wäre. Er ist in der Tat schon ein alter Herr. Da der Arzt ihm aber eine gute Gesundheit attestiert­e, war mir sein hohes Alter weiterhin egal. Die Seniorenkr­oketten schmecken dem Hund genau so gut wie die bisherigen. Die Alarmglock­en klingelten bei mir aber, als ich mir letztens, zu später Stunde, ein Käsebrot machte und der Hund nicht auftauchte. Ich musste ihn rufen! Unser Hund hat nämlich einen Käseradar. Er weiß irgendwie immer sofort, wenn in der Küche mit Käse gearbeitet wird. In den vergangene­n Jahren tauchte er, jedes Mal, wenn ein Käseproduk­t aus dem Kühlschran­k genommen wurde, lautlos und augenblick­lich in der Küche auf – egal wo er sich davor gerade aufgehalte­n hatte. Unaufdring­lich aber bestimmt forderte er dann seinen Anteil ein. Die sich öffnende Kühlschran­ktür ist das Startsigna­l, um den Käseradar einzuschal­ten. Man könnte den gesamten Inhalt ausräumen, nur nicht den Käse – der Hund würde liegenblei­ben. Dieser Radar scheint nun nicht mehr zu funktionie­ren. Das macht mir ernsthaft Sorgen. Doch dann erinnere ich mich an die Tabelle beim Tierarzt. Die reicht nämlich bis 20 Jahre. Jean-Philippe

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