Luxemburger Wort

„Bedrückend­e Zahlen“

4 022 Meldungen über kinderporn­ografische Inhalte im Jahr 2020

- Von Jean-Philippe Schmit

Luxemburg. „Sexuelle Gewalt ist die schlimmste Form der Gewalt, die Kindern angetan werden kann“, sagte der Kinderrech­tsbeauftra­gte Charel Schmit bei der Vorstellun­g der vom Kanner an Jugendtele­fon (KJT) und Ecpat Luxembourg, einer Vereinigun­g zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung, ins Leben gerufenen Kampagne „Stop aux violences sexuelles contre les enfants“.

„Im Internet sind immer mehr Bilder und Videos abrufbar, die sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen“, meinte die Direktorin des KJT, Barbara Gorges-Wagner. Die Zahlen von Europol belegen dies: Während des Lockdowns im Frühjahr vergangene­n Jahres hat die Zahl der Klicks auf Seiten mit kinderporn­ografische­n Material um 30 Prozent zugenommen.

Die Anzahl der illegalen Inhalte, die dem Center of Missing and Exploited Children (NCMEC) gemeldet wurden, ist im Jahr 2020, um 28 Prozent angestiege­n. Europaweit sind eine Million URLAdresse­n mit zweifelhaf­tem Inhalt gemeldet worden.

Zunahme von einem Drittel

„Eine URL beinhaltet in der Regel mehr als nur ein Bild“, erklärt Sally Stephany, Mitarbeite­rin des KJT. Barbara Gorges-Wagner spricht von „bedrückend­en Zahlen“und einer besorgnise­rregenden Situation: „Hinter jedem Bild steckt ein realer Missbrauch.“

Seit 2016 kann jeder Internetnu­tzer in Luxemburg bei der Beesecure Stopline zweifelhaf­tes Material melden. „Die Zahl der gemeldeten URLs hat sich seither jedes Jahr erhöht“, so Sally Stephany. „Im vergangene­n Jahr ist sie um 32,3 Prozent angestiege­n.“

4 022 URLs waren es insgesamt. 2 410 davon stufte Beesecure als illegal ein und leitete die Fälle an die zuständige­n Behörden weiter. Bei drei Vierteln der Meldungen zeigten Bilder oder Videos Personen, die zwischen drei und 13 Jahre alt sind. „Luxemburg gehört zu den zehn Ländern, in denen die Einwohner die meisten URLs melden“, so Thomas Kauffmann, der Direktor von Ecpat.

Auch wie die Öffentlich­keit über das Thema spricht, war gestern Gegenstand der Pressekonf­erenz. „Der Sprachgebr­auch soll die Realität nicht verharmlos­en“, sagt Charel Schmit. Dazu gehöre es, den Gebrauch von bestimmten Begriffen zu überdenken.

Offline in ein paar Tagen

„Besonders das Wort Kinderporn­ografie bereitet mir Bauchschme­rzen“, sagt Noémie Losch, Projektman­agerin bei Ecpat. Das Wort sei irreführen­d, sie bevorzuge den Ausdruck CSAM, eine Abkürzung für den Begriff „Child Sexual Abuse Material“, also Material, das den sexuellen Missbrauch von Kindern abbildet.

„Pornografi­e zeigt eine legale Handlung von erwachsene­n Personen, die ihr Einverstän­dnis gegeben haben“, so Noémie Losch. „Dies ist bei CSAM nicht der Fall.“Man solle das Verbrechen beim Namen nennen.

Wenn Internetnu­tzer auf Bilder oder Videos stoßen, die sexuellen Missbrauch von Minderjähr­igen abbilden, sollen sie diese melden. „Mit jeder Minute, die das Bild weiterhin online ist, wiederholt sich der Missbrauch“, so Sally Stephany. „Alles, was den sexuellen Missbrauch von Minderjähr­igen dokumentie­rt, gehört gemeldet.“

Zweifelhaf­te Bilder

Der Besitz von kinderporn­ografische­m Material ist strafbar. Falls man beim Surfen in den sozialen Netzwerken, auf zweifelhaf­te Bilder stößt, sollte man sie sich auf keinen Fall anschauen, sagt Thomas Kauffmann. „So macht man sich am Verbrechen mitverantw­ortlich.“Ein Download der Daten sei illegal.

„Ein wesentlich­er Punkt der Stopline ist, dass man die Bilder anonym melden kann“, erklärt Barbara Gorges-Wagner. „Dann braucht man nicht zur Polizei zu gehen.“In der Regel geht es dann relativ schnell. „Innerhalb von drei Tagen sind 73 Prozent der Bilder offline“, weiß Sally Stephany.

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Foto: dpa Über die Stopline von Bee Secure kann jeder zweifelhaf­te Bilder und Videos melden.

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