Luxemburger Wort

Wahlkampf in Italien wird aggressive­r

Die Parlaments­wahlen nähern sich mit großen Schritten – unter den Kandidaten bleibt die Stimmung angespannt

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Rom. Eine Woche vor den Parlaments­wahlen in Italien wird der Ton rauer. Der frühere Ministerpr­äsident und Zentrumspo­litiker Matteo Renzi warf dem Fünf-Sterne-Chef Giuseppe Conte am Wochenende vor, die Anhänger zu Gewalt aufzurufen. „Schäm dich“, sagte Renzi auf einer Veranstalt­ung und nannte Conte, der bis 2021 selbst Regierungs­chef war, einen „halben Mann“. Conte habe Renzi davor aufgeforde­rt, „ohne Begleitsch­utz nach Palermo zu kommen und den Leuten zu erklären, das Grundeinko­mmen abzuschaff­en“. Viele Italiener vor allem im Süden beziehen jenes Bürgergeld, eines der Steckenpfe­rde der Politik der Fünf Sterne, das andere Parteien aber abschaffen wollen.

Draghi mit Seitenhieb gegen Salvini

Zugleich rumort es in der MitteRecht­s-Allianz, die laut Umfragen vor einem deutlichen Wahlsieg am nächsten Sonntag (25. September) steht. Matteo Salvini von der rechtspopu­listischen Lega ging den noch amtierende­n Ministerpr­äsidenten Mario Draghi wegen dessen Aussagen zu angebliche­r russischer Wahlbeeinf­lussung an. Draghi hatte am Freitag gesagt, die italienisc­he Politik lasse sich von ausländisc­hen Feinden und deren „pupazzi prezzolati“nicht bezwingen. Wörtlich bedeutet dies „gekaufte Puppen“, kann aber als „angeheuert­e Handlanger“verstanden werden. Viele werteten dies als Seitenhieb gegen Salvini. Dieser pflegte jahrelange enge Beziehunge­n zu Russland und war ein Bewunderer von Kremlchef Wladimir Putin. Er reagierte prompt auf die Bemerkung: Statt von „pupazzi“zu reden, solle Draghi lieber mehr Hilfen für die Italiener wegen der hohen Energiekos­ten beschaffen, forderte Salvini. „Ich weiß nämlich nicht, ob er den nationalen Notstand verstanden hat, in dem wir uns befinden.“Dabei hatte die Regierung just am Freitag ein drittes Milliarden-Paket verabschie­det. Zudem wächst der

Streit im Mitte-Rechts-Lager wegen des Verhältnis­ses zu Ungarns Ministerpr­äsident Viktor Orbán. Giorgia Meloni, die Chefin der größten Rechtspart­ei Fratelli d'Italia und Favoritin auf den Job als Ministerpr­äsidentin, und Salvini verteidige­n Orbán offensiv. Dabei werden diesem ganz aktuell von Brüssel Demokratie­defizite vorgeworfe­n. dpa

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Foto: dpa Fünf-Sterne-Chef Giuseppe Conte (Bild) lieferte sich mit Zentrumspo­litiker Matteo Renzi ein hitziges Wortgefech­t auf Distanz, bei dem Renzi Conte einen „halben Mann“nannte.

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