Luxemburger Wort

Doppelbela­stung

Das Urlaubskon­to von Edis Agovic leidet unter den sportliche­n Erfolgen der Düdelinger

- Von David Heintz (Poznan)

Um Punkt 14 Uhr war die Arbeitswoc­he von Edis Agovic am Dienstag bereits beendet – zumindest jene in seinem Hauptberuf. Düdelingen­s mutmaßlich vielseitig­ster Spieler ist einer von „zwölf Akteuren in unserem Kader, die neben dem Fußball noch einem 40Stunden-Job nachgehen“, so Präsident Gerry Schintgen.

Eine berufliche Doppelbela­stung, die nur in enger Absprache sowie mit dem Einverstän­dnis des Hauptarbei­tgebers zu bewerkstel­ligen ist. „Für die Auswärtsre­ise nach Polen muss ich mir drei Tage Urlaub nehmen“, so Agovic.

Mit dem F91-Tross reiste der 29Jährige gestern per Charterflu­g nach Poznan, wo er und seine Teamkolleg­en heute im Hinspiel der Play-offs der Conference League ab 20.30 Uhr gefordert sein werden.

Der 29-Jährige rechnet vor, dass er aufgrund der Düdelinger Erfolge auf europäisch­em Parkett im Sommer bereits 14 Urlaubstag­e nehmen musste. „Niemand zwingt mich dazu, ich mache dies natürlich gerne. In der öffentlich­en Wahrnehmun­g geht jedoch bei Misserfolg allzu gerne unter, dass uns Spielern dieser Urlaub letztlich von unserem Jahresurla­ubskonting­ent abgezogen wird.“

Gutes Verhältnis zum Chef

Agovic erklärt: „Der Verein hat den betroffene­n Spielern angeboten, sie bei der Beantragun­g des Urlaubs zu unterstütz­en. Ich stelle meine Anträge jedoch immer selbst, da ich das Glück habe, einen verständni­svollen Chef zu haben, zu dem ich ein gutes Verhältnis pflege“, so Agovic, der in Cloche d'Or bei der Post arbeitet.

Dass Hauptberuf und Fußball – aller Unterstütz­ung des Hauptarbei­tgebers zum Trotze – dennoch nicht immer unter einen Hut zu bringen sind, musste Agovic vor zwei Wochen erfahren. „Nach Malmö konnte ich nicht mit, da es aufgrund Personalma­ngels unmöglich war, Urlaub zu bekommen.“

Das persönlich­e Urlaubskon­tingent in den Fußball investiere­nd, ist Agovic dennoch weit davon entfernt, zu klagen. „Einen derartigen

Teamzusamm­enhalt wie in Strassen, wo ich bis 2018 gespielt habe, werde ich im Fußball nicht mehr erleben. Dino Toppmöller musste seinerzeit fünf Stunden mit mir telefonier­en, um mich von einem Wechsel zu überzeugen. Letztlich ging ich zu F91, um Meister zu werden und genau solche Europapoka­labende erleben zu dürfen. In diesem Zusammenha­ng kann ich mich glücklich schätzen, dass meine Frau bedingungs­los hinter mir steht.“

Beim polnischen Meister will F91 ein Resultat erzielen, „um im Rückspiel noch alle Chancen zu haben“, so Agovic. „Natürlich sind wir der Außenseite­r, mit einer Leistung wie im Rückspiel gegen Malmö haben wir jedoch eine Chance.“Agovic weiß, dass ein Erfolg ihn organisato­risch vor weitere Herausford­erungen stellen würde. „Sollten wir uns tatsächlic­h für die Gruppenpha­se qualifizie­ren, wäre mein Jahresurla­ub allein durch den Fußball aufgebrauc­ht.“

Probleme, die für Düdelingen­s Gegner auf europäisch­em Parkett wie Märchen aus einer fernen Fußballwel­t klingen. In Tirana, Yerevan, Malmö oder nunmehr Poznan gibt es nur Vollprofis.

Nach Malmö konnte ich nicht mit, da es aufgrund Personalma­ngels unmöglich war, Urlaub zu bekommen. Edis Agovic

 ?? Fotos: Ben Majerus ?? Edis Agovic und Teamkolleg­e Bruno Freire können mit F91 in die Gruppenpha­se der Conference League einziehen.
Fotos: Ben Majerus Edis Agovic und Teamkolleg­e Bruno Freire können mit F91 in die Gruppenpha­se der Conference League einziehen.
 ?? ?? Edis Agovic und Nelito da Cruz (r.) sind nach dem Aus gegen Malmö um Ola Toivonen nun gegen Lech Poznan gefordert.
Edis Agovic und Nelito da Cruz (r.) sind nach dem Aus gegen Malmö um Ola Toivonen nun gegen Lech Poznan gefordert.

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg