Luxemburger Wort

Wenn der Arbeitsweg zur Odyssee wird

Der öffentlich­e Transport auf dem Prüfstand: So reagieren CFL und ATP auf Kritiken von „Wort“-Lesern

- Von Frederik Wember

Luxemburg. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben auf einen Aufruf des „Luxemburge­r Wort“zum Thema Zufriedenh­eit mit Bus, Bahn und Tram geantworte­t. In den verschiede­nen Diskussion­sbeiträgen gab es sowohl Lob als auch Kritik über den öffentlich­en Transport im Großherzog­tum.

Neben allgemeine­n Kritikpunk­ten wie der Frage nach der öffentlich­en Finanzieru­ng, ineffizien­ter Routenplan­ung, zu schlechter Anbindung in ländlichen Regionen und der Vernachläs­sigung von Pendlern, die eine eigene Betrachtun­g verdienen, hat das „Luxemburge­r Wort“das Augenmerk besonders auf die aktuelle Situation gelegt. Vertreter der CFL und des Mobilitäts­ministeriu­ms wurden mit den Vorwürfen konfrontie­rt.

Viele Leser lobten den öffentlich­en Transport im Vergleich zu Autofahrte­n: Häufige Staus und langwierig­e, anstrengen­de Parkplatzs­uche können dadurch – mit Ausnahme einiger Buslinien – vermieden werden. Kritik gab es vorwiegend an der Bahn. Mehrere Leser bemängelte­n Verspätung­en und Ausfälle auf dem Schienenne­tz – auch wenn manche das als „immer noch besser als Staus und Parkplatz suchen“empfanden.

„Als CFL sind wir natürlich daran interessie­rt, unseren Kunden den bestmöglic­hen Service anzubieten“, sagt Alessandra Nonnweiler, Pressespre­cherin bei der CFL. „Das Feedback unserer Kunden ist uns sehr wichtig. In diesem Sinne ermutigen wir unsere Kunden, sich direkt an uns zu wenden. Ein Weg hierfür ist es, eine Mail an qualite@cfl.lu zu schreiben.“Weshalb ein Verkehrsmi­ttel verspätet sei oder ausfalle, komme immer auf den konkreten Einzelfall an, daher könne man über Verspätung­en und Ausfälle keine pauschale Aussage treffen.

Verspätung­en von Verkehrsmi­tteln der CFL können Fahrgäste live und direkt über das Smartphone, via Mobilitéit-App oder CFL-Mobile-App einsehen. Dort und auf www.cfl.lu gibt es zudem Einblick in aktuelle Informatio­nen zu Schienener­satzverkeh­r wie etwa dem, der aufgrund von Bauarbeite­n zwischen Luxemburg und Bettemburg eingericht­et wurde. Die CFL erhofft sich von den Arbeiten, wie sie auf ihrer Seite schreibt, letztlich eine höhere Zuverlässi­gkeit und Kapazitäts­erhöhung des Nahverkehr­s. Es gibt also eine Perspektiv­e für diejenigen, die sich derzeit mit den vielen Baustellen im Netz herumschla­gen müssen.

Probleme auf der Strecke Luxemburg – Bettemburg

Denn gerade die Kapazität stellte während der Bauarbeite­n am Hauptbahnh­of zu Stoßzeiten ein Problem im Schienener­satzverkeh­r Luxemburg – Bettemburg dar. Nutzer beschwerte­n sich über überfüllte Busse, die im Stau standen und von denen es einfach zu wenige gab. Nonnweiler weist in diesem Kontext darauf hin, dass in einem Zug deutlich mehr Leute Platz finden als in einem einzelnen Bus. Außerdem sind Busse anders als Züge Staus ausgesetzt.

„In diesem Sinne fuhren zu den Spitzenstu­nden alle drei bis fünf Minuten Busse ab, um Luxemburg mit Bettemburg zu verbinden, und umgekehrt. Dies ermöglicht­e uns, nur so viele Busse gleichzeit­ig in den Busbahnhöf­en zu haben, dass es nicht zu Staus in den Busbahnhöf­en kam. Dadurch konnten wir die nötigen Buskapazit­äten zur Verfügung zu stellen, um den Ausfall der Züge im Rahmen der Arbeiten zu kompensier­en“, so die CFLSpreche­rin.

In solchen Fällen wünscht sich Nonnweiler „auch ein gewisses Maß an Absprache seitens der Reisenden, die in den Bus steigen. Diese sollen sich auf die unterschie­dlichen Busse aufteilen. Wenn alle Kunden gleichzeit­ig in den ersten Bus steigen möchten, wird dies gezwungene­rmaßen zu vollen Bussen führen.“Wie gut diese Absprache unter den realen Bedingunge­n funktionie­ren kann, hängt sicher von der Menge und Laune der Beteiligte­n ab.

So konnten Nutzer der Linie 621 alternativ auch mit dem direkten Schienener­satzverkeh­r zwischen Bettemburg und Luxemburg fahren und an der Haltestell­e „Hildegard von Bingen“in Cloche d’Or aussteigen, von wo aus sie in diesem Viertel und Richtung Howald mobil seien. In vielen Fällen ist die schnellste Verbindung nach Howald von dort aus laut Apps ein etwa viertelstü­ndiger Fußmarsch, der Rollstuhlf­ahrern natürlich kaum offensteht.

Ein Einstieg war an der Haltestell­e nicht vorgesehen. Es handelte sich ausschließ­lich um einen Ausstieg, den die CFL zur Entlastung der Linie 621 eingeplant hat. Diese Informatio­n war aber offensicht­lich so nicht zu allen Nutzern durchgedru­ngen.

Ein Grund dafür dürfte dem Kenntnisst­and des „Wort“nach sein, dass sowohl die CFL-Mobileals auch die Mobililité­it-App für den Weg von Bettemburg in die Hauptstadt die Linie 621 sowie Verbindung­en über den Hauptbahnh­of priorisier­en.

An den Bussteigen in Bettemburg und Luxemburg standen allerdings auch stets mehrere Ansprechpa­rtner, die auf Nachfrage nähere Auskunft über die eingericht­eten Ersatzverb­indungen hätten geben können.

Probleme bei der Organisati­on des Schienener­satzverkeh­rs

Auch wenn die CFL die Arbeiten selbst verantwort­ete und daher für sie der Beginn der Bauarbeite­n einzuplane­n war, bereitete ihr die Organisati­on der Busse offenbar Probleme. Innerhalb Luxemburgs standen nicht ausreichen­d Busse zur Verfügung, um die ausfallend­en Zugkapazit­äten zu ersetzen, und daher mussten unter anderem Busse aus Deutschlan­d angemietet werden. Die CFL hatte also gleich mit mehreren Schwierigk­eiten zu kämpfen.

Probleme mit der Mobilitéit­App und im Allgemeine­n auch mit nicht aktualisie­rten Fahrplänen fallen allerdings eigenen Angaben zufolge nicht in die Verantwort­lichkeit der CFL, die nur einer von mehreren Akteuren des allgemeine­n Straßenver­kehrsregim­es (RGTR) ist. Das RGTR-Netzwerk wiederum ist dem Ministeriu­m für Mobilität und öffentlich­e Arbeiten unterstell­t.

Ken Devillers von der Verwaltung für den öffentlich­en Transport (ATP), die dem Ministeriu­m für Mobilität und öffentlich­e

Arbeiten zugehört, äußert sich auf Anfrage zu den oben genannten Problemen wie folgt: „Zur Mobilitéit-App sind CFL und ATP in regelmäßig­em Austausch, um hier unter anderem Verbesseru­ngen beim Datenausta­usch anzustrebe­n. Es bedarf natürlich gewisser Prozeduren, um Richtigkei­t und Qualität zu garantiere­n, die etwas Zeit kosten. Aber die werden natürlich so schnell als nur möglich eingearbei­tet.“

Die Anbringung der physischen Fahrpläne wiederum obliege nicht der ATP, sondern den Gemeinden: „Die neuen Aushänge wurden den Gemeinden, wie immer, im Vorfeld zur Verfügung gestellt, mit den entspreche­nden Instruktio­nen und mit Verweis auf die Wichtigkei­t dieser Auskunft. Am 25. Juli appelliert­e die ATP nochmals dringend an die Gemeinden, die ihnen zur Verfügung gestellten Haltestell­enauskünft­e auch tatsächlic­h anzubringe­n.“

Auch die ATP verweist im Fall konkreter Probleme wie etwa mit der Mobilitéit-App auf die Kontaktmög­lichkeit via mobiliteit.lu, wo gegebenenf­alls auch Screenshot­s eingesende­t werden können. Es gebe durch externe Faktoren wie Gemeindear­beiten oder Verkehrsfä­lle immer auch Einflüsse, die die ATP nicht im Vorhinein einplanen könne.

Als CFL sind wir natürlich daran interessie­rt, unseren Kunden den bestmöglic­hen Service anzubieten. Alessandra Nonnweiler, CFL

 ?? Foto: Anouk Antony ?? Der Nahverkehr ist oft eine gute Alternativ­e zu Staus und Parkplatzs­uche, hat aber eigene Probleme. Die CFL und die öffentlich­e Verwaltung ATP geben Erklärunge­n zu diesen Problemen.
Foto: Anouk Antony Der Nahverkehr ist oft eine gute Alternativ­e zu Staus und Parkplatzs­uche, hat aber eigene Probleme. Die CFL und die öffentlich­e Verwaltung ATP geben Erklärunge­n zu diesen Problemen.

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