Kein Wun­der in Sicht

MEI­NUNG Der CSU droht der Ab­sturz – das birgt auch Chan­cen

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Ha­gen Strauß, Ber­lin

Ver­gelt’s Gott, end­lich ist es vor­bei. An die­sem Sonn­tag ha­ben die Bay­ern die Wahl. Dann en­det hof­fent­lich auch die quä­len­de Zeit, in der die schwarz-ro­te Ko­ali­ti­on in Ber­lin ge­trie­ben wor­den ist von in Pa­nik ge­ra­te­nen Füh­rungs­fi­gu­ren der CSU. Gleich zwei­mal bis an den Rand des Bruchs. Glaubt man den Um­fra­gen, ist selbst ein Ab­sturz un­ter die 35 Pro­zent mög­lich. Zwar sind die De­mo­sko­pen bei den letz­ten Wah­len al­les an­de­re als treff­si­cher ge­we­sen. Das ist der Stroh­halm, an den sich die CSU und ih­re Funk­tio­nä­re klam­mern. Und wenn Po­li­ti­ker nicht mehr wei­ter wis­sen, dann ar­gu­men­tie­ren sie ger­ne da­mit, dass sie die Stim­mung auf den Stra­ßen und Plät­zen ganz an­ders wahr­neh­men als die Mei­nungs­for­scher er­klä­ren. So auch Mar­kus Sö­der, der Mi­nis­ter­prä­si­dent, so auch Horst See­ho­fer, der Par­tei­chef.

Doch es müss­te schon ein weiß-blau­es Wun­der ge­sche­hen, da­mit der Ab­sturz, wie tief auch im­mer, aus­bleibt. Denn die frü­he­re Staats­par­tei hat sich schlicht­weg von ih­rem Wahl­volk und sei­nen Pro­ble­men ent­fernt. Die Bay­ern den­ken deut­lich mo­der­ner, als die vie­len Tra­di­tio­na­lis­ten in der CSU im­mer noch glau­ben. Hin­zu kommt der er­bit­ter­te Macht­kampf zwi­schen Sö­der und See­ho­fer, der auch nach der Äm­ter­auf­tei­lung im letz­ten Jahr nicht ge­en­det hat, son­dern bis heu­te wei­ter­geht. Und das nicht ein­mal ver­steckt, son­dern auf of­fe­ner Büh­ne. Der Streit hat selbst die treus­ten der Treu­en an­ge­wi­dert und zu an­de­ren Par­tei­en wech­seln las­sen.

So ist die La­ge der CSU. Ku­rio­ser­wei­se kön­nen sich aus ei­nem mie­sen Wah­l­er­geb­nis der Christ­so­zia­len Chan­cen für den Rest der Re­pu­blik er­ge­ben. Denn ei­ne zu­sam­men­ge­stauch­te CSU müss­te in der schwarz-ro­ten Ko­ali­ti­on deut­lich kon­struk­ti­ver und ko­ope­ra­ti­ver auf­tre­ten.

CSU-Ein­zig­ar­tig­keit wä­re futsch

Selbst ein Sturz von Horst See­ho­fer wür­de das Bünd­nis nicht in Tur­bu­len­zen stür­zen, im Ge­gen­teil. An­ge­la Mer­kel und Andrea Nah­les dürf­ten ver­mut­lich ein Fläsch­chen Rot­wein öff­nen, wenn sie den quer­trei­ben­den In­nen­mi­nis­ter end­lich wie­der los sind.

Die Kanz­le­rin al­le­mal, die mit See­ho­fer we­gen sei­ner har­ten Atta­cken in den Flücht­lings­po­li­tik schon lan­ge ge­bro­chen hat. Au­ßer­dem wä­re die Ein­zig­ar­tig­keit der CSU im bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Macht­ge­fü­ge nach ei­ner Wäh­ler-Wat­schen futsch und die baye­ri­sche Lan­des­re­gie­rung nur noch ei­ne wie je­de an­de­re.

Bei al­len Tur­bu­len­zen, die die CSU dann er­fas­sen wer­den, Ge­fahr für die Ko­ali­ti­on droht in den nächs­ten Wo­chen eher von wo­an­ders – näm­lich sei­tens der SPD. Ei­ne def­ti­ge Nie­der­la­ge in Bay­ern ha­ben die So­zi­al­de­mo­kra­ten schon ein­ge­preist. Sie hat Tra­di­ti­on.

Zehn Pro­zent oder knapp dar­über wä­re frei­lich auch für hart­ge­sot­te­ne Ver­lie­rer star­ker To­bak. Und was, wenn auch die dar­auf­fol­gen­de Land­tags­wahl in Hes­sen für die Ge­nos­sen zu ei­nem De­ba­kel wird? Dann könn­te in der Par­tei der Auf­stand aus­bre­chen ge­gen die Vor­sit­zen­de Nah­les, ge­gen den Ver­bleib in der oh­ne­hin un­ge­lieb­ten gro­ßen Ko­ali­ti­on. Ge­gen die­ses Be­ben wä­re das er­war­te­te baye­ri­sche am Sonn­tag dann doch eher ein schwa­ches.

Die Land­tags­wahl in Bay­ern am Sonn­tag dürf­te nicht nur die dor­ti­ge po­li­ti­sche Land­schaft durch­ein­an­der­wir­beln

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