Fu­en­tes-Blut­beu­tel vor Frei­ga­be

DOPING Auch Frank Schleck war in den Do­ping­skan­dal ver­wi­ckelt

Tageblatt (Luxembourg) - - Radsport - Chris Schlei­mer

Zwölf Jah­re nach der „Ope­r­a­ción Pu­er­to“könn­ten die Na­men der von Do­ping­arzt Euf­e­mia­no Fu­en­tes be­treu­ten Sport­ler doch noch ans Ta­ges­licht kom­men. Fu­en­tes hat al­ler­dings wohl schon wie­der Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil ein­ge­legt. Auch Frank Schleck hat­te Ver­bin­dun­gen zum Blut­pan­scher aus Ma­drid. Kommt es doch noch zum Durch­bruch im Do­ping­skan­dal um den spa­ni­schen Arzt Euf­e­mia­no Fu­en­tes? Wie die spa­ni­sche Sport­zei­tung AS be­rich­tet, hat ein Ge­richt in Ma­drid ent­schie­den, dass das Olym­pi­sche Ko­mi­tee Ita­li­ens (CONI) Pro­ben al­ler si­cher­ge­stell­ten Blut­beu­tel er­hal­ten kann. Im Jahr 2006 hat­te die spa­ni­sche Guar­dia Ci­vil ins­ge­samt 211 Blut­beu­tel im Rah­men der „Ope­r­a­ción Pu­er­to“si­cher­ge­stellt. Da­mit könn­ten die Kun­den zwölf Jah­re nach dem Skan­dal iden­ti­fi­ziert wer­den. Es wä­re ei­ne spä­te und spek­ta­ku­lä­re Wen­de im Do­ping­skan­dal.

Fu­en­tes, der ei­gent­lich Gy­nä­ko­lo­ge ist, hat­te vie­len Top-Ath­le­ten beim Do­pen ge­hol­fen, dar­un­ter auch dem ak­tu­el­len Stra­ßen­welt­meis­ter im Rad­sport, Ale­jan­dro Val­ver­de. Der Spa­nier, dem ein Blut­beu­tel mit der Be­schrif­tung „Valv.Pi­ti“zu­ge­ord­net wur­de, war dar­auf­hin für zwei Jah­re ge­sperrt wor­den.

Auch Frank Schleck war in den Fu­en­tes-Skan­dal ver­wi­ckelt. Im Ju­li 2008 hat­te die Süd­deut­sche Zei­tung erst­mals dar­über be­rich­tet und be­haup­tet, der da­ma­li­ge CSC-Pro­fi Schleck ha­be mit sei­nem da­ma­li­gen Team-Ma­na­ger Bjar­ne Riis den Do­pingarrzt ge­trof­fen. Der Lu­xem­bur­ger hat­te dar­auf­hin er­klärt, er „ken­ne den Mann nicht, von dem im Ar­ti­kel die Re­de geht und war auch nie bei ihm“. Schleck sprach von ei­nem „bös­wil­li­gen Ar­ti­kel“.

En­de Sep­tem­ber 2008 folg­te ein wei­te­rer Ar­ti­kel aus der Süd­deut­schen Zei­tung, in dem von ei­ner Geld­über­wei­sung vom März 2006 von Schleck in Hö­he von 6.991,91 Eu­ro auf ein Schwei­zer Kon­to be­rich­tet wur­de. Der Deck­na­me des Kon­tos, „Co­des Hol­ding“war den Er­mitt­lern aus der „Ope­r­a­ción Pu­er­to“be­kannt. Im April des glei­chen Jah­res ge­wann Schleck das Am­s­tel Gold Race und im Ju­li die Tour-Etap­pe hin­auf nach Al­pe d’Hu­ez.

Nach ta­ge­lan­gem Schwei­gen er­klär­te sich der Rad­pro­fi am 3. Ok­to­ber 2008 in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung. Die Über­wei­sung von 7.000 Eu­ro (von de­nen dann nach Ab­zug der Bank­ge­büh­ren 6.991,91 Eu­ro üb­rig blie­ben) sei für ei­nen Trai­nings­plan ge­we­sen. Er ha­be al­ler­dings nie Kon­takt zu Fu­en­tes ge­habt und nach­dem die „Ope­r­a­ción Pu­er­to“be­kannt wur­de, ha­be er we­der nach dem an­ge­for­der­ten Trai­nings­plan ge­fragt noch ha­be er sein Geld zu­rück­ver­langt.

Au­ßer­dem bot Schleck der lu­xem­bur­gi­schen An­ti-Do­pingA­gen­tur (ALAD) ei­nen DNAVer­gleich an, um sei­ne Un­schuld zu be­wei­sen. Da­zu kam es al­ler­dings nicht. Im De­zem­ber 2008 stell­te die ALAD das Ver­fah­ren ge­gen Schleck aus Man­gel an Be­wei­sen ein. Trotz­dem hält sich das Ge­rücht, dass Frank Schleck der Sport­ler ist, dem die Blut­beu­tel mit dem Co­de­na­men „Ami­go de Bi­ril­lo“zu­zu­ord­nen sind.

Sein ehe­ma­li­ger Team­kol­le­ge bei CSC, Ivan Bas­so, war als „Bi­ril­lo“ent­larvt und ge­sperrt wor­den. Bi­ril­lo war der Na­me von Bas­sos Hund. Ein wei­te­rer Fah­rer, der mit dem Co­de­na­men „Ami­go de Bi­ril­lo“in Ver­bin­dung ge­bracht wird, ist der ehe­ma­li­ge ita­lie­ni­sche Rad­pro­fi Gio­van­ni Lom­bar­di.

Er ge­hör­te dem CSC-Team in den Jah­ren 2005 und 2006 an und war spä­ter Ma­na­ger der Schleck-Brü­der. Laut Süd­deut­scher Zei­tung ha­be Lom­bar­di dem äl­te­ren der Schleck-Brü­der als Mit­tels­mann für den Kon­takt zu Fu­en­tes ge­dient.

Auch um an­de­re Co­de­na­men gab es in der Ver­gan­gen­heit schon so ei­ni­ge Ge­rüch­te. So wur­de der Schwei­zer Fa­bi­an Can­cel­la­ra lan­ge Zeit mit dem Deck­na­men „Cla­si­co­ma­no Lu­i­gi“in Ver­bin­dung ge­bracht. Bis im Jahr 2016 der ehe­ma­li­ge nie­der­län­di­sche Rad­pro­fi Tho­mas Dek­ker ge­stand, dass er der Kun­de mit dem Spitz­na­men „Cla­si­co­ma­no Lu­i­gi“ge­we­sen sei.

Mit dem neu­en Ur­teil des spa­ni­schen Ge­richts könn­ten sich die­se Fra­gen nun end­lich klä­ren. Al­ler­dings soll Fu­en­tes, laut Me­dien­be­rich­ten, be­reits Be­ru­fung ein­ge­legt ha­ben. Es könn­te al­so wie­der zu ei­ner lan­gen ju­ris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung kom­men.

Um die Blut­beu­tel war be­reits ein jah­re­lan­ger Jus­tiz­streit ent­brannt. Erst hat­te ein spa­ni­sches Ge­richt die Zer­stö­rung der Pro­ben be­an­tragt, um die Per­sön­lich­keits­rech­te der Sport­ler zu wah­ren. Dar­auf­hin hat­ten un­ter an­de­rem die Welt-An­ti­do­pingA­gen­tur WADA, der in­ter­na­tio­na­le Rad­sport­ver­band UCI und das CONI Ein­spruch ein­ge­legt. Und das mit Er­folg.

Die WADA soll be­reits ei­nen Teil der Blut­beu­tel den Sport­lern zu­ge­ord­net ha­ben. Das hat­te der ehe­ma­li­ge Ge­ne­ral­di­rek­tor der WADA im Fe­bru­ar 2017 er­klärt. Dem­nach liegt der Welt-An­ti­do­ping-Agen­tur ei­ne Lis­te mit 26 männ­li­chen und drei weib­li­chen Sport­lern vor.

Da die Do­ping­ver­ge­hen al­ler­dings ver­jährt sind, hat die Agen­tur die Na­men aus ju­ris­ti­schen Grün­den noch nicht ver­öf­fent­licht.

Euf­e­mia­no Fu­en­tes stand 2006 im Mit­tel­punkt der Er­mitt­lun­gen zur „Ope­r­a­ción Pu­er­to“

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.