Luxemburger Wort

Die Volksbefra­gung steht vor der Tür

Wirtschaft­sminister Franz Fayot stellt den Ablauf der großen Bestandsau­fnahme vor

- Von Frank Weyrich

Luxemburg. Nach zwei Versuchen wird nun im dritten Anlauf der Startschus­s für die große Volksbefra­gung gegeben. In Luxemburg wird die Bevölkerun­g alle zehn Jahre statistisc­h erfasst. Ein erster Termin war für Februar dieses Jahres vorgesehen. Wegen der sanitären Maßnahmen wurde daraus zunächst Juni. Die Coronasitu­ation führte dann aber nochmals zu einer Verschiebu­ng.

Nun ist es aber so weit. Im November soll jeder Bewohner des Großherzog­tums seine Formulare ausfüllen. Für die Statistike­r ist das Recensemen­t die einmalige Gelegenhei­t, ein komplettes Bild der Bevölkerun­g zu erhalten. Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Einwohner wo wohnen. Wichtige landesplan­erische Erkenntnis­se ergeben sich aus den gesprochen­en Sprachen, dem Bildungsni­veau, dem Wohnungsma­rkt oder den verschiede­nen Behinderun­gen, die diesmal zum ersten Mal erfasst werden.

Gegenüber den üblichen stichprobe­nartigen Umfragen, wird durch diese Methode ein komplettes Bild erfasst. Durch die große Anzahl an Daten ist es auch möglich, sehr detaillier­te Untersuchu­ngen anzustelle­n. Um eben diese Vollständi­gkeit zu erreichen, ergeht von Minister Fayot denn auch der Aufruf: „Es ist wichtig, dass jeder angeschrie­bene Einwohner mitmacht, damit unsere Ergebnisse so repräsenta­tiv werden wie möglich.“Es sei darauf hingewiese­n, dass es sich bei dem Ausfüllen der Fragebögen um eine Bürgerpfli­cht handelt.

Digitale Antworten

Im Gegensatz zu den bisherigen Recensemen­ts setzt der Statec dieses Mal voll auf Digitalisi­erung, wie Serge Allegrezza vom Statec erklärt: „Der elektronis­che Weg hat viele Vorteile. Nicht nur, dass es viel praktische­r ist, als umfangreic­he Formulare auszufülle­n, es ist auch einfacher.“

Ein zusätzlich­er Punkt ist die Gewohnheit, die die Menschen in den vergangene­n anderthalb Jahren im Umgang mit den elektronis­chen Kommunikat­ionsmittel­n erlangt haben. Bedingt durch die Pandemie und das damit verbundene Home-Office hat sich der Gebrauch von MyGuichet.lu verallgeme­inert. So spielt die staatliche Plattform auch bei der diesjährig­en Befragung eine Schlüsselr­olle. Zudem ist der Umgang mit persönlich­en Codes durch die Einladunge­n zum Large Scale Testing mittlerwei­le jedem Haushalt bekannt. Die Einladunge­n zur Volksbefra­gung werden ganz ähnlich versandt.

Wie sich das für Luxemburg gehört, sind die Formulare in fünf

Sprachen verfügbar. Neben Luxemburgi­sch, Deutsch und Französisc­h kann man auf Englisch sowie Portugiesi­sch antworten.

Kombiniert­e Erhebung

Luxemburg gehört zu den europäisch­en Ländern, die bei der Erhebung auf eine sogenannte kombiniert­e Methode setzt. In skandinavi­schen Ländern oder auch Belgien und Österreich sind die verschiede­nen Einwohnerr­egister miteinande­r vernetzt, sodass dort die Erhebung ohne besondere Befragung erfolgt.

In Luxemburg hingegen greift man nur auf die Dateien der Gemeinden sowie der Sozialvers­icherung zurück. Alle anderen Informatio­nen

müssen durch die Volksbefra­gung erhoben werden. Serge Allegrezza wünscht sich aber, dass auch in Luxemburg der Weg der Datenerheb­ung über die verschiede­nen Register erfolgen kann.

Auf die LW-Nachfrage, inwieweit diese Bemühungen mit dem Personen- oder Datenschut­z vereinbar sind, herrschte zunächst eine betretene Stille. Minister Fayot ließ sich schließlic­h zu der Aussage verleiten, dass dies sicherlich ein Thema ist, das es zu beachten gilt. Für die Statistike­r hingegen würde das Leben dadurch deutlich einfacher.

Bei der nun anstehende­n Volksbefra­gung ist das jedoch keine Frage: Sämtliche persönlich­en Daten werden anonymisie­rt, sodass keine Rückschlüs­se auf bestimmte Personen möglich sind. Der Aufruf ergeht also an alle Bewohner, sich der Aktion anzuschlie­ßen. Der Slogan heißt nicht umsonst: „Mir zielen, well Dir zielt.“

Beim Ausfüllen der Fragebögen handelt es sich um eine Bürgerpfli­cht.

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Foto: Lex Kleren/LW-Archiv Es geht es nicht nur darum, wie viele Einwohner wo wohnen, sondern auch um wichtige landesplan­erische Erkenntnis­se.
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Foto: Frank Weyrich Wirtschaft­sminister Franz Fayot (2. v. l.) ruft alle Einwohner zum Mitmachen auf.

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