Ei­ne Sai­son in fünf Ak­ten

PRES­SE­KON­FE­RENZ „Théâ­tres de la vil­le de Lu­xem­bourg“stel­len die Sai­son 2017/18 vor

Tageblatt (Luxembourg) - - Theater - Jeff Schin­ker

Dass die Pro­gram­mie­rung der „Théâ­tres de la vil­le de Lu­xem­bourg“durch­aus mit dem Ni­veau der bes­ten in­ter­na­tio­na­len Häu­ser mit­hal­ten kann, ist seit lan­gem ein Ge­mein­platz.

Die 63 Spek­ta­kel der Sai­son 2017/18 dürf­ten das Herz je­des Opern-, Tanz- und Thea­ter­lieb­ha­bers schnel­ler schla­gen las­sen. Ein ers­ter Ein­blick in das Pro­gramm stei­gert die Vor­freu­de auf den Sai­son­be­ginn er­heb­lich.

Die Vor­stel­lung der Sai­son 2017/18 war an sich fast schon ein klei­nes thea­tra­li­sches Meis­ter­werk – so viel Me­ta­di­men­si­on darf heut­zu­ta­ge ru­hig sein.

Ih­nen an die­ser Stel­le ei­ne voll­stän­di­ge Vor­stel­lung des Pro­gram­mes zu bie­ten, wür­de den Rah­men des Ar­ti­kels spren­gen. Wir struk­tu­rie­ren die Pres­se­kon­fe­renz des­we­gen in fünf Ak­te und stel­len ei­ni­ge der vor­aus­sicht­li­chen High­lights vor.

Ers­ter Akt: Mi­se en bou­che.

Es geht los mit ei­ner mu­si­ka­li­schen Um­rah­mung (von Rot­schopf Je­an Ber­mes und Pia­nist Da­ni­el Lang), die mit Wort­spie­len und Opern­ge­sang auf­war­tet – Je­an Ber­mes’ Ge­s­angs­ta­len­te und Wort­witz bo­ten ei­nen Vor­ge­schmack auf sein Spek­ta­kel „Nain por­te quoi?“am 19. Ju­ni 2018.

Zwei­ter Akt: Ex­po­si­ti­on.

Nach dem Be­ginn „in me­di­as res“gab die Bür­ger­meis­te­rin der Stadt Lu­xem­burg Ly­die Pol­fer ei­ni­ge Zah­len zum Bes­ten – mit bis­her 60.234 Zu­schau­ern ha­be man sich im Lau­fe die­ser (noch nicht ab­ge­schlos­se­nen) Sai­son im Ver­gleich zum Vor­jahr noch ge­stei­gert; das Glei­che gel­te für das Ka­pu­zi­ner­thea­ter, für das man mit 6.813 Zu­schau­ern ei­ne Stei­ge­rung von 30 Pro­zent ver­bu­chen kön­ne. Letz­te­res wer­de auch für den Be­ginn der Sai­son 17/18 teil­wei­se re­no­viert wer­den – vor al­lem die Bar im ers­ten Stock wol­le

man et­was auf­sto­cken, um sie für Vor­stel­lun­gen oder Kon­fe­ren­zen über die Stü­cke nutz­bar zu ma­chen. Un­ten soll es au­ßer­dem ei­nen Be­reich ge­ben, in dem Ali­néa-Be­sit­zer Ed­mond Don­ners­bach Bü­cher rund um das Thea­ter an­bie­ten wird.

Drit­ter Akt: Re­tar­die­ren­des

Mo­ment. Die nar­ra­ti­ve Span­nung steigt, man scheint auf den nächs­ten Akt ge­spannt zu sein. Doch zu­vor gibt es ei­nen äs­the­tisch ein­drucks­vol­len Tea­ser für die Sai­son, auf der Lein­wand sieht man in­ter­na­tio­na­le (Mo­zart, And­rew Lloyd We­ber, Ver­di, Sa­rah Ka­ne, Al­bert Ca­mus) und na­tio­na­le Pro­mi­nenz (Pitt Si­mon, Je­an-Paul Ma­es, Syl­via Ca­mar­da, Luc Schiltz, My­ri­am Mul­ler) in ei­ner viel­ver­spre­chen­den Ne­ben­ein­an­der­stel­lung.

Vier­ter Akt: Pe­ri­pe­tie. In sei­ner Vor­stel­lung er­in­nert Tom Leick-Burns sich an­schlie­ßend dar­an, wie er vor et­was mehr als zwei Jah­ren be­haup­te­te, er se­he gar nicht die Not­wen­dig­keit, als neu­er In­ten­dant des Grand Théât­re viel zu än­dern.

Trotz­dem er­wähnt er, wie wich­tig es ihm ge­wor­den ist, die HausKo­pro­duk­tio­nen ins Ram­pen­licht zu stel­len. So wird Raoul Schlech­ter nach Pitt Si­mon und Luc Schiltz der drit­te lu­xem­bur­gi­sche Schau­spie­ler sein, der mit Lau­rent Gut­man ar­bei­ten wird. Und nach sei­ner spek­ta­ku­lä­ren Ad­ap­tie­rung von Ma­chia­vel­lis „Fürs­ten“wird Gut­man in die­ser Ko­pro­duk­ti­on wie­der ei­nen po­li­ti­schen Text („De la dé­mo­cra­tie en Amé­ri­que“von Al­exis de Toc­que­vil­le) frei um­set­zen – ein wohl frü­hes High­light der Sai­son, das am 27. Sep­tem­ber Pre­mie­re fei­ert.

Mit der Neu­er­zäh­lung des „Rum­pel­stilz­chen“wird es auch ein Stück in lu­xem­bur­gi­scher Spra­che ge­ben. Die im Pro­jekt im­pli­zier­ten Na­men las­sen auf je­den Fall auf ei­ne qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Va­ri­an­te des Mär­chens hof­fen – der Text stammt von Ian De Tof­fo­li, die Ins­ze­nie­rung von My­ri­am Mul­ler wird u.a. La­ri­sa Fa­ber, Eli­sa­bet Jo­han­nes­dot­tir, Mar­co Lo­ren­z­i­ni, Je­an-Paul Ma­es, Pitt Si­mon und Raoul Schlech­ter ab dem 15. De­zem­ber auf die Büh­ne brin­gen.

In ei­ner Ko­pro­duk­ti­on mit dem Staats­thea­ter Mainz wird Ca­ro­le Lorang in „7 Mi­nu­ten“11 Schau­spie­le­rin­nen, dar­un­ter 7 aus Lu­xem­burg, über die Kür­zung der Mit­tags­pau­se in ei­nem Tex­til­un­ter­neh­men dis­ku­tie­ren las­sen (Pre­mie­re am 17. Ok­to­ber).

Wei­te­re High­lights sind My­ri­am Mul­lers Ins­ze­nie­rung von Sa­rah Ka­nes „Anéan­tis“(Pre­mie­re am 24. Fe­bru­ar 2018), Mi­chel Hou­el­l­e­bec­qs „Les par­ti­cu­les élé­men­taires“in ei­ner Ins­ze­nie­rung von Ju­li­en Gos­se­lin (am 24. und 25. No­vem­ber) und „Nina, c’est aut­re cho­se“von Mi­chel Vi­na­ver und mit Eu­gé­nie An­se­lin (Pre­mie­re am 8. De­zem­ber). Des Wei­te­ren wird man Ins­ze­nie­run­gen von Ib­sen, Ca­mus, Du­ras, Brecht und Zo­la zu se­hen be­kom­men und die Schau­büh­ne Ber­lin wird erst­mals in Lu­xem­burg sein.

Auf dem Opern­pro­gramm kann man ne­ben Klas­si­kern wie Mo­zarts „Don Gio­van­ni“(ab dem 23. Ok­to­ber) u.a. „Le jour­nal d’un di­s­pa­ru“(am 4. und 5. Ja­nu­ar 2018) in ei­ner Ins­ze­nie­rung des ta­len­tier­ten Ivo van Ho­ve, des­sen „Vu du pont“man vor kur­zem ge­nie­ßen konn­te, her­vor­he­ben. Für die Mu­si­cal­fans war­tet mit And­rew Lloyd We­bers „Evi­ta“ab dem 19. De­zem­ber auch wie­der ein Klas­si­ker die­ser Gat­tung auf.

Die Tanz­sai­son wird mit Syl­via Ca­mar­das „Ex(s)ili­um“(am 4. und 5. Ok­to­ber), das sich mit exi­lier­ten Dik­ta­to­ren aus­ein­an­der­setzt, An­ne-Ma­rei­ke Hess’ „Gi­ve me a Rea­son to Feel“(am 29. und 30. No­vem­ber) und „Dri­ven“von Je­an-Guil­lau­me Weis (am 26. und 27. Ju­ni 2018) auch drei lu­xem­bur­gi­sche Wer­ke be­inhal­ten. Da­ne­ben gibt es die Rück­kehr gro­ßer Na­men so­wie Ent­de­ckun­gen wie „Dan­cing Grand­mo­thers“von Eun-me Ahn (am 30. und 31. Ja­nu­ar 2018).

Fünf­ter Akt: Dé­nou­e­ment.

Das Pu­bli­kum wird im Hof auf ei­nen Aus­schank ein­ge­la­den, im Ge­gen­satz zum En­de ei­nes rea­len Thea­ter­stücks darf man sich hier erst­mal auf das, was noch kom­men wird, freu­en.

Ei­nes von vie­len High­lights: „Les par­ti­cu­les élé­men­taires“vom Mi­s­an­thro­pen Hou­el­l­e­becq

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