Show­down zwi­schen Spit­zen­kan­di­da­ten

ZEN­TRUM Nur noch 33,88 Pro­zent der Ein­woh­ner sind wahl­be­rech­tigt

Tageblatt (Luxembourg) - - Geschichte - Guy Kemp

Im Wahl­be­zirk Zen­trum dürf­te es in vie­ler­lei Hin­sicht am Sonn­tag span­nend wer­den: Nicht nur tre­ten hier die Spit­zen­kan­di­da­ten al­ler maß­ge­ben­den Par­tei­en an, auch ha­ben die DP und ihr Pre­mier­mi­nis­ter Xa­vier Bet­tel ein bei den ver­gan­ge­nen Wah­len er­ziel­tes au­ßer­ge­wöhn­lich gu­tes Er­geb­nis zu ver­tei­di­gen und manch per­sön­li­ches Ab­schnei­den der Kan­di­da­ten wird un­ter be­son­de­rer Be­ob­ach­tung ste­hen. Im Be­zirk Zen­trum wird es zum Show­down der Spit­zen­kan­di­da­ten kom­men, hier tre­ten die wich­tigs­ten Kan­di­da­ten der Par­tei­en an: Her­aus­for­de­rer Clau­de Wi­se­ler, Xa­vier Bet­tel, der sein Amt ver­tei­di­gen will, Eti­en­ne Schnei­der, der es ihm ab­luch­sen, doch gleich­zei­tig die ge­gen­wär­ti­ge Ko­ali­ti­on wei­ter­füh­ren will. Und François Bausch, der zwar of­fi­zi­ell nicht als der Spit­zen­kan­di­dat der Grü­nen gilt, aber den­noch so wirkt. Als sol­che tra­gen sie Ver­ant­wor­tung für das Ab­schnei­den ih­rer Par­tei über ih­re Be­zirks­gren­zen hin­aus. Ihr per­sön­li­ches Ab­schnei­den, vor al­lem im di­rek­ten Ver­gleich, wird dem­nach auch als Grad­mes­ser für ih­re künf­ti­ge Po­si­ti­on in ih­rer je­wei­li­gen Par­tei die­nen.

In die­ser Hin­sicht wird Xa­vier Bet­tel den schwers­ten Stand ha­ben, den die Par­tei der Li­be­ra­len im Üb­ri­gen mit ih­rem Spit­zen­kan­di­da­ten teilt. Denn bei den Wah­len 2013 hat­ten bei­de ein sehr gu­tes Er­geb­nis ein­ge­fah­ren. Bet­tel lag mit 32.064 Stim­men weit vor den nach­fol­gend Plat­zier­ten Luc Frie­den (CSV, 29.441) und Clau­de Wi­se­ler (CSV, 26.590). Eti­en­ne Schnei­der be­leg­te in die­sem Ran­king den fünf­ten Platz (19.682), François Bausch lag mit 11.598 Stim­men wei­ter ab­ge­schla­gen.

Die DP hat­te 2013 ne­ben „déi Lénk“als ein­zi­ge der gro­ßen Par­tei­en an Stim­men zu­le­gen kön­nen, das um 5,58 Pro­zent­punk­te ge­gen­über 2009. Das brach­te ihr zwei Sit­ze mehr in der Cham­ber ein, die schwie­rig zu ver­tei­di­gen sein wer­den.

In­ner­par­tei­li­ches Du­ell bei der CSV

Ver­mut­lich wird wohl kei­ner sei­ner Mit­strei­ter und Mit­strei­te­rin­nen Xa­vier Bet­tel sei­nen ers­ten Platz strei­tig ma­chen kön­nen. Das dürf­te we­der der haupt­städ­ti­schen Bür­ger­meis­te­rin Ly­die Pol­fer noch Par­tei­che­fin Co­rin­ne Ca­hen ge­lin­gen. An­ders sieht es bei der CSV aus. Dort hat­te sich ganz zu Be­ginn des Wahl­kampf­ge­schäfts die EU-Par­la­men­ta­rie­rin Vi­via­ne Re­ding forsch in Po­si­ti­on ge­bracht („Ich kann al­les!“) und da­mit nicht nur den gut­mü­ti­gen Clau­de Wi­se­ler dü­piert.

Von der gro­ßen Büh­ne des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments in Brüs­sel aus rühr­te die re­so­lu­te Ex-Kom­mis­sa­rin via In­ter­view im hei­mi­schen Fern­seh­sen­der die Wer­be­trom­mel und brach­te da­mit den CSV-Spit­zen­kan­di­da­ten in Be­dräng­nis. So sehr, dass sie schleu­nigst, dem Ver­neh­men nach, vom CSV-Par­tei­prä­si­den­ten Marc Spautz aus­ge­bremst wur­de. Seit­dem fiel sie nicht mehr auf. Den­noch, Vi­via­ne Re­ding zieht Stim­men an, das ha­ben nicht zu­letzt die Eu­ro­pa­wah­len 2014 ge­zeigt. Man darf dem­nach ge­spannt sein, wie sich die­ses in­ner­par­tei­li­che Du­ell ent­schei­den wird.

An­de­re Par­tei­en dürf­ten an­de­re Sor­gen ha­ben. So et­wa die LSAP, die Grü­nen und die ADR, die sich fra­gen wer­den, ob der nach den Wah­len von 2004 ein­set­zen­de Ab­wärts­trend ge­stoppt wer­den kann. Wo­bei die ADR auch bei den Wah­len 2004 hat Fe­dern las­sen müs­sen. Und kön­nen die Lin­ken ih­ren 2013 er­run­ge­nen ers­ten Sitz im Zen­trum ver­tei­di­gen oder un­er­war­te­ter­wei­se gar ei­nen zwei­ten da­zu­ge­win­nen?

Die Par­tei­en ha­ben sich nun in Po­si­ti­on ge­bracht, mit für die meis­ten von ih­nen (CSV, LSAP, DP, Grü­ne, Lin­ke) et­wa um die Hälf­te er­neu­er­ten Lis­ten. Nur die ADR hat bis auf drei ehe­ma­li­ge Kan­di­da­ten 18 neue an­wer­ben müs­sen.

Schließ­lich: Ja, Rot-Blau-Grün er­hielt mit dem Vor­schlag zum Aus­län­der­wahl­recht beim Re­fe­ren­dum 2015 ei­ne Ab­fuhr. Den­noch: Bei den letz­ten Wah­len wur­de an die­ser Stel­le dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass im Be­zirk Zen­trum nur mehr 45,4 Pro­zent der Be­völ­ke­rung wahl­be­rech­tigt sei­en. Bei ei­ner der­zei­ti­gen Be­völ­ke­rungs­zahl von 213.719 (Stand 1.1.18) und 72.422 ein­ge­schrie­be­nen Wäh­lern sind es mitt­ler­wei­le gar nur noch 33,88 Pro­zent der Ein­woh­ner, die hier wäh­len dür­fen. Wenn das kein Auf­trag an die nächs­te Re­gie­rung ist ...

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