Lu­xem­burg, wie es frü­her ein­mal war

AUS­STEL­LUNG Fo­to­gra­fi­en von Jo­chen Her­ling im Rats­kel­ler

Tageblatt (Luxembourg) - - Kultur | Fotografie - An­gé­li­ka Tho­mé

Die Pho­to­thèque der Stadt Lu­xem­burg ge­währt auch in die­sem Som­mer wie­der Ein­blick in ih­ren reich­hal­ti­gen Fun­dus. Nach meh­re­ren the­ma­ti­schen Aus­stel­lun­gen wid­met sie ih­re dies­jäh­ri­ge Aus­stel­lung ei­nem ein­zel­nen Fo­to­gra­fen: Jo­chen Her­ling. Die Por­träts, Re­por­ta­ge- und Kunst­fo­to­gra­fi­en spie­geln die ver­schie­de­nen Fa­cet­ten und In­ter­es­sen des 75-jäh­ri­gen Fo­to­gra­fen, der sein Me­tier von der Pi­ke auf ge­lernt und vier Jahr­zehn­te lang in den un­ter­schied­lichs­ten Be­rei­chen aus­ge­übt hat.

Bis 2001 ar­bei­te­te Her­ling als frei­be­ruf­li­cher Fo­to­graf, u.a. für das Lët­ze­buer­ger Land und für den „Ser­vice in­for­ma­ti­on et pres­se“. Er il­lus­trier­te Ka­ta­lo­ge von Lu­xem­bur­ger Künst­lern und Au­to­ren so­wie Koch- und Gar­ten­bü­cher. Sei­ne Fo­tos wur­den in zahl­rei­chen Ein­zel- und Grup­pen­aus­stel­lun­gen prä­sen­tiert.

Ab An­fang der 1960er be­glei­te­te Jo­chen Her­ling das groß­her­zog­li­che Paar als Pres­se­fo­to­graf auf meh­re­ren Staats­be­su­chen. In den 80ern avan­cier­te er zum of­fi­zi­el­len Fo­to­gra­fen der groß­her­zog­li­chen Fa­mi­lie.

Die rund 100 Fo­to­gra­fi­en, die im Rats­kel­ler prä­sen­tiert wer­den, stam­men aus den 70er- bis 90erJah­ren und wur­den größ­ten­teils in Schwarz-Weiß fo­to­gra­fiert. Über der Aus­stel­lung, die Lu­xem­burg zeigt, wie es frü­her ein­mal war, liegt ei­ne nost­al­gi­sche Grund­stim­mung. Da­zu tra­gen auch die Mo­ti­ve bei, die Her­ling mit sei­ner Ka­me­ra fest­ge­hal­ten hat.

At­mo­sphä­re

Sie zei­gen stim­mungs­vol­le Aus­schnit­te aus dem eins­ti­gen Stadt­bild und ge­wäh­ren Ein­bli­cke in den All­tag der da­ma­li­gen Be­woh­ner. Die­se Fo­tos ver­mit­teln den Ein­druck ei­ner vi­ta­len, fa­cet­ten­rei­chen Stadt, in der von der heu­te herr­schen­den Hek­tik noch nichts zu spü­ren ist.

Dass frü­her nicht al­les bes­ser war, das be­le­gen die Auf­nah­men aus den ärm­li­chen Vier­teln, wo – man­gels aus­rei­chend Was­ser und Licht – noch am Brun­nen ge­wa­schen wur­de oder die Klei­der vor der Haus­tür ge­flickt wur­den. In sei­ner Funk­ti­on als Fo­to­jour­na­list hat Jo­chen Her­ling auch ei­ne Viel­zahl an be­son­de­ren Er­eig­nis­sen do­ku­men­tiert, zum Bei­spiel Bau­ern- und Schü­ler­pro­tes­te, of­fi­zi­el­le Vi­si­ten oder den au­to­frei­en Sonn­tag. Bei die­ser Ge­le­gen­heit fing er ein Bild ein, das Rei­ter zeigt, die ih­re Pfer­de de­mons­tra­tiv auf Park­plät­zen „par­ken“.

Ge­le­gent­lich kann Her­ling sich ein Au­gen­zwin­kern nicht ver­knei­fen. Aus dem Gros der Re­por­ta­ge-Fo­tos spricht je­doch die pro­fes­sio­nel­le Dis­tanz des Fo­to­jour­na­lis­ten und sein Be­stre­ben, die ein­zel­nen The­men mit aus­sa­ge­kräf­ti­gen Fo­tos zu il­lus­trie­ren.

Ne­ben Mo­ment­auf­nah­men prä­sen­tiert die Aus­stel­lung auch in­sze­nier­te Fo­tos und zahl­rei­che Por­träts von Po­li­ti­kern und Künst­lern, die das Le­ben in Lu­xem­burg präg­ten, von Stars und Stern­chen und in­ter­na­tio­na­ler Pro­mi­nenz.

Der künst­le­ri­sche An­satz, den Her­ling ver­folgt, tritt bei sei­nen rein äs­the­ti­schen Fo­to­gra­fi­en deut­lich her­vor. Auf­nah­men wie die ei­nes Mönchs im Klos­ter von Clerf be­le­gen Jo­chen Her­lings Ta­lent für at­mo­sphä­ri­sche Dich­te und ei­nen kunst­vol­len Auf­bau.

Zu der Aus­stel­lung, die bis zum 9. Sep­tem­ber im Rats­kel­ler des Cer­cle Cité in der rue du Cu­ré täg­lich von 10 bis 19 Uhr ge­zeigt wird, ist ein um­fang­rei­cher Ka­ta­log er­schie­nen.

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