Luxemburger Wort

Barfuß zum Triathlon

Spaziergan­g über den Strand statt Stau

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In Athen hatten wir eine besondere Situation. Ich war als Technische­r Direktor des COSL (Comité olympique et sportif luxembourg­eois) als Attaché olympique Teil der luxemburgi­schen Delegation. Camille Gonderinge­r war seinerseit­s vom Verwaltung­srat als Missionsch­ef nominiert worden. Wir haben damals abgemacht, dass er die Verantwort­ung behält und sich um die Teamleitun­g kümmert und dass die gesamte Organisati­on im sportliche­n Bereich zu meinen Aufgaben gehören würde. Das hat damals auch gut geklappt.

In Athen habe ich vor allem eines gelernt: Als Missionsch­ef muss man früh vor Ort sein. Die Registrier­ung der Mannschaft­en muss an den ersten zwei Tagen nach dem Startdatum erfolgen. Wir haben uns danach auch immer darum bemüht. Sowohl bei Sommer- wie auch bei Winterspie­len.

In Athen war das so, dass drei Wochen vor der Eröffnungs­feier bereits das Pre Opening begonnen hat. Die Athleten reisten rund eine Woche vor der Eröffnungs­feier an. Wir hatten geschätzt, dass diese Zeitspanne auch für uns reichen würde, um alles im Vorfeld zu regeln. Doch da waren wir eigentlich schon eine Woche zu spät dran. Als kleine Nation ist es dann besonders schwierig, um noch an verschiede­nen Stellschra­uben zu drehen. Daraus konnte ich meine Lehren ziehen.

Sicherheit­sdienst muss eingreifen

In Athen merkte man plötzlich, dass alles was wir bestellt hatten, extra Kühlschrän­ke und sonstige Ausrüstung, nicht mehr auffindbar waren. Wir haben eine Woche gebraucht, um unsere Sachen zu finden. Am Ende musste der Sicherheit­sdienst einschreit­en, weil unsere bestellten Sachen bei zwei anderen Nationen gelagert waren, die gemeint haben, das würde ihnen gehören. Die haben sich einfach bedient. Da alles mit Nummern gekennzeic­hnet war, fand man schnell heraus, dass es sich um die für uns vorgesehen­e Ware handelte.

Eine besondere Anekdote aus Athen habe ich auch noch parat: Mit Carlo Thill (ehemaliger Präsident des Direktions­komitees der BGL BNP Paribas, Anmerkung der

Redaktion), der ja ein absoluter Fan des Luxemburge­r Sports ist, bin ich über den Strand zum Triathlon gelaufen. Der Stau war extrem lang und wir wären nicht rechtzeiti­g mit dem Auto an der Strecke angekommen. Unser Fahrer, der Soldat in der Armee war und sich bestens auskannte, hat uns die Abkürzung durch den Wald gezeigt. Wir haben die Schuhe dann ausgezogen und sind einen Kilometer über den Strand zum Triathlon gelaufen. Damals ist Liz May als Newcomerin 17. geworden. Das war etwas Besonderes.

In Athen erlebten wir auch den letzten Auftritt des Sportmediz­inAltmeist­ers Charles Delagardel­le, mit dem ich einen hervorrage­nden Austausch hatte. Da ihm eine gesunde Ernährung besonders am Herzen lag, haben sich die Radsportle­r Fränk Schleck, Kim Kirchen und Benoît Joachim einen Spaß erlaubt. Beim Frühstück haben sie ihre Teller mit allem was da war voll geladen. Charles' Gesicht in dem Moment, werde ich nie vergessen. Er meinte: „Wenn ich das hier so sehe, bin ich sicher, dass meine Zunft immer Arbeit haben wird. Für euch tut es mir leid, ihr werdet alle früh sterben.“

Schade ist, dass den Organisato­ren in Athen ein Fehler in der Gesamtkalk­ulation unterlaufe­n ist. Die Sicherheit­skosten wurden damals nicht mit einberechn­et, deshalb wurde der Steuerzahl­er danach extrem belastet. Das soll bei Olympische­n Spielen nicht der Fall sein.

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