Ab­ge­flau­ter Skan­dal

KOM­MEN­TAR Zur „Ope­r­a­ción Pu­er­to“

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - Chris Schlei­mer

Die Ent­hül­lun­gen ka­men ei­nem Erd­be­ben gleich, als die spa­ni­sche Guar­dia Ci­vil im Jahr 2006 das Do­ping­netz­werk um den Gy­nä­ko­lo­gen Euf­e­mia­no Fu­en­tes auf­deck­te. Ein paar der welt­bes­ten Rad­pro­fis, wie Jan Ull­rich oder Ivan Bas­so, durf­ten we­gen ih­rer Ver­stri­ckung in den Skan­dal nicht an der Tour de Fran­ce 2006 teil­neh­men. Es folg­te ein jah­re­lan­ges ju­ris­ti­sches Kräf­te­mes­sen um die lü­cken­lo­se Auf­klä­rung des Skan­dals. Zwi­schen­zeit­lich hat­te die spa­ni­sche Jus­tiz so­gar ent­schie­den, die Be­wei­se zu ver­nich­ten.

Ges­tern nun, gut zwölf Jah­re spä­ter, kam die Nach­richt, dass ein spa­ni­sches Ge­richt ent­schie­den hat, die Blut­beu­tel an das Ita­lie­ni­sche Olym­pi­sche Ko­mi­tee wei­ter­zu­ge­ben. So könn­ten aus den 211 Blut­beu­teln wei­te­re Kun­den iden­ti­fi­ziert wer­den. So groß die Em­pö­rung 2006 war, so ru­hig wur­de das Ge­richts­ur­teil nun zur Kennt­nis ge­nom­men. Doch auch wenn die Ver­ge­hen längst ver­jährt sind und kein Sport­ler Sank­tio­nen zu be­fürch­ten hat, so wä­re es den­noch wich­tig, den Fu­en­tes-Skan­dal end­lich auf­zu­ar­bei­ten, auch in Lu­xem­burg. Und wer jetzt wie­der mit dem Ar­gu­ment kommt, es brin­ge doch nichts, im­mer wie­der die­se al­ten Ka­mel­len aus­zu­pa­cken, dem sei ge­sagt, dass es sehr wohl et­was bringt. An­sons­ten bräuch­te es auch kei­nen Ge­schichts­un­ter­richt in der Schu­le.

Die Au­f­ar­bei­tung der Ver­gan­gen­heit kann sehr wohl schmerz­haft sein, ist al­ler­dings un­ab­ding­bar für ei­ne bes­se­re Zu­kunft. Was für das gro­ße Welt­ge­sche­hen stimmt, trifft auch auf den Mi­kro­kos­mos des Sports zu.

cschlei­mer@ta­ge­blatt.lu

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