An­sichts­kar­ten-Se­rie: Dies­mal geht es nach Fels

FELS Se­rie An­sichts­kar­te (Teil 7)

Tageblatt (Luxembourg) - - Sport-finish - An­dré Fel­ler (Text und Ab­bil­dun­gen)

Die heu­ti­ge Rei­se in die Welt der Schlös­ser führt uns ins 11. Jahr­hun­dert zu ei­ner viel be­such­ten Burg­rui­ne im Zen­trum des Lan­des: in

Fels. His­to­ri­ker wie­sen ei­ne Be­sied­lung des Or­tes zu kel­ti­scher Zeit nach. Nach heu­ti­gem Wis­sens­stand exis­tier­te Mit­te des 11. Jahr­hun­derts ei­ne Flieh­burg auf dem „Els­beth Pla­teau“. Aus ver­tei­di­gungs­tech­ni­schen Grün­den er­wies sich die­se Ho­ch­ebe­ne über dem Tal der wei­ßen Ernz als op­ti­mal.

1174 wur­de ein ge­wis­ser Ar­nol­dus de cas­tro ru­pis als Schloss­herr auf­ge­führt. 1192 wird Ar­nulf von Fels ur­kund­lich als Ban­ner­trä­ger der Graf­schaft Lu­xem­burg er­wähnt. Im 12. Jahr­hun­dert be­fand sich das Schloss im Be­sitz der Adels­fa­mi­lie Fels. Un­ter dem Ein­fluss von Jo­hann II. er­leb­te der Ort ei­nen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung. Am 25. März 1343 ge­neh­mig­te Jo­hann der Blin­de, Kö­nig von Böh­men und Graf von Lu­xem­burg, die An­schaf­fung von vier Web­stüh­len in Fels.

1359 ver­starb Jo­hann

II. von Fels oh­ne di­rek­te Nach­fol­ger. Nach vie­len Erb­strei­tig­kei­ten wur­de die Burg­an­la­ge un­ter den Fa­mi­li­en Pit­tin­gen, Crie­chin­gen (Cré­han­ge) und Hom­burg auf­ge­teilt. Die Fa­mi­lie Hom­burg war be­reits zu­vor, zu Leb­zei­ten von Jo­hann II., Teil­be­sit­zer der Burg­an­la­ge. Ar­nold von Pit­tin­gen ließ ei­ne Ka­pel­le er­rich­ten; die­se wur­de am 13. Ju­li 1386 ge­weiht. Nach der Hei­rat sei­ner Toch­ter mit Jo­hann von Crie­chin­gen ge­lang­te sein Be­sitz spä­ter an die Her­ren von Crie­chin­gen.

Auf­grund neu­er Fa­mi­li­en­pak­te und wei­te­ren Erb­fol­gen ver­fiel die Burg in klei­nen An­tei­len an wei­te­re Adels­fa­mi­li­en. Die Na­men der Fa­mi­li­en Hef­fin­gen, Fels-Hef­fin­gen, Con­tern und

Mersch tau­chen in den Ur­kun­den

im Lau­fe der Zeit auf. So be­saß bei­spiels­wei­se Ge­org I. von Fels-Hef­fin­gen nach den zahl­rei­chen Tei­lun­gen nur noch 2/16 von Burg Fels. 1565 zer­stör­te ei­ne Feu­ers­brunst wei­te Tei­le der Burg.

Trotz al­ler Be­mü­hun­gen der Er­ben und der mitt­ler­wei­le recht ho­hen An­zahl an Mit­be­sit­zern konn­te die­se nicht wie­der er­rich­tet wer­den. Am En­de wur­de die Rui­ne Op­fer von St­ein­räu­bern. Bei die­sem Brand wur­de der äl­tes­te Teil der Burg, das Hom­bur­ger Haus aus dem Jah­re 1340, zer­stört. Das Crie­chin­ger Haus aus dem Jah­re 1385 ist das ein­zi­ge, das bis­her kom­plett re­stau­riert wur­de.

1979 er­warb der lu­xem­bur­gi­sche Staat die Burg, seit­her wur­den et­li­che Tei­le von ihr re­no­viert. Nach ei­nem Sturm im Herbst 1990, der ei­nen gro­ßen An­teil des Baum­be­stan­des weg­feg­te, wur­den mensch­li­che Kno­chen­res­te und gut er­hal­te­ne Schä­del na­he der ehe­ma­li­gen Burg­ka­pel­le ent­deckt. Heu­te wird der re­stau­rier­te Kom­plex je­des Jahr von et­wa 25.000 Men­schen be­sucht, im Crie­chin­ger

Haus fin­den in­des häu­fig hoch­wer­ti­ge Aus­stel­lun­gen statt.

Die An­sichts­kar­ten von um 1900 ge­ben ei­gent­lich kei­nen Auf­schluss über das frü­he­re Le­ben auf der Burg. Je­ne aus jüngs­ter Zeit je­doch do­ku­men­tie­ren so­wohl den Zu­stand der Rui­ne als auch de­ren Re­stau­rie­rung. So­mit gel­ten auch die­se An­sichts­kar­ten als stum­me Zeit­zeu­gen.

Ein wich­ti­ges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel

Um 1900 war die An­sichts­kar­te ein wich­ti­ges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel in zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hun­gen. Und auch heu­te ist dem noch so. Das zeigt sich sehr gut am Bei­spiel der An­sichts­kar­te des Ver­le­gers Büch­ler-Reu­land (sie­he oben rechts). Ers­te Nach­for­schun­gen des Au­tors er­ga­ben, dass Je­an-Bap­tis­te Büch­ler-Reu­land der In­ha­ber der Bürs­ten­fa­brik Fab­ro­la in Fels war.

Wei­te­re Re­cher­chen zur Tä­tig­keit des Ge­schäfts­manns in sei­ner Funk­ti­on als An­sichts­kar­ten­ver­le­ger er­ga­ben nichts Kon­kre­tes.

Ers­te Kon­tak­te mit Lo­kal­his­to­ri­kern aus Fels ga­ben et­was mehr Auf­schluss. Die­se neu­en Ver­bin­dun­gen zu den Ge­schichts­for­schern im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Wo­chen brach­ten ers­te Re­sul­ta­te. Mit­hil­fe der An­sichts­kar­ten, die ein­zel­nen Ein­woh­nern von Fels ge­hö­ren, war es mög­lich, an­hand der Post­stem­pel die Ak­ti­vi­täts­pe­ri­ode von Büch­ler-Reu­land als An­sichts­kar­ten­ver­le­ger grob zu de­fi­nie­ren. Die­se er­streckt sich den ers­ten Er­kennt­nis­sen zu­fol­ge über die Jah­re 1903 bis 1918. Wei­te­re Fra­gen sind der­zeit un­ge­klärt, et­wa wer als Ur­he­ber hin­ter den Fo­tos steckt.

Ei­ne ein­zi­ge An­sichts­kar­te gab un­ter­des­sen den Hin­weis auf ei­nen Fo­to­gra­fen na­mens Wey­rich, oh­ne Orts­an­ga­be, oh­ne Vor­na­me. Der­zeit lau­fen so­wohl die Re­cher­chen des Au­tors als auch je­ne der Lo­kal­his­to­ri­ker wei­ter, um Büch­ler-Reu­lands Ak­ti­vi­tät als Ver­le­ger nä­her zu do­ku­men­tie­ren.

Die­ses Bei­spiel ver­deut­licht ei­ner­seits den Auf­bau neu­er Ver­bin­dun­gen auf zwi­schen­mensch­li­cher Ebe­ne und gibt an­de­rer­seits ei­nen Ein­blick in die Reich­wei­te ei­ner Re­cher­che über An­sichts­kar­ten, die weit über die Ab­bil­dung ei­nes Schlos­ses oder ei­ner Land­schaft hin­aus­reich­te.

An­sichts­kar­te des Ver­le­gers Büch­ler-Reu­land ge­gen 1905

Rui­ne der Ka­pel­le ge­gen 1925

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