US-Bun­des­staat Wa­shing­ton schafft To­des­stra­fe ab

HINRICHTUNGEN Rich­ter kri­ti­sie­ren „will­kür­li­che“Ver­ur­tei­lun­gen

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion -

Der US-Bun­des­staat Wa­shing­ton schafft die To­des­stra­fe ab. Die Stra­fe wer­de „will­kür­lich“und auf­grund ras­sis­ti­scher Vor­ur­tei­le ver­hängt, ur­teil­te das Obers­te Ge­richt in dem nord­west­li­chen Bun­des­staat am Don­ners­tag. Es ord­ne­te die Um­wand­lung al­ler To­des­ur­tei­le in le­bens­lan­ge Haft­stra­fen an. Die To­des­stra­fe ver­sto­ße nicht ge­ne­rell ge­gen die Ver­fas­sung, er­klär­ten die Rich­ter. Sie wer­de aber un­ein­heit­lich an­ge­wen­det, hän­ge oft vom Ort des Ver­bre­chens, dem Wohn­ort des Tä­ters oder sei­ner Her­kunft ab und ver­sto­ße da­her ge­gen die Ver­fas­sung. So wie die To­des­stra­fe im Bun­des­staat Wa­shing­ton ge­hand­habt wer­de, kön­ne sie „kei­nem straf­recht­li­chen Ziel die­nen“. Nach An­ga­ben des In­for­ma­ti­ons­zen­trums zur To­des­stra­fe (DPIC) be­trifft die Ge­richts­ent­schei­dung acht Ver­ur­teil­te. Die letz­te Hin­rich­tung in dem Bun­des­staat war 2010 voll­streckt wor­den. Die Ent­schei­dung er­folg­te vor dem Hin­ter­grund des Pro­zes­ses ge­gen Al­len Eu­ge­ne Gre­go­ry, der we­gen der Ver­ge­wal­ti­gung und Er­mor­dung ei­ner Frau im Jahr 1996 zum To­de ver­ur­teilt wor­den war.

In sei­nem Be­ru­fungs­ver­fah­ren ver­wies Gre­go­ry auf ei­ne Stu­die, wo­nach die To­des­stra­fe im Bun­des­staat Wa­shing­ton von je­dem Ge­richt an­ders ge­hand­habt wer­de. Zu­dem sei bei glei­cher Fak­ten­la­ge die Wahr­schein­lich­keit, dass ein Afro­ame­ri­ka­ner zum To­de ver­ur­teilt wer­de, vier­ein­halb Mal hö­her als bei ei­nem wei­ßen An­ge­klag­ten. Wa­shing­ton ist der 20. US-Bun­des­staat, der die To­des­stra­fe ab­ge­schafft hat.

Al­ler­dings hat­te das Obers­te Ge­richt in Wa­shing­ton die To­des­stra­fe be­reits in den Jah­ren 1972, 1979 und 1981 als ver­fas­sungs­wid­rig ein­ge­stuft. Im An­schluss wur­den je­weils neue Ge­set­ze er­las­sen. Seit 1976 wur­den in Wa­shing­ton fünf To­des­ur­tei­le voll­streckt. Wa­shing­tons Gou­ver­neur Jay Ins­lee be­grüß­te das Ur­teil als äu­ßerst wich­ti­gen Schritt hin zu ei­ner „fai­ren Recht­spre­chung“. Der de­mo­kra­ti­sche Po­li­ti­ker hat­te 2014 ein Mo­ra­to­ri­um für die Voll­stre­ckung von To­des­ur­tei­len ver­hängt. Die An­wen­dung der To­des­stra­fe geht in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu­rück. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den 39 Men­schen hin­ge­rich­tet, 2010 wa­ren es 114 ge­we­sen, im Jahr 1998 noch 295.

Von den 30 Staa­ten, in de­nen die To­des­stra­fe noch le­gal ist, voll­streck­ten 16 seit 1976 kein To­des­ur­teil mehr. In die­sem Jahr wur­den in den USA 18 Men­schen exe­ku­tiert, zehn von ih­nen im Bun­des­staat Te­xas. (AFP)

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.