Stren­ge Vor­schrif­ten

LU­XEM­BURG Rund ums The­ma Wahl­bü­ro

Tageblatt (Luxembourg) - - Sport-finish - François Besch

Rechts im Hin­ter­grund zwei Wahl­ka­bi­nen, ganz im Vor­der­grund ei­ne grü­ne Ur­ne, da­zwi­schen Schul­kin­der. Ih­nen wur­de ges­tern – wie hier im Crau­the­mer Wahl­bü­ro – er­klärt, wie die „Gro­ßen“am mor­gi­gen Sonn­tag über die Zu­kunft des Lan­des be­stim­men wer­den. Doch wie ist so ein Wahl­bü­ro ei­gent­lich zu­sam­men­ge­setzt? Im zwei­ten Ka­pi­tel des Ge­set­zes­tex­tes, das die Ge­mein­de-, Le­gis­la­ti­vund Eu­ro­pa­wah­len re­gelt, wer­den Zu­sam­men­set­zung und Funk­ti­ons­wei­se der et­li­chen hun­dert Wahl­bü­ros im Lan­de ge­nau er­klärt. So heißt es u.a., dass je­des Bü­ro aus ei­nem Prä­si­den­ten und vier As­ses­so­ren – bzw. Bei­sit­zen­den – be­steht. Die­se ef­fek­ti­ven Mit­glie­der des Bü­ros wer­den von ei­nem Se­kre­tär as­sis­tiert. In grö­ße­ren Ge­mein­den, die mehr als 15.000 Ein­woh­ner zäh­len, be­steht das Haupt­wahl­bü­ro aus ei­nem Prä­si­den­ten, sechs As­ses­so­ren so­wie ei­nem Se­kre­tär und ei­nem bei­ge­ord­ne­ten Se­kre­tär. In den Kan­to­nal­haupt­or­ten sind es die Prä­si­den­ten der Ge­rich­te oder de­ren Stell­ver­tre­ter, die dem Bü­ro vor­ste­hen. Die Prä­si­den­ten su­chen sich die wei­te­ren Bü­ro­mit­glie­der aus.

Es gibt kei­ne be­son­de­ren Re­geln, um Mit­glied ei­nes Wahl­bü­ros wer­den zu kön­nen. Wer im Be­sitz al­ler Bür­ger­rech­te – al­so bspw. nicht vor­be­straft ist – und dar­über hin­aus le­sen und schrei­ben kann, ist be­reits qua­li­fi­ziert. Über ih­re Auf­ga­ben und Rech­te wer­den die Bü­ro­mit­glie­der ei­ner­seits vom Prä­si­den­ten und an­de­rer­seits durch ein Schrei­ben des In­nen­mi­nis­ters in­for­miert.

Üb­ri­gens sind teils er­heb­li­che Stra­fen vom Ge­setz vor­ge­se­hen, wenn man ge­gen die auf­er­leg­ten Pflich­ten ver­stößt. Man darf et­wa nicht selbst Kan­di­dat sein oder mit ei­nem Kan­di­da­ten eng ver­wandt sein, wenn man bei der Stimm­aus­zäh­lung mit­macht.

Um 8 Uhr wer­den die Wahl­bü­ros am mor­gi­gen Sonn­tag ih­re Tü­ren öff­nen. Die Auf­ga­be der Mit­glie­der der Bü­ros ist es haupt­säch­lich, den ord­nungs­ge­mä­ßen Ablauf der Wah­len zu über­wa­chen. Der Vor­sit­zen­de des Bü­ros ver­fügt über be­son­de­re Rech­te, kann et­wa ei­ne Per­son, die durch ihr Be­neh­men den Ablauf der Wahl stört, des Lo­kals ver­wei­sen oder auch die Po­li­zei alar­mie­ren.

Not­falls darf ein Wäh­ler ver­pflich­tet wer­den

So­bald um 14 Uhr die Wahl­bü­ros ih­re Tü­ren schlie­ßen, wird mit der Aus­zäh­lung der Stim­men be­gon­nen. Die Er­geb­nis­se der ein­zel­nen Bü­ros wer­den gleich an­schlie­ßend an das zen­tra­le Wahl­bü­ro der je­wei­li­gen Ge­mein­de wei­ter­ge­reicht. So­bald sie dort über­prüft wor­den sind, wer­den sie an das „Cent­re des tech­no­lo­gies de l’in­for­ma­ti­on de l’Etat“wei­ter­ge­lei­tet.

Auch ist es so, dass die Mit­glie­der der Wahl­bü­ros für ih­re Ar­beit im Di­ens­te der All­ge­mein­heit ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung er­hal­ten, die je nach Zahl der Wäh­ler va­ri­ie­ren kann. Prä­si­den­ten und Se­kre­tä­re er­hal­ten da­bei et­was mehr als die As­ses­so­ren.

Doch was ge­schieht ei­gent­lich, wenn am mor­gi­gen Sonn­tag in die­sem oder je­nen Wahl­bü­ro ei­ner der As­ses­so­ren fehlt? Et­wa, weil er krank ge­wor­den ist? In die­sem Fall ist meis­tens be­reits im Vor­feld ein Plan B aus­ge­ar­bei­tet wor­den, sprich für Er­satz ge­sorgt. Soll­te dies nicht zu­tref­fen, so kann der Prä­si­dent des je­wei­li­gen Bü­ros ei­nen Wäh­ler, der ge­ra­de an­we­send ist, da­zu ver­pflich­ten, das Amt des As­ses­so­ren zu über­neh­men.

Üb­ri­gens: Je­der Kan­di­dat hat das Recht in den Wahl­bü­ros Zeu­gen zu be­nen­nen, die den Ablauf der Stimm­ab­ga­be über­wa­chen, aber nicht ein­grei­fen kön­nen. Sie dür­fen eben­falls bei der Aus­zäh­lung prä­sent sein. Hier dür­fen sie ge­ge­be­nen­falls Pro­test ein­le­gen. Ist dies der Fall, wird das an das In­nen­mi­nis­te­ri­um wei­ter­ge­lei­tet, das dar­über zu ent­schei­den hat, ob die Aus­zäh­lung wie­der­holt wer­den muss.

Die Wah­len als Un­ter­richts­stoff: Auf Initia­ti­ve der Stif­tung „Zen­trum für po­li­ti­sche Bil­dung“wur­den ges­tern den Kin­dern der obe­ren Zy­klen der Grund­schu­len –hier am Bei­spiel der Ge­mein­de Roe­ser im Crau­the­mer Wahl­bü­ro – die Zu­sam­men­set­zung der Wahl­bü­ros und die Le­gis­la­tiv­wah­len im All­ge­mei­nen er­klärt

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