LSAP mit As­sel­born, CSV oh­ne Juncker

SÜ­DEN Kampf um die Vor­macht­stel­lung könn­te neu ent­facht wer­den

Tageblatt (Luxembourg) - - Geschichte - Luc La­boul­le

Der Er­folg der CSV im Süd­be­zirk war eng mit dem Auf­stieg von Je­an-Clau­de Juncker ver­bun­den. In die­sem Jahr tritt der lang­jäh­ri­ge Pre­mier­mi­nis­ter erst­mals nicht mehr an. Wird die CSV ih­re acht Man­da­te trotz­dem ver­tei­di­gen kön­nen? Oder kann die LSAP nach den ver­korks­ten Ge­mein­de­wah­len wie­der zu al­ter Stär­ke zu­rück­fin­den? Mit 23 zu ver­ge­ben­den Man­da­ten und zehn Lis­ten ist der Sü­den der größ­te und wich­tigs­te Wahl­be­zirk Lu­xem­burgs. Tra­di­tio­nell hat­te die LSAP die Vor­machts­stel­lung in dem in­dus­tri­ell ge­präg­ten Be­zirk. 1999 wur­den die So­zia­lis­ten aber von der CSV als stärks­te Par­tei ab­ge­löst, auch wenn die Zahl der Man­da­te (7) in dem Jahr noch aus­ge­gli­chen war. 2004 ge­wann die LSAP zwar ei­nen Sitz zu­rück, doch die CSV leg­te um zwei Sit­ze zu und ist seit­dem auch sitz­mä­ßig die stärks­te Par­tei. 2009 fiel die LSAP wie­der auf sie­ben Sit­ze, wäh­rend die CSV ih­re neun Man­da­te be­hal­ten konn­te. Auch bei der letz­ten Wahl 2013 konn­te die LSAP kei­nen Sitz hin­zu­ge­win­nen, wäh­rend die CSV ei­nen Sitz ab­ge­ben muss­te und nur noch auf acht Man­da­te kam.

Der zu­neh­men­de Er­folg der CSV im Sü­den war zeit­lich eng ver­knüpft mit dem Auf­stieg von Je­an-Clau­de Juncker. 2013 lag der Un­ter­schied zwi­schen den bei­den gro­ßen Volks­par­tei­en bei 117.000 Stim­men. Trotz SRELAf­fä­re er­reich­te der heu­ti­ge EUKom­mis­si­ons­prä­si­dent bei den letz­ten Wah­len im­mer­hin noch fast 56.000 Stim­men. Der Sym­pa­thie­trä­ger und Spit­zen­kan­di­dat der So­zia­lis­ten, Au­ßen­mi­nis­ter Je­an Ass­sel­born, kam hin­ge­gen nur auf knapp 38.000 Stim­men.

Auf den wei­te­ren Plät­zen ging es aus­ge­gli­che­ner zu. Aus­schlag­ge­bend wa­ren vor al­lem die fast 75.000 Lis­ten­stim­men, mit de­nen die CSV 2013 vor der LSAP lag. Doch auch bei den Lis­ten­stim­men dürf­te der Juncker-Bo­nus ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben.

Ge­mein­de­wah­len

Je­an-Clau­de Juncker tritt be­kannt­lich nicht mehr an. Spit­zen­kan­di­dat ist jetzt der CSVPar­tei­prä­si­dent Marc Spautz, der 2013 als Zweit­ge­wähl­ter nur halb so vie­le Wäh­ler wie Juncker von sich über­zeu­gen konn­te. Un­ter­stüt­zung er­hält er von den „dé­pu­tés-mai­res“Lau­rent Zei­met, Gil­les Roth, Fe­lix Ei­schen und Mi­chel Wol­ter.

Die LSAP-Lis­te im Sü­den wird noch im­mer von Je­an „mer­de alors“As­sel­born an­ge­führt, der vor fünf Jah­ren rund 10.000 Stim­men mehr als Spautz ver­bu­chen konn­te. Selbst Par­la­ments­prä­si­dent Mars di Bar­to­lo­meo, der eben­falls er­neut kan­di­diert, lag 2013 als Zweit­ge­wähl­ter noch vor Spautz. Fer­ner kann die LSAP mit Ly­dia Mutsch und Dan Kersch zwei Mi­nis­ter auf­bie­ten.

Ge­gen die Christ­so­zia­len spricht auch, dass sich die ge­bür­ti­ge Esche­rin Vi­via­ne Re­ding ent­schie­den hat, im Zen­trum zu kan­di­die­ren, so dass die CSV kei­nen Er­satz für Juncker lie­fern kann. Un­ter den jun­gen Kan­di­da­ten fin­det sich kaum je­mand, der po­li­tisch schon et­was vor­zu­wei­sen hat.

Ob die LSAP, die sich ge­gen­über 2013 deut­lich ver­jüngt hat, von die­ser ver­meint­li­chen per­so­nel­len Schwä­che der Christ­so­zia­len pro­fi­tie­ren kann und ih­re Stel­lung im Sü­den fes­ti­gen oder so­gar aus­bau­en kann, wird sich zei­gen. Bei den letz­ten Um­fra­gen schnit­ten die So­zia­lis­ten nicht be­son­ders gut ab. Auch stellt sich die Fra­ge, ob ih­re Nie­der­la­ge bei den Ge­mein­de­wah­len 2017 vor al­lem auf das Re­fe­ren­dum von 2015 zu­rück­zu­füh­ren war oder ob sich ei­ne dau­er­haf­te Ab­kehr von der So­zi­al­de­mo­kra­tie eta­bliert hat. Chan­cen­los ist die LSAP im Sü­den je­den­falls nicht. Vie­les hängt aber da­von ab, ob sie den Wäh­lern ih­re In­hal­te (38-St­un­den-Wo­che und Er­hö­hung des Min­dest­lohns) aus­rei­chend ver­mit­teln konn­te.

Die DP, für die der Sü­den noch nie ei­ne Hoch­burg war, wird es wohl auch in die­sem Jahr schwer ha­ben. Für sie wird es dar­auf an­kom­men, ih­re drei Sit­ze zu hal­ten. Ob ihr das ge­lin­gen wird, ist frag­lich. Ent­schei­dend wird auch sein, ob die Wäh­ler dem Wahl­de­bü­tan­ten und Fi­nanz­mi­nis­ter Pier­re Gra­megna sei­ne ver­krampf­te Ins­ze­nie­rung als wasch­ech­ter Escher („Ciao Ga­b­ri­el­la, co­me stai“) ab­neh­men und ob Bil­dungs­mi­nis­ter Clau­de Meisch sei­ne Po­pu­la­ri­tät in Dif­fer­din­gen nun end­gül­tig an sei­nen grü­nen Kon­tra­hen­ten Ro­ber­to Tra­ver­si­ni ver­lo­ren hat.

Denn auch „déi gréng“, die seit 1994 bei zwei Man­da­ten sta­gnie­ren, wol­len end­lich ih­ren drit­ten Sitz. Ne­ben Tra­ver­si­ni kön­nen auch Jus­tiz­mi­nis­ter Fe­lix Braz und die Ab­ge­ord­ne­te Jo­sée Lor­sché mit ei­nem gu­ten Re­sul­tat rech­nen. Nicht mehr da­bei ist My­ri­am Cec­chet­ti, die 2013 Fünf­te bei „déi gréng“wur­de.

Zu­sam­men mit dem Ab­ge­ord­ne­ten Marc Baum ging Cec­chet­ti in die­sem Jahr als Spit­zen­kan­di­da­tin für „déi Lénk“auf Stim­men­fang. Die Lin­ke macht sich nicht nur we­gen ih­rer zu­neh­men­den po­li­ti­schen Öff­nung, son­dern auch auf­grund der Re­sul­ta­te der letz­ten „Sonn­des­fro“be­rech­tig­te Hoff­nun­gen auf ein zwei­tes Man­dat im Sü­den, das sie bei den letz­ten Wah­len ver­passt hat­te.

Die ADR will mit der Un­ter­stüt­zung der Initia­ti­ve „Nee 2015/Wee 2050“ih­ren zwei­ten Sitz be­hal­ten. Ob die Fo­kus­sie­rung auf die Wahl­kampf­the­men Spra­che und Iden­ti­tät der Par­tei eher ge­nützt oder ge­scha­det hat, bleibt ab­zu­war­ten. Die en­ga­gier­te KPL, die prak­tisch nur durch ih­ren Spit­zen­kan­di­da­ten Ali Ru­ckert in Er­schei­nung tritt, dürf­te im Sü­den ge­nau­so we­ni­ge Chan­cen ha­ben wie die Pi­ra­ten, die kei­ne pro­gram­ma­ti­sche Li­nie fin­den.

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